Indonesien

Selamat Datang di Indonesia - Herzlich willkommen in Indonesien

Den persönlichen Horizont erweitern, soziale Arbeit im Ausland kennenlernen, Weltkirche erleben, Glaubensleben der Schwestern erfahren - die St. Elisabeth-Stiftung bietet allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, acht Wochen bei den Franziskanerinnen von Reute in Indonesien mitzuleben, mitzubeten und mitzuarbeiten.
Hier können Sie stets aktuell, ab 2014, die Berichte der Teilnehmer/innen lesen - sehr beeindruckende Erlebnisse und Erfahrungen:

+++ 2016: +++

+++ 29. April - Petra Fritzenschaft & Barbara Köberle +++

Das war's - Indonesien 2016

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir die vielfältigsten Erfahrungen hier in Indonesien, durch das Projekt der St. Elisabeth-Stiftung "mitleben - mitarbeiten - mitbeten" erleben durften.

Salam hangat - Terimah kasih
Barbara Köberle und Petra Fritzenschaft

+++ 27. April - Barbara Köberle +++

Jeder Tag in diesen acht Wochen war wie das neugierige Öffnen einer Wundertüte; gefüllt mit Impressionen, Erlebnissen, sowie Überraschungen und Erfahrungen, die nicht zu Papier bringen sind.

Ich durfte es erleben, war da und konnte mithelfen wo Menschen mich brauchten.

Terimah Kasih den indonesischen Schwestern
Danke dem Kloster Reute und der St. Elisabeth-Stiftung

+++ 26. April - Fortsetzung +++

* die ersten Wochen war niemand da der deutsch sprechen konnte. Alle bemühten sich zwar, mit mir zu sprechen, aber für Erzählungen zu den Lebensgeschichten der Kinder, zum Erklären der indonesischen Erziehungs- und Lebenshaltungen hat es bei weitem nicht gereicht. Sr. Hildegard war dann wie ein Schlüssel, der die Tür zu den Antworten auf meine vielen Fragen geöffnet hat. Dadurch konnte ich vieles besser einordnen. Das hat sich auch auf mein tägliches Denken und Handeln ausgewirkt. Eine wichtige Erfahrung, dass man Hintergründe, Kultur, Sitten, politische Gegebenheiten kennen muss, um verstehen zu können und dass dazu eine geeignete Person vor Ort sein muss
* hilfreich dabei war für mich auch, nichts mit Deutschland zu vergleichen, nicht zu werten. So ist es hier, bei uns ist es so. Indonesia dan German: different
* der Alltag der Kinder ist sehr strukturiert; es gibt wenig freie Zeit, wenig Abwechslung. Einmal waren wir alle am Meer beim Baden. Das war ein Spaß. Wahrscheinlich hab ich in meiner Zeit mehr von der Insel gesehen als die meisten der Kinder hier. Eine schwierige Erfahrung. Eingeordnet in die Rubrik: das alles ist besser als in den Herkunftsfamilien.
* das Kinderdorf war für mich ein gutes Übungsfeld für das Leben im Hier und Jetzt. Ganz im Augenblick zu sein, in dieser Begegnung, mit diesem Menschen ohne irgendwas, außer eine angenehme Zeit für alle Beteiligten zu wollen.
* zu erleben, dass indonesische Kinder in bestimmten Situationen gleich reagieren wie die Deutschen. Dass auch für indonesische Kinder mit geistiger Behinderung Nähe und Distanz ein Lernfeld ist.
* dass es durchaus möglich ist, mit wenig Brot essenstechnisch zu überleben. :/ auch mit der Schärfe des Essens bin ich immer besser klar gekommen
* dass hier alle schwitzen
* eine weitere Erfahrung ist, dass es hilfreich ist, keine hohen Erwartungen bezüglich Hygiene zu haben. Man muss damit umgehen können. Ebenso mit den Insekten und sonstigem Getier. Angst vor freilaufenden Hunden hindert unbekümmertes gehen im Dorf.
* mit Stromausfall und Wasserknappheit zu leben war eine neue Erfahrung. Eben so das Essen; draußen auf einer Matte auf dem Boden, weil es da noch heller ist als im Haus. Die Mehrarbeit weil der elektrische Reiskocher, der Kühlschrank, der Wasseraufbereiter nicht funktionieren. Auch neu für mich, dass die Kinder in andere Häuser, die noch Wasser haben, zum Duschen gehen. Keiner regt sich darüber auf, sie arrangieren sich, sind es gewohnt. Dieses hinnehmen behindert jedoch Veränderungen...
* die Erwachsenen und Kinder im Kinderdorf leben wie auf einer Insel. Eine eigene Einheit, die Kinder wissen kaum was es auf Nias, in Indonesien oder gar der Welt gibt. So sind sie sehr in ihrem gewohnten Tun verhaftet. Meine Erfahrung dazu war, dass ich mich da versucht habe einzufügen, um dann mit der Zeit Eigenes einzubringen.

Diese Aufzählung ist willkürlich... Es ist für mich persönlich eine große Bereicherung, das Leben im Kinderdorf auf der Insel Nias auf diese Art kennenzulernen: mitleben, mitarbeiten und mitbeten zu können in der Begegnung mit all den Menschen und mit mir selber!

+++ 25. April - Petra Fritzenschaft +++

Als ich darüber nachgedacht habe, meine Erfahrungen zusammen zu fassen, merkte ich, dass das gar nicht so einfach ist, denn die Zeit war so gefüllt mit Erfahrungen und Erkenntnissen. Aber ein Versuch:     
* das Leben hat hier ein anderes Tempo; einen anderen Rhythmus. Nach einer Eingewöhnungszeit hat mir dies sehr gut getan (hoffe jedoch, dass ich mich schnell wieder an unser Tempo gewöhnen werde)
* die Menschen sind hier sehr freundlich, ich wurde unterwegs und in der Kirche immer wieder begrüßt und angesprochen. Das war ein gutes Gefühl, das ich nicht vergessen möchte, wenn ich wieder daheim bin und fremde Menschen treffe.
* die Kinder, Erwachsenen, Schwestern und Pfarrer haben sich sehr bemüht mit mir, trotz meiner sedikit bahasa Indonesia zu sprechen. Die Schwestern haben mich auf Feste mitgenommen. All meine Anfragen; ob ich mit zur Physiotherapie gehen kann, ob ich  das Heim für Kinder mit geistiger Behinderung, das ethnologische Museum in gunung sitoli und das historische Dorf telluk dalam besuchen kann, haben sie mir ermöglicht. Manchmal recht spontan, indonesisch halt, aber alles hat geklappt. Darüber freue ich mich sehr, da all diese Erlebnisse das Bild von Indonesien erweitert haben.
* die Kinder sind hier sehr kreativ. Sie haben wenig Spielmaterial, so machen sie aus zusammen geknüllten Plastiktüten und Haushaltsgummis Bälle, die sie zu einem Spiel brauchen bei dem damit ein Turm aus flachen Steinen getroffen werden muss. Drachen bauen sie aus Plastiktüten, leichten Stöckchen, Nähfaden um eine alte Dose gewickelt; die Drachen steigen sehr hoch hier. Aus Haushaltsgummis die sie zusammen machen entsteht ein Hüpfseil. Wenn ein Federball aber keine Schläger vorhanden sind, dienen Schuhe als Schläger. Schachteln von Lebensmittel dienen als Verpackungsmaterial für Geschenke u.s.w.
* dass die Kinder in der Fastenzeit am Essen gespart haben um dafür armen Familien aus der Gemeinde Lebensmittel und mehr zu kaufen und wie sie das gemeinsam überbracht haben war ein tiefes Erlebnis für mich.
* auch die Armut zu sehen, live, und wie diese Menschen wiederum für die Kinder gebacken und Wasser gekauft haben, ich weiß nicht ob ich dieses Gefühl so in Worte fassen kann, dass es richtig nachempfunden werden kann; falls das überhaupt geht.

Fortsetzung folgt

+++ 22. April - Barbara Köberle +++

Eine indonesische Schulwoche beginnt montags um 08:00 Uhr mit einer Zeremonie - die beinahe einem militärischen Apell bzw. einer Parade (Stechschritt, Kommandos) gleichzustellen ist – und endet samstags um 12:00 Uhr.
Die Schüler und Schülerinnen stellen sich in Schuluniform in "Reih und Glied" auf dem Schulhof auf. Montags in den Landesfarben (weißes Hemd, roter Rock/Hose) und samstags in einer Art "Arbeitsuniform" (beiges Hemd, brauner Rock/Hose sowie einem Schal/einer Krawatte in den Landesfarben). Nachdem der Schulleiter die Schulordnung und Gesetzestexte vorgelesen – naja, ich würde es eher als vor-geschrien bezeichnen – hatte, wird die indonesische Nationalhymne gesungen und dabei die indonesische Flagge gehisst. Samstags wird sie beim selben Akt wieder eingezogen.
In fast allen Dörfern befindet sich eine SD, staatliche Grundschule (Sekolah Dasar). Es besteht Schulpflicht und kostet kein Schulgeld. Obwohl Tumbajae klein ist, gibt es zwei katholische Schulen, die vom Orden "Budi Mulia" geleitet werden. Die SMP (Sekdah Menengah Atas) ist eine Mittelschule und die SMA (Sekdah Menengah Atas) eine Oberschule. Wer die SMA abgeschlossen hat, darf studieren.
Das Einzugsgebiet ist groß. Wer es sich leisten kann, ist in den privaten Katholischen Mädchen- und Bubeninternaten (Asramen) untergebracht.
Sonntags hat die Klinik offiziell geschlossen. So begleite ich Sr. C. zu ihren Krankenbesuchen (Verbandswechsel, Fäden ziehen, Nachsorge und Nabelpflege und so weiter). Wir gingen ins Dorf und sahen schon von weitem das Haus des Verstorbenen. Eine große Menschenschar saß auf Palmblattmatten vor dem Holzhaus, spielten Karten, sangen und tranken Palmwein. Der Verstorbene ist im Haus auf dem Boden aufgebahrt. Familienmitglieder saßen im Sarong gekleidet neben dem Leichnam. Auffallend: Hemden und Hosen lagen zusammengefaltet zu seinen Füßen, bereitgelegt für seine letzte Reise. Uns wurde es nicht zugemutet, auf dem Boden zu sitzen – eilig sind zwei Plastikstühle beim Nachbarn geholt worden. Es wurde gemeinsam gebetet und dem Verstorbenen ein "Selamat jalan" – eine gute Reise, gewünscht. Auf dem Land werden die Toten in unmittelbarer Nähe des Hauses, in prachtvollen Steinhäusern, so wie wir es aus Italien kennen, beigesetzt.

+++ 18. April - Fortsetzung +++

Sr. C. fuhr mit dem Kind im Arm, im überfüllten Auto mit. Eine ca. 3stündige turbulente Fahrt, mit allen Unannehmlichkeiten, da die Begleitpersonen Autofahrten bei diesen Straßenverhältnissen nicht gewohnt sind. Im Krankenhaus: Verdacht auf Hirnhautentzündung.
Eine Woche später kam das Kind quietschfidel und gesund in der Poly vorbei und hat sich mit Früchten bei der „Suster“ bedankt. Sie hatte Typhus.

Typhus ist hier keine Seltenheit. Kinder baden im schmutzigen Flusswasser, spielen, essen, schlafen und wachsen regelrecht auf dem Boden auf. Das Trinkwasser wird oft nicht abgekocht. Täglich kommt ein Kind mit Übelkeit, Erbrechen, Würmern im Stuhl oder Hauterkrankungen in die Poly.
Heute; ein Junge… übersät mit eitrigen Abszessen an Kopf und Körper, hohes Fieber begleitend von Schmerzen. Die Mutter meinte, er hätte eine Milchpulverunverträglichkeit. Die Schwestern ermahnen sie zu mehr Sauberkeit. Das Kind solle täglich und mit Seife (was nicht selbstverständlich ist) gewaschen werden. Ausserdem solle die Kleidung auch nicht im Fluss gewaschen werden. Die Eiteransammlungen werden desinfiziert, eine Salbe wird aufgetragen. Lebertrankapseln und Tabletten gegen Darmwürmer verabreicht. Der Mutter wird geduldig erklärt, wie sie den Antibiotikasaft zu verabreichen hat.

Schmutz, Dreck, Unsauberkeit und vor allem der Müll ist hier auf dem Land ein besonders großes Problem. Es gibt keine Müllabfuhr, mit dem Plastikverpackungsmüll können sie nicht umgehen. Alles wird fallen. Und liegen gelassen. Irgendwann mal zusammengekehrt und an Ort und Stelle verbrannt. Abends liegt oft übelriechender nach verbranntem Plastik riechender Qualm in der Luft.
Nicht selten habe ich die weltbekannten 4cm großen flinken Krabbeltiere, die mit einem großen „K“ beginnen und einem Kleinen „n“ schon gesehen.

+++ 14. April - Barbara Köberle +++

Heute Morgen war ich bereits bei der 4. Geburt dabei. Ein gesunder „laki-laki“ (Junge) kam zur Welt. Die Säuglinge werden nach dem Abnabeln nicht gebadet, sondern nur abgetrocknet und nach Batak Sitte (Batak = Volksstamm, Einheimische) eng in Tücher gewickelt, gewogen und danach erst der Mutter gereicht. Sie begrüßt das Kind mit einem Kuss. Wenn Angehörige anwesend sind, wird das Neugeborene an den Vater zu den „orangtua“ (Großeltern) und den Geschwistern weitergereicht. Eine beeindruckende Begrüßungszeremonie. Körpergröße und Kopfumfang spielen keine Rolle. Die Schwägerin bringt Makan (Reisgericht) vorbei, der Ehemann verabreicht die stärkende Mahlzeit löffelweise seiner Frau.

Jedoch gibt es auch weniger schöne Situationen und Momente. Letzte Woche wurde frühmorgens eine hochschwangere Mutter vom Ehemann und in Begleitung von 2 Mädchen, die bereits ihre Schuluniform anhatten, auf der „Honda“ (so werden hier alle Motorräder genannt) in die „Poly“ gebracht. Ihr schmerzverzerrtes Gesicht deutete auf stärkste Schmerzen hin. Noch bevor die Hebamme sie untersuchte, teilte sie uns mit, dass ihr Kind bereits tot sei. Das wurde ihr vor 5 Tagen im Krankenhaus mitgeteilt. Da sie im Krankenhaus Sibolga nicht bleiben wollte, fuhr sie die 100km zurück nach Tumbajae und hat geduldig gewartet, bis Wehen einsetzten. Die Geburt, ohne Beisein des Vaters, verlief relativ schnell sowie emotionslos. Das tote Kind und die Placenta wurden in Tücher gewickelt... einige Stunden später hat sie ohne Begleitung, mit „ihrem Bündel“ im Arm, die Poly verlassen.

Kranke Kinder werden oft in letzter Minute gebracht. So auch ein 5jähriges Mädchen mit hohem Fieber, Nackensteifigkeit, nicht mehr ansprechbar. Der Vater trug das Kind auf den Armen, im Beisein von 6 oder 8 weinenden und betenden Angehörigen, in die Klinik. Sie sei schon 4 Tage krank und hätte heftig gezittert. Es wurde eine Infusion gelegt und ein Auto organisiert um nach Sibolga ins Krankenhaus zu fahren.
Sr. C. fuhr mit dem Kind im Arm, im überfüllten Auto mit......

wie es weiter geht? Die Fortsetzung gibt es bald! :)

+++ 13. April - Fortsetzung Interview +++

Petra Fritzenschaft: Welche Aufgaben haben die Kakas in den Units und die Kakas bei den Babys und wie ist es mit der Fluktuation?

Sr. Hildegard: Die Kakas in den Units leben mit den Kindern im Haus. Sie sind Ansprechpartnerin und Bezugsperson. Sie leiten die Aufgaben an, geben Hilfestellung, überwachen die Hausaufgaben, gehen zum Elternabend in die Schule, beten mit den Kindern vor und nach jeder Mahlzeit, besuchen mit ihnen die Frühgottesdienste, die Abendmesse, das Rosenkranzgebet und die Messe am Sonntag, organisieren und managen das Leben mit den Kinder und Jugendlichen. Unterstützt werden sie dabei von dem ältesten Mädchen. Wenn die Kaka nicht da ist hat diese das sagen und die Kinder hören auf sie, wie das in indonesischen Familien Brauch ist. In den nächsten 2 Monaten heiraten zwei der Kakas. Eine davon war 13 Jahre bei uns, die andere 3 Jahre. Die Kakas in den Units sind Anfang bis Mitte zwanzig Jahre alt und wenn sie einen Mann zum Heiraten haben, gründen sie eine eigene Familie. In drei Units ist auch noch eine Schwester dabei, als Bezugsperson für die Kinder und sie regelt alle finanziellen Aufgaben.
Die Kakas bei den kleinen kommen meistens aus der Umgebung - junge Mädchen, die von zu Hause weg wollen und ihren Weg suchen. Viele sind nur 1 Jahr hier, manche werden auch von uns entlassen, wenn sie ihre Arbeit nicht zufriedenstellenden erledigen. Ich selber bin im 11. Jahr hier und somit die Konstante im Babyhaus. Eine weitere Schwester arbeitet hier seit 2 Jahren. Bei uns sind die Aufgaben sehr vielfältig. Die Versorgung der Kinder steht an erster Stelle. Dann muss die Wäsche gemacht werden. Selbstverständlich gehören kochen, putzen, nähen, Wasser holen und abkochen auch zu unseren Aufgaben. Da wir hier bei den Kleinen sehr auf Hygiene achten, haben wir als einziges Haus eine Solaranlage für heißes Wasser auf dem Dach.

Petra Fritzenschaft: Die Kinder schlafen in 4-Bettzimmer und teilen sich einen kleinen Schrank. Privatsphäre gibt es hier kaum?!

Sr. Hildegard: Die Kinder sind es von zu Hause her gewohnt mit mehreren Menschen in einem Raum zu schlafen. Viele wollen, anstatt auf Matratzen, lieber auf einfachen Bastmatten auf dem Holzbett schlafen - die Matratzen sind ihnen zu warm. Viel Platz in einem Schrank brauchen sie nicht, da sie nicht viel darin zu verstauen haben.

Petra Fritzenschaft: Es gibt für 40 Kinder zwischen 3 und 20 Jahren einen Fernseher.

Sr. Hildegard: Die Fernsehzeit ist auf das Wochenende beschränkt. Die Kinder haben keine Handys. Die Tage der Kinder sind so gefüllt mit Schule, Hausaufgaben, Arbeit im Haushalt, Gottesdienst und Spielen, da bleibt gar nicht viel Zeit zum Fernsehen. Ausser am Wochenende können die Kinder in den Ferien täglich fernsehen. Die großen Jungs haben seit kurzem einen eigenen Fernseher.

Petra Fritzenschaft:  In Deutschland arbeite ich in der Schule St. Franziskus. Es interessiert mich sehr, wie hier in Indonesien Kinder mit Behinderung leben.

Sr. Hildegard: Ja, das ist hier noch anders als in Deutschland. In den Familien werden sie oft noch versteckt. Sie werden als Strafe Gottes gesehen. Hier auf Nias gibt es in Fodo ein von Schwestern geführtes Kinderheim mit Kindergarten und Schule für Kinder mit einer Körperbehinderung. In Gunung Sitoli haben die Alma Schwestern von Java 2014 nach dem Erdbeben ein Heim für Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen aufgebaut und haben nun auch noch ein Haus in Sirombu. Seitdem gibt es in der Bevölkerung zu diesem Thema ganz langsam ein Umdenken.

Petra Fritzenschaft: Wie finanziert sich das Kinderdorf?

Sr. Hildegard: Überwiegend vom Kloster Reute, dem Missionswerk, dem Kinderhilfswerk und von Privatspenden. Einen kleinen Zuschuss gibt es von der indonesischen Regierung, die dafür sehr aufwändige Berichte erwartet.

Petra Fritzenschaft: Sr. Hildegard, nun bedanke ich mich für dieses Interview. Dies ist wahrscheinlich mein letzter Bericht aus Nias. So grüße ich alle Leserinnen und Leser und auch alle Unterstützer des Kinderdorfes recht herzlich. Salam hangat banyak!

BU: So wird das Wasser abgekocht

+++ 11. April - Petra Fritzenschaft +++

Interview mit Sr. Hildegard

Petra Fritzenschaft: Sr. Hildegard - wann wurde das Kinderdorf gegründet?

Sr. Hildegard: 1994 wurde das Kinderdorf St. Antonius für Mädchen und Jungs mit  2 Häusern eröffnet und von Franziskanerinnen geleitet. Nach und nach kamen weitere Häuser dazu. Heute gibt es 4 Wohnhäuser in denen 10 Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters zusammen wohnen. Weiter gibt es noch 1 Jungen-Haus, in dem die jugendlichen Jungen wohnen. Ebenso gibt es ein Baby-Haus, ein Schwestern-Haus mit einer Kapelle, eine Aula für Feste, ein Wohnhaus für die Betreuer wie z. Bsp. Kakas und eine kleine Schreinerei.

Petra Fritzenschaft: Wie viele Menschen leben hier?

Sr. Hildegard: Zur Zeit sind es 78 Kinder/Jugendliche und junge Erwachsene. Letztere leben in Medan, Pandan und Gunung Sitoli als Studenten oder gehen dort auf weiterführende Schulen oder machen eine Berufsausbildung.
Ja und dann wohnt in jedem Wohnhaus, in jeder Unit, eine Laka bzw. ein Abang bei den großen Jungen.
Momentan sind wir 7 Schwestern hier im Konvent, 6 indonesische und ich als deutsche Schwester.
Neun Kakas, die die Babys betreuen, wohnen im Haus Martha. Wir haben noch einige Angestellte für die Haus- und Gartenarbeit, dazu gehört Bapak Raymond als Fahrer und Mann für alles, sowie Mitarbeiter in der Schreinerei. Diese wohnen aber in der Gemeinde Hiliweto.

Petra Fritzenschaft: Warum sind die Kinder da und bis zu welchem Alter können sie hier bleiben?

Sr. Hildegard: Meist haben sie nur ein Elternteil, das sie nicht versorgen kann oder sie sind Vollwaisen. Die Kinder werden von uns unterstützt bis sie selbstständig leben können, das ist an kein Alter gebunden. Sie gehen nach dem Kindergarten meistens als 6jährige für 10 Jahre in die Schule.  Danach machen sie eine Ausbildung, ein Studium oder suchen sich eine Arbeit. Bis sie selbstständig leben können werden sie von uns unterstützt. Viele besuchen uns später auch immer wieder oder halten anders den Kontakt zu ihren Ersatz-Familien.

Petra Fritzenschaft: Die Erziehung zur Selbstständigkeit spielt hier also eine wichtige Rolle, wie sieht das im Alltag aus?

Sr. Hildegard: Jedes Kind hat eine altersentsprechende Aufgabe bei der Haus- und Gartenarbeit. Dazu gehört das Waschen der Wäsche von Hand. Nur bei den Babys gibt es eine Waschmaschine und trotzdem muss vieles von Hand gewaschen werden. Bei Stromausfall, (aktuell seit einer Woche) wenn die Notstromaggregate nur stundenweise laufen, ist es auch dort notwendig manches von Hand zu waschen. Die Wäsche muss auf- und abgehängt, zusammengelegt oder gebügelt und aufgeräumt werden. Es gibt Koch-Teams die aus älteren und jüngeren Kindern bestehen, so lernen die kleinen von den großen. Meistens wird Reis mit gebratenem Fisch oder Tofu und  ein wenig Gemüse gekocht. Zum Reis kochen gibt es einen elektrischen Reis Cooker, aber bei Stromausfall funktioniert der genau so wenig wie der Kühlschrank. Tisch decken, spülen, abtrocknen, das Haus sauber halten, Regenwasser über offenem Feuer als Trinkwasser abkochen, durch ein Stoffsieb filtern, in Kannen abfüllen…. auch das Unkraut jäten im Garten gehört zu ihren Aufgaben. Die großen Jungs versorgen noch  6 Schweine und 20 Ferkel. Diese werden dann verkauft.
Bei den Babys gibt es eine Altersbegrenzung. Meistens bleiben sie bis sie mit ungefähr einem Jahr Reis essen und laufen können. Zur Zeit sind die meisten der 8 kleinen 1,5 Jahre alt. Deren Familien melden sich nicht und sind schwer zu erreichen.

Fortsetzung folgt.....

+++ 01. April - Barbara Köberle +++

Die vergangenen Tage hat es ununterbrochen geregnet. Der Regen trommelt lautstark auf die Wellblechdächer. Im Nu waren die zahlreichen Schlaglöcher der Straßen, sämtliche Gräben und Felder überflutet. Die Regenwassertonnen füllen sich hoffnungsvoll und jegliches Gefäß wurde vor die Holzhütten gestellt um Wasser aufzufangen. Rostige Dachrinnen werden von Wellblechdächern in die Holzhütten geleitet, um das kostbare warme Regenwasser in Tonnen für Abwasch, Wäsche waschen und das „Kamar Mandi“ (indonesischer Bade- und Waschraum) zu befüllen. In abgelegenen Gebieten, zu dem ich auch meinen Einsatzort Tumbajae zählen kann, sieht ein Kamar Mandi folgedner Maßen aus: Im Raum befindet sich ein gekacheltes mit Wasser gefülltes Becken, daneben das Sitzklo. Meistens schwimmt auf dem Wasser eine knallbunte Schöpfkelle, mit der man das Wasser aus dem Becken schöpft und sich damit übergießt. Am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber schnell wird dieses Ritual zur Gewohnheit.
An solchen Regentagen ist es ruhiger in der Polyklinik-Ambulanz.  Wer krank ist, verschiebt seinen Klinikbesuch bis die Straßenverhältnisse sch beruhigt haben. Ich nutze die Zeit und nähe einen neuen Bezug für die Matratze der Liege des Ambulanzautos. Es war eine große Herausforderung, bis ich die alte Tretnähmaschine in Schwung bekam.
Am Karsamstag wurde für die Osternester, die die Schwestern verschenken, Osterlämmchen gebacken und Eier gefärbt. Grünes Krepppapier wurde in dünne Streifen geschnitten und diente als Ostergras.
Die Osternachtmesse begann traditionell mit Osterfeuer vor der Kirche und war nach drei kurzweiligen Stunden und der Taufe einer jungen Lehrerin, zu Ende. Dieses beeindruckende Osterfest werde ich bestimmt nicht mehr vergessen.

+++ 29.März - Petra Fritzenschaft +++

Ostern im Kinderdorf     
Hier im Kinderdorf freuten sich in der Karwoche die Kinder schon sehr auf den Ostersonntag, denn da dürfen sie nach der Misa Ostereier suchen. Doch zuvor gab es noch einiges vorzubereiten. Osterlämmer wurden gebacken, die Häuser geputzt, Osterkerzen verziert oder Tropffänger an einfache Kerzen gebastelt. Die Wege im Dorf waren mit Fahnen geschmückt. Aus Kartons wurden Behältnisse für die Süßigkeiten gebastelt, anstatt wie bei uns Körbchen oder Nester. Am Gründonnerstag gab es dann nach dem Frühstück zum ersten Mal eine Fußwaschung. Am Abend im Gottesdienst hat das der Pfarrer bei 12 Männern auch gemacht. Am Karfreitag wurde morgens mit allen der Kreuzweg gebetet, auf dem Weg vom Susteran bis zur Kirche. Am Nachmittag fand um 15 Uhr der Kreuzverehrungs- Gottesdienst statt, wie bei uns. Dazwischen hab ich Eier gefärbt. Ich habe Eierfarben mitgebracht und gefragt ob ich das machen soll. Die Schwestern waren begeistert. Zum Glück hatte Sr. Hildegard auch noch Farben aus Singapur mitgebracht, denn schlussendlich habe ich fast 300 Eier gefärbt. Die eine Hälfte am Freitag, den Rest am Samstagvormittag. An diesem Tag habe ich auch noch Hasen aus Mürbeteig gebacken. Es gibt hier sogar ein Wellholz. Nur der Backofen ist anders. Es ist ein Alu-Ofen, der auf eine Gasflamme gestellt wird - das funktioniert erstaunlich gut. Nachmittags habe ich mit den Kindern Eier gefärbt und angemalt. Die hatten große Freude daran, es gab dies ja auch zum ersten Mal hier im Kinderdorf.  In der Mittagspause hat mich Sr. Anastasia, die Chefin vom Dorf, mit einem Obstteller und einer Osterkerze überrascht. Das ist hier so Brauch, dass die Angestellten zu Ostern einen Teller mit Eiern und Osterlamm erhalten.

Abends wurde vor der Kirche das Osterfeuer angezündet, die große Osterkerze daran entzündet und von dort das Licht an alle weiter gegeben. Alle, auch die Kleinen zogen mit ihren Kerzen in die dunkle Kirche ein. Als das Licht angemacht wurde war die ganze Wand hinterm Altar mit weißem Tuch gespannt, schöner Blumenschmuck zierte den Altar. Das Eiersuchen fand nach dem Gottesdienst statt. Dazu wird über die Lautsprecheranlage gesungen. Nach der Osternachtsfeier gab es für die Kinder und mich das gebastelte Behältnis gefüllt zurück. Das Osterlamm wurde gegessen und die Tänze zur Musik gingen los.

Am Nachmittag gehe ich mit den Kindern ins  Dorf. Jede Unit, Wohngruppe, hat während der Fastenzeit am Essen gespart, also keine Früchte - ausser den Bananen, die hier wachsen. Von dem Ersparten wurden Lebensmittel, eine Thermoskanne zum Warmhalten des abgekochten Wassers sowie Süßigkeiten gekauft. Außerdem wurde ein Kuchen gebacken und ein Nudelgericht gekocht, welches portionsweise in Blätter verpackt wurde. Ein Junge hatte noch eine große Decke dabei. So zogen wir los. Zwei arme Familien aus dem Dorf sollten diese Sachen erhalten. Im 1. Haus wurden wir schon erwartet. Der Vorraum war mit sauberer Plastikfolie ausgelegt. Es empfängt uns eine 6köpfige Familie - der kranke Vater liegt auf einem Holzgestell. Die Kinder singen, es wird gebetet und die Geschenke überreicht. Von der Familie spricht nur die älteste Tochter mit unserer Schwester. Dann bringen sie Selbstgebratenes und gekauftes, abgepacktes Wasser. Die Mutter kann nicht mit einem Trinkhalm trinken, das kennt sie nicht. Diese Begegnung und der Grund dafür haben mich tief berührt. Die 2. Familie erreichten wir nach einem längeren schwierigen Weg. Hier kam die Decke zum Einsatz. Die 4köpfige Familie wurde darauf zum Essen eingeladen. Die beiden Töchter kamen nicht aus dem Haus. Danach ging es zurück ins Kinderdorf. Die Kinder waren fröhlich und ich von ihnen tief beeindruckt!!!

+++ 22. März - Barbara Köberle +++

…mitleben – mitbeten
Heute war ausschlafen angesagt – wir trafen uns um 7 Uhr zum Frühstück. Es gab frischgebackenes Brot, Wurst, Käse (Geschenke aus Deutschland), Ananas, Marmelade und gebrühten Kaffee. Hört sich doch sehr heimatlich an.
Indonesier essen morgens Reis, Gemüse und Fisch – und das gewöhnlich nur mit der rechten Hand. Kunstvoll wird in wenigen Sekunden ein Reisklumpen, vermengt mit Fisch, Gemüse und scharfer roter Soße, mit den Fingern zusammengedrückt, zum geöffneten Mund geführt und mit dem Daumen weit in den Mund geschoben. Sie bewerkstelligen diese Zeremonie sehr genussvoll. Für mich sah es die erste Zeit sehr unappetitlich und befremdend aus. Der Anblick ist mir mittlerweile vertraut.
Hier jedoch, bei den deutschen Missionsschwestern, werden die Mahlzeiten mit Besteck eingenommen.
Sr. K. durfte ich nun zu einer Palmprozession, in einer 20km entfernten Teilgemeinde, begleiten. Mit der Honda fahren wir dorthin. Wir halfen dem Pastor bei den Vorbereitungen. Dieser wartete bereits mit vier Ministrantinnen vom Asrama (Mädcheninternat) auf uns. Unter anderem schnitten wir büschelweise längliche Blätter am Wegesrand ab, die als „Palmwedel“ dienen sollten. Es klingt doch kurios; jetzt gibt es hier im Regenwald Palmen wie Sand am Meer, doch diese Palmzweige werden nicht genommen, da sie zu groß, schwer und zu kostbar sind. Diese Palmen dienen eher zur Palmölgewinnung. Nach der Palmzweigweihe bewegte sich die Prozession, mit lautem „Hosianna“-Rufen in Richtung Kirche. Nach geschätzten 2km, schweißtreibender Hitze (32°) und tropischer Schwüle, erreichten wir das Gotteshaus am Ortsrand. Die Deckenventilatoren versprachen etwas Abkühlung. Doch kaum hatte der Gottesdienst mit elektronischen Orgelklängen und lautem Gesang begonnen, hörte man das Prasseln eines tropischen Regenschauers. Regenschauer sind meistens mit Stromausfall verbunden. Also keine Orgelklänge und keine Ventilatorenbewegungen.
In Indonesien ist es keine Seltenheit, dass die Gottesdienste länger als zwei Stunden dauern. Dem war so!

Und anschließend wurden wir zum Mittagessen, beim Lektor der kleinen Gemeinde, eingeladen.
Er führte uns ins größte Zimmer seines kleinen Hauses. Auf dem Boden stand auf bunten Plastikmatten bereits das Essen. Es gab weder einen Tisch, noch Stühle. Mir wurde mein „Sitzplatz“ zugewiesen. So saßen alle im Schneidersitz, hatten die Füße mit einem bunten Sarong abgedeckt. Ich bekam ein Porzellan-Schüsselchen mit Wasser gereicht, um meine Finger zu säubern. Nach dem Tischgebet des Pastors und einer wildgestikulierenden Ansprache des Hausherrn, durfte begonnen werden. Ich bekam einen Suppenteller voll Reis, Gemüse und Fisch gereicht. Die rote Soße, welche immer „Chilli und panas“ bedeutet, haben sie freundlicher Weise nicht drauf geschöpft. Ach ja; einen Blechlöffel und eine Gabel mit verbogenen Zinken bekam ich auch… wie sonst hätte ich den gebratenen ganzen Fisch von seinem Kopf und den Gräten befreien können. In solchen Momenten hast du das Gefühl, alle schauen auf dich, wie du die „operasi fish“ vollführst.
Nach einer freundlichen Verabschiedung, bei der alle meine rechte Hand nahmen und sie mit gebeugtem Kopf an ihre Stirn führten, ging es zurück auf holprigen Straßen sowie mit warmem Fahrtwind nach Tumbaejae.

+++ 21. März - Petra Fritzenschaft +++

Dieses Mal möchte ich davon berichten, was mir bis heute im Kinderdorf St. Antonio auf Nias als bekannt und unbekannt begegnet ist.
Es gibt hier auch Spatzen, Hunde, Katzen, Hühner und Schweine. Die Katzen und Hühner sind jedoch sehr mager. Die Hähne werden einzeln in Bastkörben gehalten. Auch 2 Affen habe ich gesehen, die im Käfig oder an der Leine als Haustier gehalten werden. Alle Lampen sind mit Energiesparbirnen ausgestattet - der Strom fällt trotzdem immer wieder mal für Minuten, mal für einige Stunden aus. Ich habe auch wenige kleine Sonnenkollektoren entdeckt. Als „Fremde“ werde ich hier von den Menschen angesprochen - das machen wir in Deutschland ja eher nicht. Viele wollen sich mit mir fotografieren lassen oder von mir fotografiert werden. Melodien werden hier mit Zahlen, Punkten und Strichen anstatt Noten aufgeschrieben. Gekocht wird am Morgen, die einzelnen Gaskocher sind oft außerhalb vom Haus. Das Essen ist also meistens kalt. Die Niasser essen gerne mit den Händen, was schon ein wenig Übung braucht, oder mit Löffel und Gabel. Ein Messer wird nicht benutzt. Es gibt überwiegend Reis mit Gemüse und gebratenem Fisch. Sonntags gibt es Fleisch. Zum Nachtisch werden die leckeren Früchte gereicht. Zum Frühstück gibt’s bei den Schwestern auch selber gebackenes Weißbrot. Anstatt Butter wird Mayonnaise verwendet. 

Beim Spülen wird das Geschirr in kaltem Spülwasser gesäubert, im 2. Becken vom Spülmittel befreit und dann in kochend heißes Wasser getaucht. In den Units fehlt das heiße Wasser. Die Art zu duschen ist anders; es gibt eine Tonne und eine Schöpfkelle, mit der man sich mit Wasser übergießt. Es gibt eine niedrige Toilette (die Menschen hier sind meist kleiner als bei uns)  mit einer Handbrause anstatt Toilettenpapier.
Die Regeln bei der Erziehung der Kinder sind anders. Auch das in den Schlaf wiegen unterscheidet sich. Hier schlafen die Kinder bis sie 2 Jahre alt sind in Tüchern, die an einer Feder aufgehängt sind. In einem bestimmten Rhythmus geht es auf und ab und hin und her. Die Kleinen reagieren sofort wenn dieser nicht stimmt. Das gab anfänglich viel Geschrei, wenn ich das gemacht habe. Gleich wie bei uns ist natürlich der Gottesdienst, jedoch singen hier alle mit und meistens sehr kräftig.

Heute zum Bsp., am Palmsonntag, gab es eine Prozession in der Kirche. Die Menschen trugen dabei verschiedene grüne Pflanzenwedel. Mit den langen schmalen wurden dann Kreuze gestaltet, als Palmwedel für die Kreuze daheim.

+++ 18. März - Barbara Köberle +++

Zur Zeit läuft in Indonesien eine von der Regierung empfohlene Polio-Impf-Aktion. Die Medien werben stark dafür. 
Alle Eltern, die nun mit ihren Kindern (angefangen beim Neugeborenen) in die Poli-Klinik kommen, werden darauf aufmerksam gemacht – meist sind sie nach einem aufklärenden Gespräch auch dazu bereit.
Es handelt sich um eine Schluckimpfung, die ich bereits verabreichen durfte. Es ist jedes Mal zum Schmunzeln, wenn die „Kleinen“ ihre Mündchen respektvoll weit öffnen, wenn ich die „saja dua tetes“ (nur zwei Tropfen) Impfstoff vorsichtig einträufle.

Name und Alter werden gewissenhaft zum Nachweis protokolliert. Ein persönliches Impfbuch, wie bei uns, gibt es nicht.

„Kannst du Tupfer legen?“ wurde ich von den Schwestern gefragt…. ich bejahte und es hat mich an meine Zeit als Schwesternschülerin vor 30 Jahren erinnert. Nun durfte ich „Nabeltupfer“ legen, die anschließend im Autoklar (Sterilisator) sterilisiert wurden.
Nachdem das langersehnte neue Sauerstoffgerät angeliefert wurde, installierte ich es mit Sr. D. und erklärte ihr die verschiedenen Funktionen.

+++ 16. März - Barbara Köberle +++

Selamat pagi – Guten Morgen
Ein Arbeitstag beginnt. Nach dem Gottesdienst und Frühstück geht es in die „Poly“ - wie Sr. Colette (Hebamme und Krankenschwester) ihre Klinik Fatima liebevoll nennt. Es warten bereits einige Eltern mit kranken Kindern vor der Tür. Sr. Colette muss sofort Diagnosen stellen und handeln. Stark hydrierte Kinder nach wochenlanger Diarrhoe, Kinder mit hohem Fieber, eitrigen Wunden und und und….
Eine Reisfeldbäuerin mit starken Rückenschmerzen bekommt Injektionen; dann kommt ein junger Mann mit Schlüsselbeinbruch (aufgrund eines Motorradunfalls) – er möchte sich aber mit chinesischer Medizin und Massage behandeln lassen. Bevor er uns wieder verlässt, bekommt er aber eine Infusion gegen die Schmerzen. Auf dem Sozius seines Vaters verlässt er dann nach drei Stunden die Klinik wieder.
Eine Mutter bringt ihren 4-Tage alten Säugling im Tragetuch vorbei. Es wird nach dem Nabel geschaut. Dieser wird desinfiziert und der Mutter wird empfohlen, nun täglich vorbei zu schauen. Dann werde ich von Sr. Colette ins Dorf geschickt, um einen Jungen mit Behinderung zu holen. Sie habe von Dorfbewohnern erfahren, dass er eine klaffende Wunde am Kinn hat. Ich konnte ihn gleich auffinden und musste nur „Sr. Colette“ sagen, da freute er sich sofort und ist ohne Probleme mitgegangen. Die Wunde wurde mit „Tackerklammern“ versorgt. Ab jetzt werde ich ihn täglich holen, ihn baden, die Wunden versorgen sowie ihm Essen und Medikamente reichen.  Gegen 18 Uhr endet der Tag heute in der Klinik.

+++ 14. März - Petra Fritzenschaft +++

Wir sind in Indonesien gut angekommen und wurden bereits von den beiden Sr. Colette und Christina mit Baba Cres erwartet. Das war sehr schön. Mit einem Zwischenstopp im Schwesternhaus haben wir mit Sr. Colette im Hotel "Impression" eingecheckt. Welch passender Name, hatten wir doch da schon viele neue Eindrücke. Am nächsten Tag ging es auf Shoppingtour. Die Schwestern nutzten diese Gelegenheit um einen Rollstuhl sowie eine Orgel zu kaufen. Wir wurden mit indonesischen SIM Karten versorgt. Hierfür fuhren wir kreuz und quer durch Medan. Impressionen jeglicher Art; Wohnmöglichkeiten von den einfachsten Hütten bis zum prunkvollen Gebäude, einfachste Verkaufsstände bis zum glitzernden Einkaufszentrum. Der Linksverkehr verläuft auf den ersten Blick chaotisch, doch die vielen Mopeds, Fahrräder, Kleinbusse, Mopedtaxis und Autos fahren rücksichtsvoll, sodass es sogar möglich ist gegen die Fahrtrichtung umzudrehen.

Nach einer weiteren Nacht im Hotel mit Bad, trennten sich am Mittwoch unsere Wege, Barbara fuhr mit den beiden Sr. Colette und Christina mit Baba Cres nach Tumba Jae, Sr. Brigitta begleitete mich zum Flughafen. Vorbei an den einfachsten Häusern fuhr der modere Flughafen-Pendelzug zum Flughafen. Mit ca. 30 Leuten bin ich mit einem kleineren Flieger auf Nias geflogen, auch dort wurde ich erwartet. Mein erster Eindruck: Einfach, aber viel sauberer als Medan. Im Susteran wurde ich mit Kaffee begrüßt. Mein Zimmer hat ein indonesisches Bad mit einer Wassertonne und einer Schöpfkelle.
Das geht gut und wird bei der großen Hitze hier auch öfters am Tag genutzt. Auch bin ich froh, dass im Zimmer eine Klimaanlage ist, die auch funktioniert.
Es leben hier 7 Schwestern und 4 Geistliche (siehe Foto).

Mein Tag sieht hier folgendermaßen aus: Morgengebet zwischen 5:30 und 6:30 Uhr, Frühstück mit den Schwestern, Mithilfe bei den Kleinen. Die Jüngste ist mit 4 Wochen die kleine Nia. Hier beschäftige ich mich mit Wäsche aufhängen, abtrocknen, Kinder in den Schlaf schaukeln, spielen, baden..... Mittagessen gibt es zwischen 11:30 und 12:00 Uhr. Zusätzlich gehe ich jeweils eine Woche in eine Unit, ein Wohnhaus indem 8-10 Kinder und Jugendliche mit einer Kaka, einer Kinderdorfmutter, leben.
Zu Essen gibt es oft dasselbe; Reis mit Gemüse, Tofu sowie kleine gebratene Fische und zum Nachtisch leckere Früchte die hier auf dem Gelände wachsen. Mir schmeckt das Essen, auch wenn es scharf ist.
Nach dem Abwasch und Aufräumen (jedes Kind hat hier seine Aufgabe), ist Pause für alle bis 15 Uhr. Danach geht es weiter mit der Liedprobe in der Aula, mit Garten- oder Hausarbeit. Die Zeit bis 17:30 Uhr ist schnell vorbei. Weiter geht es mit dem Abendessen, dem Abwasch, und den Hausaufgaben - bei Stromausfall mit Taschenlampe oder Kerzen.

Vor und nach jeder Mahlzeit beten die Kinder abwechselnd vor. 2x ist am Abend Gottesdienst, am Freitag wird um 15 Uhr der Kreuzweg gebetet, am Samstag der Rosenkranz, am Sonntag ist normaler Gottesdienst. Am Samstagabend wird in der Aula der Fernseher angemacht.

Ich fühle mich hier sehr wohl!

+++ 06. März - Barbara Köberle +++

Noch auf schneebedeckten Straßen fuhr ich durchs verschneite Oberschwaben zum Neu-Ulmer Bahnhof. Petra und ich wurden von ehemaligen Indonesienteilnehmern herzlich verabschiedet. Nach einem entspannten Flug von München über Doha (Katar) und Kuala Lumpur (Malaysia) sind wir durch die Zeitverschiebung, nach 24 Stunden, in Medan auf Sumatra gelandet. Die Reutener Schwestern, Sr. Colette und Sr. Kristina, haben uns bei tropischen 37Grad am Flughafen herzlichen in Empfang genommen.

„Selamat Datang“! Wir hatten das Gefühl, als würden wir gegen einen auf Höchststufe eingeschalteten Fön laufen. Das war schon mal ein Klimaschock.

Nachdem der Chauffeur der Schwestern, Bapa Gregg, rechts im Auto einstieg und rechts überholte, erkannten wir sofort, dass wir in Indonesien sind. Eine erlebnisreiche, atemberaubende 1,5 Std. Autofahrt zum Susteran St. Margaretha erwartete uns. Wir waren sofort umzingelt von Motorrollern und Bécaks. Bécaks sind Motorräder mit Seitenwagen, auf dem sich, so glaubt man, das indonesische Leben abspielt. Es werden Menschen befördert, Handwerke ausgeführt, Mahlzeiten gekocht und alles, aber auch wirklich alles was mobil ist, darauf transportiert.

Nach Erledigungen wie Geldwechseln und Telefonkartenkauf gingen wir mit den Schwestern nach Medan um für die Missionsstation einen Rollstuhl, Wasserfilter, Medikamente und vieles mehr zu kaufen.

Am nächsten Tag flog Petra nach Nias. Ich fuhr mit den Schwestern quer über Sumatra, vorbei am Tobasee, durchs Batakland, nach Tumbaja, das an der Westküste liegt. Eine beeindruckende 11 Std.- Fahrt, auf Straßen, die schlechter sind, wie manch ein deutscher Feld- und Waldweg. Unsere letzte Pause legten wir in einem Straßenimbiss Bonandolok im Regenwald ein. Es regnete und die Affen liefen auf der Straße. Sr. Colette meinte „Jetzt sind wir im Urwald!“. Da alle Töpfe leer waren, wurde uns süßer Tee mit „Schwarzem Reis“ angeboten. Reis, Kokosnuss und Zucker wird in Bananenblätter gewickelt, dann in ein Bambusrohr gestopft und über offenem Feuer solange gegart, bis der Reis schwarz ist. Schmeckt süß und lecker.

Dann die letzte Etappe… 2 Stunden … Endspurt! Die Missionsstation Tumbajae wurde erreicht und ich habe mein Zimmer bezogen, welches jedoch bereits von einem Gecko bewohnt war.

+++ Das war 2015: +++

+++ 10. Juni 2015 - Fortsetzung Silvia Jaschusch +++

...wir haben uns sehr gefreut und haben unheimlich Gesprächsnachholbedarf - es gibt aber auch viel zu erzählen!

Ja die Zeit des Abschieds ist gekommen. Im Kindergarten hätte ich am liebsten "Jojor", ein kleines Mädchen, mit nach Deutschland genommen. Auch bei den Schwestern sind mir einige ans Herz gewachsen...

Meine Gedanken kreisen nun um das was ich hier alles gesehen habe und Miterleben durfte. Ich habe das Klosterleben mit all seinen Seiten kennengelernt, habe Zusammenleben und Gemeinschaft neu erlebt. Ich habe meinen Glauben von einer anderen Seite kennengelernt. Ich habe bemerkt, wie wichtig Freiheit und Familie für mich sind. Ich habe Früchte und Gemüse gegessen, von denen ich noch nie gehört hatte. Indonesien ist ein sehr gläubiges Land und lebt diesen Glauben in jeder Lebensphase.
Viele Eindrücke des Erlebten werden sicherlich noch lange Nachwirken und ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

+++ 08. Juni 2015 - Silvia Jaschusch +++

Im Kindergarten dreht sich im Moment alles um die Abschlussfeier der Vorschüler. Wir lernen viele Lieder, Tänze und Gebete, damit alles klappt, wenn es soweit ist. Leider werde ich diese Feier nicht mehr miterleben können.
Ein Highlight der letzten Wochen war der Ausflug mit den "Gurus" -Lehrern- nach Medan. Zwei Schwestern, vier Mädels und ich fuhren über Nacht elf Stunden in die Großstadt. Mit den beiden Fahrern und uns waren wir zu neunt im Auto, da kommt man sich schnell näher. Es war ganz schön eng und irgendwann schläft man in jeder Position ein. Angekommen im Schwesternhaus belagern wir unser Zimmer, kurz duschen und dann geht es auch schon los. Ich bemerke, die Frauen hier zwischen 20 und 30 wollen dasselbe wie alle Frauen. Erst mal shoppen in Medan im großen Einkaufszentrum. Anschließend haben wir eine Kirche besichtigt und waren dort in der Messe. Am nächsten Tag haben wir noch in Brastagi Berge und einen Tempel besichtigt. Lillis hatte ihre eigene Musik dabei -indonesisch und englisch- und wir sangen lauthals alle im Auto mit. In dieser Gegend sind die Temperaturen wie bei uns - es ist richtig angenehm. Hier wächst Obst und Gemüse wie in Deutschland. Auf einem Markt waren wir noch bummeln und dann ging es wieder Richtung Heimat. Es war schön, die Arbeitskollegen auch privat in ihrer Freizeit noch näher kennenzulernen.

Auch wenn ich nicht mehr in der Schule bin, wollte ich mir die Abschlussfeier dann doch nicht entgehen lassen. Es war am Tag vor Christi Himmelfahrt. Die Trommlergruppe der Schulen laufen durch die Straßen bis zum Zentrum des Geschehens. Dann wird von den Kindern der Kreuzweg Jesu nachgespielt und der Festzug zieht gemeinsam mit mehreren Pastoren in die Festhalle. Mehrere Auftritte der Kinder reihen sich aneinander, es wird viel gesungen und gebetet. Es ist ein Riesenspektakel, auf mehreren Tafeln steht in bunt "Selamat Suksess" - viel Erfolg!

Wer nun den Eindruck bekommt, in Pandan gäbe es nur reichere Leute, der irrt sich. Arm und Reich erkennt man schon an den Häusern. Hier leben die Menschen sowohl in Holzhütten als auch in Häusern mit Dach und Ziegel. In unserem Konvent hier gibt es ein Projekt, das heißt "Gute Beth". Jeden Morgen können die Kinder aus ärmeren Familien ein Frühstück zu sich nehmen, bevor sie in die Schule gehen. Eine wirklich gute Sache.

Bei uns hier im Konvent ist gerade viel los. Letzte Woche haben die jungen Schwestern nach einer Woche Exerzitien ihre Profess erneuert. Für einige gibt es Veränderungen, wie zum Bsp. ein neuer Einsatzort, andere dürfen zum Studieren gehen. Auch die Aspirantinnen haben jetzt einen Wechsel. Die "Neuen" sind angekommen und werden von den künftigen "Postulantinnen" eingearbeitet.
Zwischenzeitlich sind auch Franziska, Amelie und Josef gekommen,.....

Fortsetzung folgt...

+++ 03. Juni 2015 - Fortsetzung Josef Maier +++

Betreut werden die Jungs von der 47jährigen Ibu Johanna, die seit 18 Jahren im Kinderdorf arbeitet und dem 25ljährigen Pak Torius, der seit 1,5 Jahren dort arbeitet. Sie bewohnen beide ein Zimmer in der Wohngruppe St. Klara und sind somit immer erreichbar wenn die gebraucht werden. Beiden haben keine pädagogische Ausbildung und sind nur angelernte Hilfskräfte. Oftmals übernehmen sie Aufgaben, die im Kinderdorf anfallen (beispielsweiser Näh- und Gartenarbeit).

Eine Dokumentation, wie bei uns in Deutschland in der St. Elisabeth-Stiftung, gibt es im Kinderdorf St. Antonius nicht. Ereignisse werden meist nur mündlich weitergegeben. Ein Arbeiten und Fördern der Kinder und Jugendlichen mit Hilfe von Entwicklungsplanung, Hilfe nach Maß oder damit vergleichbares ist hier nicht bekannt und wird auch von den Mitarbeitern der Wohngruppe nicht praktiziert.

Das Kinderdorf finanziert sich überwiegend aus den Spenden. Manchmal ist es möglich, dass sich auch Eltern oder Angehörige an den Kosten beteiligen, selten aber in vollem Umfang. Ab und zu kommt vom Verkauf der Kakaofrüchte oder der Schweine etwas Geld in die Kasse. Es ist bestimmt für die Schwestern eine große Herausforderung, das Geld für Essen, Kleider, Löhne der Mitarbeiter/innen oder sonstige anlaufende Kosten jeden Monat zusammen zu bekommen.

Nun bin ich schon beinahe acht Wochen hier auf der Insel Nias. Das Kinderdorf St. Antonius ist mir so richtig ans Herz gewachsen. Gedanken kommen bei mir hoch... was wird wohl aus den vielen Kindern werden, die hier im Kinderdorf und auf der Insel Nias wohnen? Bekommen Sie eine Arbeit? ...vor allem eine solche, die genügend Geld einbringt um ihre eigenen Familien einmal ernähren zu können?

Dem Kinderdorf wünsche ich weiterhin ein gutes Gelingen und hoffe, dass es ein gutes Zuhause für die vielen Kinder bleibt.

+++ 02. Juni 2015 - Josef Maier +++

Immer wieder erinnerte mich das Kinderdorf an meinen Zivildienst, den ich im damaligen Kinderheim in Ingerkingen ableistete.

Das Kinderdorf St. Antonius wird von franziskanischen Schwestern geleitet und ist ebenso klein und übersichtlich wie das Kinderheim. 9 Babys und 58 Kinder und Jugendliche leben geschlechtlich gemischt in sechs Wohngruppen und jede Wohngruppe bewohnt ein eigenes Haus. Eine Ausnahme macht die Wohngruppe St. Klara; diese besteht aus mehreren Häusern und ist von den anderen Wohngruppen etwas abgelegen, dort leben und wohnen ausschließlich 14 Jungs im Alter zwischen 13 und 17 Jahren.

Da ich auf der Wohngruppe St. Klara nachmittags und teilweise auch abends arbeite, möchte ich diese näher vorstellen und beschreiben:
Wie schon erwähnt, besteht die Wohngruppe St. Klara aus mehreren Häusern. In zwei der Häuser befinden sich die Schlafräume. Aber nicht wie in Deutschland, wo Doppel- und Einzelzimmer Standard und Normalität sind, sondern beide Häuser haben jeweils einen Schlafsaal in denen mehrere Etagenbetten stehen. Ein weiteres Haus bewohnen sie gemeinsam. Dieses dient als Speise-, Lern- und Fernsehzimmer. Auch die Küche und die Speisekammer ist in einem separaten Haus, ebenso das Bad und WC, das von allen benutzt wird. Die Häuser sind meist nur mit dem Notwendigsten ausgestattet und das Inventar ist sehr stark abgenutzt. Auch dekorieren wenige Bilder die Räume.
Der Tagesablauf ist für die 14 Jungs der Wohngruppe St. Klara sehr klar strukturiert und streng geregelt. So beginnt der Tag dort schon sehr früh; um 5 Uhr läutet die Glocke. Jetzt heißt es aufstehen, duschen und sich anziehen. Um 6:30 Uhr treffen sie sich zum Frühstück, zuvor wird aber das Morgengebet gemeinsam gesprochen.
Nach dem Frühstück gehen sie um 7:00 Uhr in sauberer Kleidung und ordentlich angezogen zur Schule. Meistens sind sie gegen 12 Uhr wieder zurück. Nach dem Essen machen sie zunächst ihre Mittagsruhe, welche bis 14:30 Uhr andauert.
Der Nachmittag setzt sich mit einer Stunde lernen fort. Danach haben alle einer Beschäftigung nachzugehen, egal ob Kochen, Versorgen der Hühner und Schweine, Gartenarbeit oder im Wald Brennholz holen. Um 17:30 Uhr haben sie eine Stunde Zeit um sich zu duschen, ihre Wäsche zu waschen oder sich einfach zu erholen. Meist wird die freie Zeit mit Gesellschaftsspielen - und wenn sie dürfen, mit Fußball spielen - ausgefüllt. Um 18:30 Uhr kommen sie wieder zum Abendessen zusammen und nach dem gemeinsamen Spülen wird nochmals eine Stunde gelernt. Diese endet nach dem gemeinsamen Nachtgebet um 20:30 Uhr.
Jetzt haben die Jungs nochmals eine Stunde für sich Zeit, bevor sie in ihr Bett gehen um am nächsten Tag fit zu sein.

Fortsetzung folgt....

+++ 28. Mai 2015 - Franziska Bimminger +++

Die letzte Woche hat nun angefangen. Am Mittwoch ging es zu den Kleinen. Sie sind anfangs sehr zurückhaltend - die knapp einjährigen kennen natürlich ihre Bezugspersonen. Bei den jüngeren dagegen, erst einige Monate alt, ist es einfacher - von denen bekommt man schon mal ein Lächeln zurück.

Morgens sind sie alle in einem großen Laufgitter, in dem auch die Betreuerinnen bei den Kindern sitzen. Fläschchen geben und Windeln wechseln ist angesagt. Nach der nächsten  Mahlzeit wird gebadet, auch die Kinder sind bei dieser Hitze durchgeschwitzt, nicht nur wir Erwachsenen.

Einige strecken schon mal die Hand aus um an meiner Hand einige Schritte zu gehen, da kommt ein wenig Zutrauen auf. Es wird gespielt und zwischendurch schlafen sie eine halbe bis eine Stunde. Nachmittags bin ich im Nachbarhaus. Hier wohnen Kinder von 3 -12 Jahre, nach dem Mittagschlaf werden erst einmal Hausaufgaben gemacht, alle zusammen an einem Tisch.

Der kleine Herrmann ist ein sehr lebhaftes Kind. Ich übe mit ihm das Alphabet. Er hat Lernprobleme – anhand von Bildern versuche ich ihm das etwas leichter zu machen. Beim Zeichnen ist er eifrig dabei; lange Sitzen jedoch ist nicht drin. Danach ist er sehr aufgedreht, ärgert seine "Geschwister" und rennt im Zimmer umher. Die anderen Kinder helfen im Haushalt.

Der nächste Tag beginnt wie gehabt, vormittags bei den Kleinen bei Sr. Hildegart. Am Nachmittag bei Sr. Reinhilda im Haus "Jakobus" Hausaufgaben machen. Nun zieht ein Gewitter auf, die Wäsche wird hereingeholt. Die großen Kinder gehen mit der Betreuerin in den Wald Holz holen, das Gewitter hat sich verzogen. Mit den kleineren Kindern wird Wäsche gefaltet, sie helfen alle mit.
Nun wird es Zeit zu kochen. Ich versuche zu helfen, werde sehr genau beobachtet und angewiesen. Danach wie jeden Abend, duschen, beten und essen.
Die Kleinste im Haus, der Felix als auch die Betreuerin haben Geburtstag. Es wir am Abend gemeinsam gefeiert, mit selbstgebackenen Geburtstagskuchen.

Einmal in der Woche ist Gartenarbeit angesagt, bei diesen Temperaturen für mich Sauna gratis ! ! !

Nun geht es langsam dem Ende zu.
Im nächsten Haus, werde ich nach den Hausaufgaben zum Wäsche waschen mitgenommen, nichts Neues! Die letzten Wochen konnte ich ja schon üben. Wäsche wird von Hand gewaschen, hier wird geschrubbt und gebürstet, alle helfen mit.

Die Großen fragen meist, ob ich verheiratet bin, ob ich Kinder habe, wie viele Kinder ich habe, wie alt diese sind, was ich arbeite, wie lange ich noch da bin und und und… Diese Woche bleibe ich noch in diesem Haus und am Vormittag bei den Kleinen. Nun habe ich hier im Kinderdorf vieles kennengelernt und nehme Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause.

 

+++ 27. Mai 2015 - Amelie Krems +++

Inzwischen war ich schon viel auf der Insel unterwegs. Schwester Felicitas ist hier auf Nias geboren und hat mich für zwei Tage nach "Teluk dalam", ihren Heimatort mitgenommen. Über zwei Stunden Fahrt mit dem Auto, mit einem Hundebaby als "Mitbringsel" auf dem Schoß, sind wir über die Insel gefahren. Ich hatte also die Möglichkeit viel zu sehen. Ich habe Häuser besichtigt "Rumah Adat", die eine traditionelle Bauart hier haben und war am Meer. Baden gehen ist hier auch ziemlich anders. Man geht mit seiner ganzen Bekleidung ins Wasser. Aber es macht Spaß. Mir ist aufgefallen, dass hier nur wenige Menschen schwimmen können. Daher waren viele von meinen "Schwimmkünsten" beeindruckt. So hat sich ergeben, dass ich inzwischen mehrmals "Schwimmunterricht" gegeben habe - das war sehr lustig.

Um an Geld zu kommen, musste ich mit Schwester Damiana bis nach Gunung Sitoli ("Hauptort") fahren. Dort hatte die Bank allerdings schon geschlossen, daher haben wir bei den Schwestern (Laverna) übernachtet. Somit hatte ich die Gelegenheit ein "rumah sakit" (Krankenhaus) und ein "rumah orang cacat" (Wohnheim für Kinder mit Behinderung) anzuschauen. Im Krankenhaus wurde ich direkt in die Zimmer der Patienten gebracht, die mir von ihren sehr schweren Schicksalsschlägen erzählten. Ich war ziemlich schockiert, da der Besuch dorthin sehr spontan war. Das meiste habe ich aufgrund der Sprache nicht verstanden, jedoch hat mir der Anblick vollkommen gereicht, um vieles verstehen zu können. Eine Frau hatte fast am ganzen Körper Verbrennungen und starke Verwachsungen der Haut, so dass ihre Schulter am oberen Teil des Halses angewachsen war. Sie war total entstellt. Sie hatten wohl Stromausfall und ihr ist die Öllampe umgefallen, als sie sie anzünden wollte. Somit entfachte Feuer, wobei ihr Baby verbrannt ist. Also wirklich Geschichten, zu denen man nichts mehr sagen kann, weil einem die Worte ausbleiben.

Als ich am nächsten Morgen letztendlich bei der Bank war um 200Euro in Rupiah zu wechseln (hört sich zunächst einfacher an als es war), dauerte es eine halbe Ewigkeit. Mein Geld wurde gründlich geprüft und der halben Belegschaft der Bank gezeigt. Etwa fünf Männer standen direkt mit mir am Schalter und unterhielten sich lautstark über meine "große" Geldsumme. Diskretion - Fehlanzeige :)
Das Nähe-Distanz-Verhältnis ist hier in allen Situationen definitiv ein anderes :)

In Gunung Sitoli, wie auch sonst an weiteren Orten der Insel, sind immer noch deutliche Spuren des Tsunamis (2004) und des schweren Erdbebens (2005) zu sehen. Erdbeben sind hier keine Seltenheit. Auch ich habe bereits eines miterlebt. Ich war zu der Zeit alleine im Kantor (Büro), eine Hütte neben dem Kindergarten. Mir war allerdings überhaupt nicht klar, was passiert. Im Ersten Augenblick dachte ich, dass irgendjemand an der Hütte wackelt. Ich schrie los, dass er aufhören solle. Dann erst verstand ich, was eigentlich los war. Die Lehrer brachten die schreienden Kinder aus dem Kindergarten ins Freie. Ich muss zugeben, ich bin ziemlich erschrocken. Doch es ist zum Glück nichts Schlimmes passiert. So schnell wie das Beben da war, war es auch wieder vorbei.
Im Kindergarten durfte ich inzwischen Englisch unterrichten. Ich hatte erst meine Bedenken, ob das gut geht mit zwei Fremdsprachen und null Lehr-Erfahrung. Aber es war toll! Die Kids waren sehr interessiert und hatten, wie auch ich, viel Spaß. Die Lehrerin (welche, wie die meisten hier, kein englisch spricht) hat sich direkt meine einfachen Unterrichtsvorbereitungen geschnappt und möchte diese zukünftig anwenden - das hat mich sehr gefreut.
An zwei Tagen wurde der Unterricht nach draußen verlegt, weil Geckos im Zimmer waren und diese beißen angeblich. Darauf sind sie hier aber schon gut vorbereitet. Es wurde einfach eine große Plane ausgebreitet und im Freien weitergemacht.

Inzwischen hatte ich an einem Wochenende Besuch von Silvia. Der Redebedarf mit einem Menschen, der ähnliches erlebt und beide Welten kennt, ist enorm. Gemeinsames Matratzenlager im Zimmer, intensive Gespräche - genau das Richtige, um wieder etwas Kraft zu tanken... Danke :)

+++ 22. Mai 2015 - Silvia Jaschusch +++

Die Tage vergehen und ich kann gar nicht fassen, dass ich jetzt schon über vier Wochen hier bin. Ich arbeite jetzt vormittags in einem “TK”, ein Kindergarten. Zusammen mit Ibu Marta haben wir 42 Kinder in unserer Gruppe zu betreuen. Wer hier an basteln und freies Spielen denkt, denkt falsch. Wir lernen schreiben, lesen und rechnen.
Wie auch in der Schule wird auf das Beten sehr viel Wert gelegt. In Reih und Glied ist der gesamte Kindergarten am Morgen versammelt und wir singen, salutieren und beten. Michael, ein Kind aus meiner Gruppe, fällt mir immer besonders auf. Seine Augen sind fest verschlossen und seine Lippen zusammengepresst, seine Hände zum Gebet zusammengefaltet. Textsicher kann er mir seinen fünf Jahren alle Gebete. Es erstaunt mich und gleichzeitig ist es mir für Kinder ein wenig zu viel des Guten.

Gleich in der ersten Woche hatte ein Kind hier Geburtstag. Wir dekorierten aufwendig eine Wand mit Namen und Alter und stellten einen Tisch bereit. Nun feiern hier alle 125 Kinder samt Lehrern, Eltern, Geschwister und manchmal auch Großeltern. Die meisten Kinder haben ein Geschenk dabei. Der Geschenketisch türmt sich auf und speziell auserwählte dürfen die Torte probieren. Obwohl das Geld knapp ist, hat die Familie auch Essen für alle mitgebracht.  

Am Wochenenden habe ich die Gelegenheit genutzt und einmal Franziska in Tumba Jae besucht und Amelie. Musste mal raus aus der Stadt...:-)
Ich h
abe mich sehr gefreut, die beiden zu treffen. Mal wieder deutsch zu sprechen. Bei Franziska und Sr. Colette habe ich das Frühstück genossen. Es gab Wurst, Brot und Käse... juhu. Am Sonntag waren Franziska und ich in der Kirche, in der mehrere Kinder getauft wurden. Der Pastor kommt nicht so oft in diese eher abgelegene Gegend. Danach gab es traditionelles Essen, Schwein – da musste ich mich stark zusammenreißen – und dann folgte eine lange Diskussion wer denn die neue Kirche bezahlt. Wir bemerkten die Reihenfolge in der gesprochen wurde. Erst die älteren, dann die jüngeren. Erst die Männer, dann die Frauen, dann wieder der Pastor. Und auf einmal sollten wir sprechen....ich bedankte mich für Essen und Trinken und versuchte mit meinem hageren indonesisch zusammenzufassen was ich verstanden hatte. Ja, die Sprache ist immer noch die größte Hürde für mich. Tiefergehende Gespräche zu führen ist wirklich nicht einfach.

Zu Amelie kam ich recht unverhofft und wir sind an dem Sonntag mit den Schwestern und einigen Familien der Gemeinde zum Strand gefahren. Das erste mal war ich auch im Meer schwimmen - in voller Montur versteht sich. Mir fällt auf, hier kann kaum jemand schwimmen, obwohl das Meer vor der Haustür ist. So kann man den Muttertag gut verbringen. Bis zu diesem Tag war ich so viel mit mir und meinem Umfeld beschäftigt, dass ich an Heimweh nicht denken konnte. Doch die Muttertagsgrüße und Bilder meiner Kinder an dem Tag stimmten mich allerdings traurig. Zum Glück hatte ich Amelie....

Mit der Fähre ging es wieder zurück nach Pandan. Sr. Raimunda und ich hatten eine Kabine, naja also eine Krankenliege mit einer Matratze oben und unten. Ich war froh, dass ich sie überreden konnte, unten zu schlafen. Mehrere Spinnen und Tiere krabbelten am Boden...ich werde grundsätzlich das Gefühl nicht los, irgendetwas lebt “auf” mir und die Hitze kommt noch dazu. Am besten viel “mandi”-duschen und nicht weiter darüber nachdenken.

Das Beten gehört für mich inzwischen zur Normalität. Ich ertappe mich schon wie ich automatisch vor dem Essen das Kreuzzeichen mache. Auch die Uhrzeiten machen mir nichts mehr aus. Es gibt mir Ruhe und durch die Wiederholung auch eine gewisse Sicherheit.

Jetzt muss ich mich beeilen, gleich ist “Ibadat Sore” – das Abendgebet...

+++ 20. Mai 2015 - Amelie Krems +++

Das Wort "intensiv" beschreibt wohl am Besten, was ich hier alles erlebe. Neues Klima, neue Kultur, neues Essen, neues Zuhause, neue Sprache, neue Arbeit, neue Menschen,... Die Landschaft ist traumhaft. Ich bin inzwischen auch schon viel auf der Insel unterwegs gewesen. Abends gibt es wunderschöne Sonnenuntergänge mit Fledermäusen am Himmel. Ans Wäschewaschen mit Hand habe ich mich inzwischen auch gewöhnt. Sogar mit den Eidechsen in meinem Zimmer habe ich inzwischen Frieden geschlossen. Man gewöhnt sich recht schnell an die anderen Lebensumstände. Zum Essen gibt es meist morgens, mittags und abends Reis, Gemüse und Fisch. Zum Frühstück Fisch ist für mich jetzt noch sehr gewöhnungsbedürftig, aber es geht. Ameisen, die in Massen übers Essen marschieren, weil es hier keinen Kühlschrank gibt, sind auch nichts außergewöhnliches. Insgesamt habe ich gedacht, dass ich hier mehr helfen kann - Dinge zu verändern oder zu verbessern. Die Menschen zu unterstützen versuche ich, so gut es geht, jedoch lernen eher sie mir mit den gegebenen Umständen klar zu kommen. Es ist definitiv nicht einfach. In vielen Situationen muss man auch lernen, sich zu distanzieren. Den Menschen hier ist bewusst, dass ich im Vergleich zu ihnen einen gewissen Wohlstand habe und davon wollen sie etwas abhaben. Es ist eine andere Welt hier. Nicht annähernd mit dem was ich bisher kannte zu vergleichen. Ich möchte nicht nur die schönen Seiten erwähnen. Hier geschehen Dinge, die für mich nicht im entferntesten nachzuvollziehen sind, bei denen ich bis jetzt noch nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Kulturelle Geschichten, die ich leider auch nicht verändern kann, sondern annehmen muss wie sie sind. In dieser Form kann ich leider nicht detaillierter darüber berichten. Ich möchte aber allgemein sagen, dass es keine Seltenheit ist, dass eine Frau, die schwanger wird, ohne verheiratet zu sein, nach der Geburt ihr Baby abgeben muss. Sie wird oftmals von der Familie verstoßen und muss ihr Kind dann noch weggeben?! Dieses Baby wird dann an eine Familie mit Kinderwunsch weitervermittelt, die dafür meist einen guten Preis bezahlt. Hier wird es als angemessene Strafe für die Mutter angesehen, ohne die Liebe zu ihrem Kind leben zu müssen...
Auch Kinderarbeit ist hier keine Ausnahme. Ich habe einen Jungen kennengelernt, der mehrmals in der Woche harte Gartenarbeit in der prallen Sonne macht, um seine Familie zu unterstützen, da sein Vater bereits gestorben ist. Die Lebensumstände hier sind also definitiv nicht mit unseren zu vergleichen....

+++ 19. Mai 2015 - Franziska Bimminger +++

Nun bin ich öfters mit Sr. Henrika im Dorf unterwegs. Wir besuchen ältere Frauen, die ganz alleine in ihrem Haus wohnen. Die Kinder sind meist weggezogen. Sie können teilweise nicht laufen und sitzen nur am Boden - oft kommen sie nur durch rutschen voran. Rollstühle gibt es nur wenige, die sind zu teuer.

Ein Mann, den wir besucht haben, hat einen schwarzen Fuß. Das sieht sehr schlimm aus. Eigentlich sollte er amputiert werden, er möchte aber keine Operation. Er wird noch von seiner Familie versorgt.

Die letzten Tage kamen wir zu einem Mädchen das Epilepsie hat und schwer behindert ist, sie liegt den ganzen Tag in ihrem Bett, auf dem keine Matratze ist. Es sind nur Bretter mit einer dünnen Kunststoffmatte. Sie hat sich am Steißbein wund gelegen und wurde von uns versorgt. Wir versuchten den Eltern zu erklären, dass es gut wäre, wenn das Mädchen gelagert wird. Sie sind aber nicht einverstanden und meinten, sie würde nur auf dem Rücken schlafen. Sie wollten es nicht annehmen.

Ansonsten bin ich in der Küche und helfe Sr. Elsa bei der Zubereitung vom Essen. Habe jetzt auch einige Tage damit verbracht, den Schwestern die Kleidung auszubessern. Das ist mir anfangs nicht leicht gefallen, da ich eine sehr alte Tret-Nähmaschine bekommen habe. Die Umstellung von einer elektronischen zur mechanischen ist nicht einfach.

Wir bekamen Gäste aus Deutschland, die diese Einrichtungen schon viele Jahre unterstützen. Sie blieben 2 Nächte in Tumbajae. Mit ihnen und den Schwesten fuhren wir zu einer Palmölfabrik, ein sehr interessanter Ausflug, was man nicht alle Tage sieht. Am nächsten Tag durfte ich mit den Besuchern nach Sibolga fahren, von dort ging es mit der Fähre weiter nach Nias. Wir hatten eine Kabine, sonst gibt es nur ein großes Massenlager. Auf Nias besuchte ich mit den Gästen ein Museumsdorf, das noch bewohnt ist. Sehr eindrucksvoll - die wunderschönen alten Häuser haben eine ganz besondere Bauweise.

Bei den Kindern war ich auch schon, aber die sind noch sehr zurückhaltend, die müssen sich erst mal an ein neues Gesicht gewöhnen. Sie wohnen hier wie in einer kleinen Familie in ihren Häusern. Ich werde jetzt noch die restlichen Wochen auf Nias im Kinderdorf bei Sr. Hildegard verbringen.

+++ 18. Mai 2015 - Josef Maier +++

Manchmal könnte man den Kopf in den Kühlschrank stecken, um ihn abzukühlen, so heiß ist es. Ja hier auf der Insel Nias habe ich das Gefühl auf einer Feuerstelle zu sitzen. Das Klima war für mich vor allem in der 1. Woche sehr extrem. Ich kam mir vor, als wäre ich ein Springbrunnen; so extrem musste ich schwitzen. Allmählich hat sich aber mein Körper auf die Hitze eingestellt.

Sprachlich ist es Dank der Übersetzer-App kein allzu großes Problem sich zu verständigen und man kann sich auch manchmal etwas tiefgründiger miteinander unterhalten. Manchmal kommt eine Übersetzung raus, mit der man nichts anfangen kann, in diesem Fall muss halt der Satz neu formuliert werden, in der Regel klappt es dann mit der Verständigung.

Das größte Problem ist mein Handy, da es ständig neu geladen werden muss und ich deshalb den Stromverbrauch einteilen muss, um damit noch z.B. die App zum Beten öffnen, oder Euch aus Indonesien berichten zu können. (Auch die 2 Computer von den Schwestern sind derzeit außer Betrieb) Oft regnet es auch, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass der Strom ausfällt und somit kann das Handy nicht geladen werden. Na ja, es gibt ja bestimmt größere Probleme, oder wie die Indonesier sagen ""Tidak apa apa"" (Macht nichts.) Zum Beten gehe ich sehr regelmäßig, hatte zuvor Bedenken, dass mir dies zu viel werden könnte, aber es ist schön sich auf den Rhythmus der meist gesungenen Psalmen einzulassen. Beim Mitsingen komme ich hierbei allmählich auch ganz gut mit. Gottesdienst findet jeden Tag statt. Allein schon das Essen ist eine Reise nach Indonesien wert! Ich finde es ist (meist) einfach aber sehr gut. Die gut und meist scharf gewürzten Speisen und die vielen Früchte - viele sind mir völlig unbekannt - entfalten hier ihren typischen Duft und Geschmack und sind einfach nur lecker. Bisher gab es nichts was mir nicht schmeckte. (Zum Glück wurde mir bisher noch kein Schweinskopf vor die Nase gestellt!) Meist esse ich auch - wie in Indonesien üblich ist - mit den Fingern, was natürlich den Schwestern sehr gut gefällt.

+++ 12. Mai 2015 - Amelie Krems Fortsetzung +++

In der "Spielzeit" bin ich meist mit den Kindern draußen. Sie lieben es mit meinem Handy zu spielen und wollen ständig Fotos und Videos machen. Sie schmücken mich auch oft mit selbstgemachten Blumenketten. Es gibt hier auch riesige Spinnen, mit denen die Kinder spielen. Sie setzen sie auf die Spitze eines Stocks und erschrecken sich gegenseitig. Oder zu meinem Entsetzen mich, was ich anfangs nicht sehr lustig fand.

Die Familien hier haben oft viele Kinder. Diese werden meist mit dem Roller/Moped zur Schule oder in den Kindergarten gefahren. Es ist also kein seltenes Bild hier, manchmal einen Erwachsenen mit vier Kindern auf einem dieser Fahrzeuge zu sehen. Ich habe mich gefragt, wie das funktioniert. Die Straßen hier sind nämlich nicht annähernd mit unseren zu vergleichen. Schlaglöcher, Müll und andere Gegenstände auf dem Weg sind an der Tagesordnung. Aber das scheint niemanden groß zu interessieren. Und um auf das Fahren der vielen Menschen auf einem dieser Fahrzeuge zurückzukommen, ist das wohl eine der noch leichtesten Aufgaben der Kinder, die sie schon früh lernen mussten zu meistern.

Viele Kinder hier haben auch oft keine Mutter mehr. Hier sterben Mütter häufig bei der Geburt eines Kindes, da die gesundheitliche Versorgung nicht der unseren entspricht. Manche haben sogar beide Elternteile verloren. Es ist also nichts Ungewöhnliches, dass Kinder auch bei Tante, Onkel oder anderen Verwandten groß werden. Für mein Empfinden haben diese aber meist einen anderen Stellenwert als die eigenen Kinder. Zwei dieser Kinder im Kindergarten, die mir inzwischen stark ans Herz gewachsen sind, suchen daher viel Liebe und Zuneigung bei mir.

Dienstags und samstags ist immer Sporttag. Es werden viele Bewegungsspiele gemacht, was den Kindern Spaß macht. Ich habe jetzt schon öfters auf dem Markt Bälle gekauft, da die Kinder am Ballspielen besonders Spaß haben, weil es eben auch eine Seltenheit ist, da Bälle verhältnismäßig teuer sind. So ein Ball überlebt auch meist nur eine viertel Stunde, bis die Luft raus ist und Luftpumpen gibt es hier wohl nicht...

+++ 11. Mai 2015 - Amelie Krems +++

Inzwischen bin ich richtig angekommen. Ich gehe Montag bis Samstag jeden Morgen von 7:00 - 12:00 Uhr mit Schwester Felicitas in den Kindergarten St. Franziskus, um dort mitzuarbeiten. Davor wird mit den Schwestern gebetet und gefrühstückt. Hier wird also immer (auch am Sonntag) schon sehr früh in den Tag gestartet. Auf dem Weg zum Kindergarten, ca. 15 Minuten Fußweg, werde ich immer schon vom halben Dorf begrüßt. Alle schauen mich neugierig an und viele Kinder rufen mir inzwischen sogar meinen Namen zu. Es hat sich hier wohl schnell rumgesprochen, dass ich da bin. Es ist hier eine absolute Seltenheit, dass man einen Europäer zu Gesicht bekommt. Die Menschen starren einen an, in allem was man macht. Das ist oft auch etwas anstrengend. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Im Kindergarten darf ich in Klasse B mitarbeiten, was sehr interessant ist. Allerdings bin ich dort mit einer Lehrerin aus Nias und 32 Kindern, die alle eine andere Sprache sprechen. Schwester Felicitas arbeitet in der Klasse A nebenan, die ich im Notfall um Hilfe bitten kann. Ich habe vor meiner Reise einen Indonesischkurs gemacht, um etwas vorbereitet zu sein. Jedoch sprechen hier wenige Indonesisch. Auf dieser Insel wird niasisch gesprochen, was kein Dialekt ist, sondern eine komplett eigene Sprache. Dadurch ist es ziemlich schwer, sich zu verständigen. Ohne mein Wörterbuch verlasse ich mein Zimmer nicht :) Mit Händen und Füßen kommt man meist irgendwie weiter.
Die Kinder sind wahnsinnig toll hier. Sie zeigen großes Interesse an mir und wollten anfangs meine, im Verhältnis zu den anderen, weiße Haut anfassen. Sie lachen auch viel über meine Nase, weil sie hier eben diese Gesichtsform nicht kennen. Der Kindergarten ist nicht mit einem in Deutschland zu vergleichen. Die Kinder werden hier schon mit Lesen, Rechnen und Schreiben unterrichtet und haben wenig freie Zeit zum Spielen. Es wird sehr viel mit den Kindern gebetet und sie lernen der indonesischen Flagge zu salutieren und die Nationalhymne zu singen. Um gewisse Aufgabenstellungen der Lehrerin zu meistern, gibt es hier Körbchen mit Holzeisstilen und Muscheln, mit denen die Kinder bestimmte Formen legen können.
Es gibt hier auch kein fließendes Wasser, darum waschen sich die Kinder alle an zwei Wassereimern, die aufgestellt sind (braune Suppe). Von den Toiletten möchte ich erst gar nicht anfangen zu erzählen... Meine Aufgabe ist es, den Kindern beim Schreiben, Rechnen, Malen etc. zu helfen und mit Schwester Felicitas Bastelarbeiten zu machen, die dann in den Klassen aufgehängt werden, damit die Kinder diese anschauen können.

[Forstsetzung folgt]

+++ 08. Mai 2015 - Josef Maier +++

"Einander vertrauen können" - Mitarbeitertag für die Mitarbeiter des Kinderdorfes St. Antonius:

9 Mitarbeiter und 11 Mitarbeiterinnen vom Kinderdorf St. Antonius kamen zu einem Mitarbeitertag zusammen. Ebenso waren 3 Schwestern und Pastor Francesco Rahmad Zai mit dabei. Für den Mitarbeitertag wurde der ca. 50 KM entfernte "singende Strand" zum geeigneten Ort ausgewählt.

Mit einem Bus, einem Auto und 2 Motorrädern fuhren wir an den ausgewählten Platz. Kaum ging die Fahrt los, schon spielte Pak Timotius mit seiner Gitarre und alle sangen Lautstark mit - die Stimmung im Bus war sehr fröhlich. Nach 2stündiger und oftmals holpriger Fahrt kamen wir am "singenden Strand" an. Nach einer kurzen Pause (Minum) wurden unter den Kiefern geflochtene Matten ausgelegt und alle setzten sich im Kreis zusammen.

Schwester Anna, Leiterin des Kinderdorfes eröffnete den Besinnungstag mit einem Gebet. Danach hielt Pastor Francesco eine Lesung zu dem Thema "Einander vertrauen können" Hierzu zitierte er aus dem Lukas-Evangelium "Das Gleichnis vom anvertrauten Geld" (Lukas 19 11-27) Es war schade, dass ich nur sehr wenig verstand.

Nach der Lesung wurde die Missa (Gottesdienst) im Schatten der Kiefern und dem Meer, welches als große Kulisse diente, gefeiert. Hierzu konnte ich mir keinen schöneren Ort vorstellen.
Nach dem Gottesdienst wurden frische Fische angeliefert. Einige sammelten Holz zusammen und machten ein Feuer auf dem dann die Fische gegrillt wurden. Reis und andere Zutaten wurden von Zuhause mitgebracht. Innerhalb kurzer Zeit gab es ein sehr gutes Mittagessen und alle aßen mit den Finger.

Nach dem Essen gingen einige ins Wasser, oder spielten das Kartenspiel "Joker"; einigen war auch ihre Istriahat (Mittagsruhe) heilig und legten sich zu einem Schläfchen hin. Nach der Mittagspause wurde Cappuccino gedrunken, danach alles zusammen geräumt und - zu meinem Erstaunen - wurde auch der Plastikmüll; was ja hier in Indonesien recht unüblich ist, mitgenommen.

Auf der Heimfahrt wurde noch ein Zwischenstopp eingelegt. Pastor Francesco lud zu sich nach Hause ein und bot uns zur Erfrischung frische Kokosmilch und Betelnüsse an.

Auch der schönste Tag geht einmal zu Ende und so machten wir uns alle zufrieden auf den Heimweg und Pak Raimund fuhr uns wieder zielsicher nach Hause.

+++ 05. Mai 2015 - Silvia Jaschusch Fortsetzung +++

... Dort wartet schon das fertige Mittagessen und wir unterhalten uns über dies und das. Kürzlich kam ich nach Hause und eine Schar von Männern stand in unserem Aufenthaltsraum. Ich begrüßte alle freundlich und fragte “Apa Kabar?”(wie geht’s?). Ich bemerkte erst später, dass alle Bischöfe von ganz Sumatra bei uns zu Gast waren, es gab nämlich besonders gutes Essen.

Nach dem Essen machen wir eine Mittagspause “Isteriahat” für etwa zwei Stunden. Das tut gut und ist auch bei diesen Temperaturen wichtig. Nachmittags gibt es hier immer etwas zu tun. Da die Waschmaschine kaputt ist, waschen wir hier von Hand. Kalt. Das ist ganz schön viel Arbeit und dauert lange und ist auch anstrengend - für mich jedenfalls.

Besonders schön fand ich die Namenstagsfeier von Sr. Lidwina. An dem Tag stand ein leckerer Kuchen auf dem Nachmittagstisch und wir haben alle für sie gesungen. Der Kuchen war kunterbunt, schmeckte “enak”-lecker. Später sind wir mit dem Pick-up, einer Gitarre und Abendessen zum Strand gefahren. Erstaunlich und gleichzeitig toll fand ich, dass die Schwestern in Freizeitkleidung gingen. Wir gingen am Strand spazieren und genossen die Brise, die das Meer uns entgegen warf. Dann wurden viele schöne Lieder gesungen. Hier können irgendwie alle so gut singen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Wir aßen unser Abendessen mit den Händen in einem Körbchen, dann spielten wir Halma und die anderen Karten. Es war ein sehr schöner Tag und man spürte die Gemeinschaft der Schwestern.

+++ 04. Mai 2015 - Silvia Jaschusch +++

Mein Alltag beginnt um kurz nach 5 Uhr mit duschen und fertig machen für die Messe. Ich habe zwar einen Wecker dabei, jedoch brauche ich ihn kaum, da morgens schon vor 5 muslimische Gebete hier in Pandan aus den Lautsprechern erklingen. Die Schwestern sind schon ab halb 6 in der Kapelle und die Anspirantinnen und ich kommen um kurz vor 6 hinzu. Nach dem Gebet gibt es Frühstück. Wir spülen ab und dann packe ich meine Sachen und gehe zur Arbeit.

Bapa Habiahaan und ich begrüßen die Kinder im Unterricht. Eine kurze Theoriephase und dann folgt sogleich die Praxis am PC. Es funktioniert ganz gut auch wenn ich manchmal nicht auf Anhieb alles verstehe. So vergeht Stunde um Stunde und in der Pause trinken wir einen Kaffee und unterhalten uns. Bapa Habiahaan hat drei Kinder, die noch sehr klein sind. Er hat in Medan IT studiert. Sein Studium wurde von einem holländischen Pastor finanziert und dafür ist er sehr dankbar. Er hat allerdings keine Arbeit in seinem Job bisher gefunden.

Ihm macht die Arbeit mit den Kindern viel Spaß und er ist gerne hier. PC-Unterricht ist ein Trend hier, d. h. wenn in der Schule PC unterrichtet wird, ist es eine gute Schule. Ich bin auch teilweise im Englisch-Unterricht mit Bapa Situmorang dabei. Letzte Woche habe ich meine erste Englisch-Unterrichtsstunde gegeben. In der Klasse 3b mit 39 Kindern, die alle auf mich gestarrt haben!! Da habe ich einfach losgelegt - aus dem Stegreif - und ich war selber über mich erstaunt und dann auch ein bisschen stolz. Die Kinder sind –Gott sei Dank- sehr nachsichtig, sie wissen schon viele englische Begriffe für die 3. Klasse.

Nach der Schule mache ich mich auf den Heimweg...

+++ 30. April 2015 - Franziska Bimminger +++

Hier in Tumbajae gibt es ein Mädchenasrama, das Sr. Christina leitet. Für das leibliche Wohl sorgt Sr. Elsa in der Küche. Die Klinik wird von Sr. Colette geleitet, mit 2 Hebammen und 3 weiteren Helferinnen, läuft eigentlich wie einer Ambulanz ab.
Es kommen viele Patienten zum Verbandswechsel, kleinere Wunden werden versorgt, auch mal eine Platzwunde genäht. Erstversorgung bei Notfällen, oder Unfällen (es wird hier ohne Helm Honda gefahrenen, bis zu 5 Personen auf der Maschine). Bei größeren Verletzungen werden die Patienten in die Klinik verlegt.
Auch Entbindungen finden hier statt. Drei Geburten waren es jetzt seit ich da bin. Bei zwei durfte ich dabei sein, was natürlich hier, in dieser Situation, wenn alles normal verläuft, kein Problem ist, man ist nicht mit allen Vorteilen einer Klinik ausgestattet. Bei Komplikationen wird die Patientin ins Krankenhaus gebracht.
Die Patienten bleiben meist nur eine Nacht, oder wenige Tage, auch die Mütter mit ihren Neugeborenen.
Erbrechen, Ausschlag und auch Tuberkulose kommt hier oft vor.
Es werden Infusionen gelegt und die Patienten werden mit Medikamenten und Salben versorgt.
Meist kommt die ganze Familie mit oft 8 bis 15 Personen und übernachten auch zum Teil.

Einmal die Woche fahre ich mit Sr. Christina mit der Honda zum Markt, wir kaufen fürs Schwesternhaus und das Mädchenasrama ein. Da steht man schon mal bis zu den Knöcheln im Schlamm, da es bis jetzt fast täglich geregnet hat. Auf dem Markt gibt es Früchte die ich noch nie gesehen oder gegessen habe.

Eigentlich sollte ich im Altersheim arbeiten, dieses steht jetzt aber leer.
Nun hole ich immer wieder einen kleinen behinderten Jungen im Dorf ab, der in den Waschräumen der Klinik geduscht wird und von uns zu essen bekommt. Seine Eltern sind beide weg, er hat noch mehrere Geschwister - darunter eine Schwester, die im Moment in Reha ist. Die Kinder werden von Oma und Opa versorgt, so gut es geht.
Die Häuser (Hütten) bestehen aus einem leeren Raum, in dem der kleine Junge den ganzen Tag am Boden sitzt. Einlagen und Windeln sind hier nicht oft vorhanden.
Im hinteren Teil des Hauses gibt es eine  Küche und ein Bad, wenn man es so benennen kann.

Vorgestern war ich mit Sr. Christina auf der Schulabschlussfeier. Die Mädchen tragen bunte Kleidung - bunt bestickt, die Jungs einheitliche Hemden (Schuluniform).  Lehrer (Gurus), Eltern und Schüler tragen Schals über den Schultern, meist rot - das ist hier an Festlichkeiten und Hochzeiten der Brauch. Es wurden lange Reden gehalten, viel getanzt und gesungen. Das Ganze dauerte von 8:00 -14:00 Uhr. Am nächsten Tag kam ein kleines Mädchen in die Klinik, hat mehrere trockene, raue Stellen auf der Haut... an der Fußsohle besonders schlimm. Es scheuert sich immer wieder auf. An der Hand hatte sie eine eitrige Stelle - hat sich am Feuer verbrannt. Sie wird jetzt mit Salben und Verbänden versorgt. Kommt jetzt täglich zum Verbandswechsel. Am Abend kommt noch Sr. Henrika die längere Zeit unterwegs war. Mit ihr soll ich die nächste Tage Hausbesuche im Dorf machen.
Mal sehen was noch alles kommt.

+++ 27. April 2015 - Josef Maier +++

Ein Sonntagnachmittag im Kinderdorf St. Antonius:

Nach dem Essen wird erst "Istriahat" gemacht, die Türen sind verschlossen und die Vorhänge sind zugezogen. Man könnte meinen das Kinderdorf liege in einem Dornröschenschlaf!

Pünktlich um 3Uhr erwacht das Kinderdorf St. Antonius wieder aus seinem Mittagsschlaf auf. Man hört die ersten Kinderstimmen. Kurz darauf setzt ein starker Regenguss ein. Trotz Regen hört man, wie ein Ball immer wieder auf den Weg aufschlägt, näherkommen; vermischt mit dem gegenseitigem Zurufen der Jungs. Ihr Ziel ist der Fußballplatz in der Mitte des Kinderdorfes. Ihnen scheint der Regen kein Hinderungsgrund zu sein, um ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Fußballspielen nachzugehen. Der Regen lässt langsam nach.

Die ersten Kinder hört man wie sie aus ihren Häuser kommen. Manche gehen in die nahe gelegene Aula um der Tanzprobe zuzuschauen.

Dort wird ein Tanz zu dem Lied "Terima kasih" einstudiert. Die 10 Mädchen konzentrieren sich auf den Tanzlehrer und Sr. Anastasia, die die Tanzschritte vormachen. Schon seit mehreren Wochen übt der Chor vom Kinderdorf St. Antonius an diesem 4-stimmigen Lied. Als die Übungsstunde vorbei ist, gehen die meisten Kinder ins Freie um zu spielen. Die Oberin Sr. Goretti spielt mit einem Kind Federball. Die kleineren wollen mit mir Fange spielen. Ich werde natürlich am meisten verfolgt, aber es macht riesig Spaß. Die wenigen die noch in der Aula verweilen hört man immer wieder singen und K-Board spielen und lachen.

Kurz nach halb 6 lehrt sich der Spielplatz und die Aula. Es steht nun "Mandi" (Duschen) und "makan malam" (Abendessen) an.

Auch ich gehe nun auf mein Zimmer und mach mich fertig um mit den Schwestern zu beten und anschließend das Abendessen einzunehmen.

+++ 21. April 2015 - Silvia Jaschusch +++

Nachdem wir gut angekommen sind und den ersten Tag bereits bei den Schwester verbracht hatten, mussten Franziska und ich uns am Folgetag von Amelie und Josef verabschieden. Die beiden flogen weiter nach Nias, wo sie ihren Einsatz hatten. Uns stand nun eine 10-12 Stundenfahrt quer durch Sumatra bevor. Im klimatisierten Geländewagen lies es sich gut aushalten. Als wir aus Medan herausfuhren sahen wir einen Unfall am Strassenrand. Eine Frau lag auf dem Betonboden, ihr Roller seitlich im Strassengraben. Sie hatte keinen Helm auf - wie die meisten nicht -. Wir hofften das Beste für sie, der Anblick ist bis heute in meinem Kopf geblieben.

Wir fotografierten die Landschaft und machten am Tobasee einen kurzen Zwischenstop. Hier gab es frischen eigens angebauten Kaffee, der wirklich sehr lecker schmeckte. Die Aussicht war hervorragend und man hätte meinen können, wir sind im Urlaub. Doch wir hatten noch eine gute Strecke vor uns, so kauften wir Kaffee und fuhren weiter. Langsam wurde es dunkel und ich bewunderte Franky, unseren Fahrer, der nach mittlerweile 8 Stunden immer noch fit schien. In der Nacht fahren sämtliche LKWs von Sibolga nach Medan und umgekehrt. Die Strassen sind sehr schlecht und eng - eher einspurig. So muss man schon jonglieren, um aneinander vorbeizukommen. Abends um etwa 11 Uhr kamen wir dann endlich heil an.

Am nächsten Morgen hat uns die Regionaloberin offiziell begrüsst und wir sind von den Schwestern hier sehr nett empfangen worden: “Ich hoffe, Sie fühlen sich hier wie zu Hause”. Ich bedankte mich und ging mit einem guten Gefühl am Abend zu Bett. Franziska musste ich schweren Herzens am Nachmittag verabschieden. Sr. Collette holte sie ab und sie fuhren zu ihrem Einsatzort nach Tumba Jae.

Der Konvent hier in Pandan ist die Zentrale. Hier leben 13 Schwestern und 7 Kandidatinnen, das sind Anwärterinnen. Es ist sehr schön hier, alles wirkt neu und gut durchdacht und schön angelegt. Im Garten wachsen Ananas, Bananen, Mangos und viele andere Früchte. Hier ist alles gut organisiert und hat seine Ordnung. Ich habe schnell gelernt welches Geschirrtuch für welches Geschirr verwendet wird. Alle sind sehr nachsichtig mit mir und helfen jederzeit.

Ich arbeite in der Schule St. Franziskus, das ist eine Grundschule von der 1. bis zur 6. Klasse. Bin jetzt “Guru”, d.h. Lehrer, und helfe Bapa Habiaahn beim PC Unterricht. Die Kinder sind offen, lebhaft und wollen alles von mir wissen. Vor allem die Mädchen. “Ibu Silvia”, rufen sie und oft muss ich nach der Schule sogar Autogramme geben! Danach laufe ich das kurze Stück bis nach Hause und werde von einer Traube Kinder begleitet mit denen ich dann noch ein bisschen plaudere - ein Mix aus Indonesisch/Englisch/Deutsch.

Sonntags gehen wir morgens in die Kirche, es ist ein sehr lebhafter und intensiver Gottesdienst. Es kommen sehr viele Leute, die Kirche ist voll und auch draussen sitzen noch viele Menschen. Alle singen mit, es ist lebhaft und man spürt, auch wenn man es nicht versteht, wie es die Menschen berührt.

Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden, fühle mich wohl und warte voll Spannung auf den nächsten Tag.

+++ 17. April 2015 - Franziska Bimminger +++

Nach unserer gemeinsamen Ankunft, flogen Josef und Amelie nach Nias. Silvia und ich fuhren mit dem Auto 12 Stunden nach Pandan, was für uns ein Abenteuer wurde - auch mit Angst verbunden, denn diese Straße ist sehr defekt und schmal und sehr viele LKWs kamen uns entgegen. Aber wir sind gesund in Medan angekommen. Ich habe die Nacht noch im schönen Mutterhaus verbracht, bin dann von Sr. Colette am Samstag abgeholt worden - nochmal vier Stunden Autofahrt nach Tumbajae. Hier wurde ich von Sr. Christine und Sr. Elsa freundlich empfangen, durfte die Räumlichkeiten sehen und war von der langen Reise sehr müde. Die Umstellung zu diesem Klima ist für mich sehr anstrengend. Momentan regnet es jeden Tag, was für diese Jahreszeit nicht üblich ist. Für den Anfang war es schonmal sehr beeindruckend.

+++ 15. April 2015 - Fortsetzung Amelie Krems +++

Punkt 18:00 Uhr war es Nacht und wir hatten direkt Stromausfall. So startete ich mit einer Stirnlampe bewaffnet meine erste Dusche mit Regenwasserbehälter und Schöpfkelle. Neuland! Abenteuer! Der Gottesdienst war toll. Ich verstand zwar nichts, aber es war eine schöne Atmosphäre mit viel Gesang. Ich wurde von vielen Menschen freundlich und interessiert empfangen.

Am nächsten Morgen war um 06:00 Uhr wieder Gottesdienst. Ich hatte noch große Probleme mit der Temperatur klarzukommen. Mir wurde in der Kirche mehrmals schwarz vor Augen und um nicht aufzufallen, versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen. Großer Fehler!
Ich wachte auf und schaute in viele besorgte Gesichter, die sich um mich versammelt hatten. Mitten in der Kirche! Sr. Damiana, die anderen Schwestern und viele liebevollen Menschen kümmerten sich rührend um mich. Das Klima hat mir wohl das Bewusstsein geraubt. Ich wurde aufs Zimmer begleitet und bestens versorgt. Nach einigen Stunden Schlaf war alles wieder gut.
Die vier Schwestern haben sich absolut bestens um mein Wohlbefinden gekümmert.

Am Sonntag war direkt ein großes Fest: Ostern, verbunden mit der Taufe von vier Babys. Nach dem Gottesdienst wurde fleißig gefeiert. Viele Menschen aus dem Dorf waren da. Traditionell gab es einen gekochten Schweinekopf zum Essen und es wurde viel getanzt. Ich war schnell mitten im Geschehen, mir wurden die Tänze beigebracht und die Menschen versammelten sich sehr interessiert um mich. Ein toller Tag!

+++ 13. April 2015 - Amelie Krems +++

Wir starteten am 07. April morgens in Neu-Ulm am Bahnhof unsere Reise. Dort wurden wir von unseren Familien und auch teilweise von den Indonesienreisenden vom letzten Jahr rührend verabschiedet. Es lag ein langer Weg vor uns. Erst von München nach Dubai, dann nach Kuala Lumpur und von dort aus nach Medan. Hier wurden wir herzlich von Schwester Evelyn, deren Fahrer, Vera (einer Freundin von Sr. Evelyn) und ihrem Mann empfangen. Ich war sehr müde und schlapp, nach der ewigen Reise von fast zwei Tagen. In Medan hatte uns Sr. Evelyn bereits ein Hotel besorgt, wo wir am späten Abend noch einchecken konnten.

Am nächsten Tag waren wir für alle eine Handykarte besorgen, machten einen Bummel durch ein Einkaufszentrum, besichtigten einen indischen Tempel und waren abends noch traditionell indonesisch Essen.

Am Freitag morgen trennten sich dann unsere Wege. Franziska und Silvia fuhren mit Sr. Evelyn weiter und Josef und ich wurden von Vera zum Flughafen gebracht, wo wir dann mit einem Inlandsflug nach Nias durchstarteten.
Auf Nias holte uns Sr. Anna ab und wir wurden ins Kinderdorf gebracht. Dort machten wir einen Rundgang und wurden von strahlenden Kindergesichtern empfangen. Hier wird also Josef seine nächste Zeit verbringen. Gegen Nachmittag fuhren wir dann nach Tetehösi - mein zukünftiges neues Zuhause. Wir wurden von Sr. Damiana, Sr. Bernhardette, Sr. Felicitas und Sr. Beatrix freundlich durch die Räumlichkeiten geführt: ein traumhaftes Schwesternhaus, die Kirche, Poliklinik, das Haus der Pastoren mit Internat. Ein sehr schönes Anwesen mit Papaya- und Bananenbäumen (Palmen), Orchideen und vielen anderen tollen Pflanzen.

Die Hitze war extrem auf Nias... nochmals wesentlich heftiger als es mir in Medan vorkam. Mein Zimmer war mit Blumen und einem deutschen Willkommensgruß geschmückt. Ich sollte mich duschen und dann zum Gottesdienst erscheinen.

[...wie es weitergeht, erfahren Sie in den nächsten Tagen]

+++ 11. April 2015 - Josef Maier +++

Es ist hier sehr schön; ja es ist ein kleines Paradies. Die vielen und neuen Eindrücke erschlagen einen ganz, dazu kommt die Zeitumstellung und das tropische Klima. Es braucht eine ganze  Weile bis man die ganzen Eindrücke verarbeiten kann und seinen Rhythmus wieder findet.

Der Tag ist bei mir voll ausgefüllt mit "Mitbeten" (Beginn zwischen 5:30 und 6:30Uhr),  mit "Mitarbeiten" (morgens arbeite ich in der Schreinerei und am Nachmittag, sowie am Abend arbeite ich auf der Gruppe Klara  - auf der 14 Jungs im Alter zwischen  13 und 17Jahren  leben - mit.) das "Mitleben" ergibt sich hiermit ganz automatisch.

Man wird hier von allen sehr herzlich aufgenommen, sei es von den Schwestern, den Mitarbeiter und vor allem den Kindern und Jugendlichen. Wenn ich etwas nicht verstehe sind alle recht verständnisvoll und geduldig. Das entschädigt natürlich die ganzen Strapazen der langen Anreise:

Amelie und ich kamen sehr gut auf der Insel Nias an. Sr. Anna und Pak Raimund holten uns am Flughafen ab. Es war eine sehr freundliche und herzliche Begrüßung, so als kenne man sich schon sehr lange. Nach ca. 20-minütiger Fahrt kamen wir im Kinderdorf St. Antonius an. Entlang der Einfahrt zum Kinderdorf kündeten noch bunte Fahnen das Osterfest an.  Viele Kinder kamen um uns zu sehen und ihren Gruß zu bringen, der für mich als Deutscher besonders rührend ist. Sie legen zum Salam (Gruß) ihre Hand in die des Gastes und führen diese dann ganz zart an ihre Wange oder ihre Stirn. Danach lassen Sie meine Hand wieder los und führen ihre Hand an ihr Herz. Eine sehr berührende Geste.

Ja ich konnte richtig spüren dass ich erwartet wurde.

+++09. April 2015 Ankunft+++

Es ist schon wieder soweit; vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden nach Indonesien zu den Franziskanerinnen von Reute entsendet. Für Franziska Bimminger, Amelie Krems, Silvia Jaschusch und Josef Maier heißt es nun "8 Wochen Mitleben - Mitbeten - Mitarbeiten". Sie wurden herzlich empfangen und zu ihren Einsatzorten gebracht. Seien Sie gespannt auf erlebnisreiche Berichte.

+++ Das war 2014: +++

+++ 15. Juli 2014 - Irmgard Schuhmacher-Hänle+++

Die letzten Tage hier sind angebrochen.
Es ist Zeit von vielem was mir ans Herz gewachsen ist, Abschied zu nehmen. Aber es gibt auch manches, das ich gerne hinter mir lasse.
Die unendlich vielen Eindrücke der Lebensweise hier auf Nias werden sicher noch lange nachwirken.
Besonders schön war auch, dass wir alle vier das Jubiläum, 50 Jahre Missionen in Indonesien, in Padan mitfeiern durften.
Schon die 9 Stunden Anreise per Fähre waren aufregend. Das ganze Schiff voller Menschen, Waren, Tiere, Gepäck, Fahrzeuge. Die meisten Fahrgäste übernachten in einer Massenunterkunft. Das heißt 200 Leute in einem Raum, unerträglich heiß, stickig, eng, 2 Toiletten.
Wie sollten wir diese Nacht überstehen?? ABER!  Auch hier sind Beziehungen viel wert. Wir konnten über Nacht eine Kabine von Bediensteten des Schiffes, gegen einen "schwarzen" Obulus, belegen. Welch ein Luxus! Obwohl es nur 2 Betten für 3 Leute gab, der Gestank der Durian, der uns unerträglich umgab, von abends bis morgens dröhnte Maschinenlärm und die heiße Luft stand wie eine Wand im Raum. Viel schwitzen war angesagt!
Das Fest selber, das sich vom Morgen bis in den Spätnachmittag zog, war richtig gut organisiert. Nur der Wettergott meinte in den ersten Stunden Regen schicken zu müssen. Die Ansprachen waren kurz gehalten, einige wurden auf deutsch übersetzt. Schwester Paulins Ansprache auf Bahasa Indonesia. Nach einem schönen, feierlich gestalteten Gottesdienst gab es Tänze, Musik und Gesänge nach Adat Tradition.
Zum Festessen im Freien lachte die Sonne schon wieder. Die Gäste verspeisten mit gutem Appetit Fisch, Ragout vom Wasserbüffel, Gemüse, Obst, süße Snaks und natürlich Nasi.
Ich hatte das Vergnügen mit der Fähre heimzukehren, während meine 3 Kollegen die Rückreise mit dem Flieger vorzogen.
Nach diesen 8 Wochen "Mitleben, Mitbeten, Mitarbeiten", freue ich mich auf unsere bevorstehende Reise, die uns neue und sicher interesseante Erlebnisse bringen wird.

+++14. Juli 2014 - Nadine Häusle+++

Die Macht der schwarzen Magie und der Geister spielen in Indonesien auch eine große Rolle. Diese Geister beherrschen die Menschen und ihr Denken. 

So war es auch bei einem zehnjährigen Mädchen aus der Gemeinde, das an Malaria erkrankt war. Yiska kam mit Bauchweh und Fieber in die Polyklinik. Mit Medikamenten versorgt ging sie wieder nach Hause. Eine Woche später kam der Vater, um den Pastor zum Beten zu holen, da es ihr sehr schlecht ging. Sr. Ingeborg begleitete den Pastor um ihr vielleicht noch medizinisch helfen zu können. Sie fand das Mädchen ganz fiebrig vor. Yiska konnte kaum noch sprechen, war völlig ausgetrocknet und brauchte dringend eine Infusion. Aber der Vater verweigerte sie ..."er überlege es sich bis morgen"! Gutes zureden, drängen und ermahnen brachte nichts.
Mit dem Wissen, dass es um das Mädchen nicht gut stand; kam Sr. Ingeborg, macht- und hilflos wieder zurück. Am nächsten Tag ist Yiska gestorben.
Letztendlich kam heraus, dass der Großvater -ein Dukun (Medizinmann)- die Infusion bzw. das Stechen mit Nadeln verboten hatte. Die Krankheit käme von außen, von den Geistern. Wenn man sie mit Nadeln stechen, und es nicht von alleine oder durch natürliche Mittel heilen würde, würde das Mädchen sterben.
Der Großvater ist der Ranghöhere und hat das Sagen, daher traut sich keiner ihm zu widersprechen.
Trauer, Schock und Fassungslosigkeit überlagerte uns, dass so ein junges Mädchen unnötig sterben musste.

Bei meinem ersten Sonntags-Gottesdienst auf Tello stand Yiska vor voller Kirche und hat den Gesang dirigiert. Wirklich beeindruckend für ein zehnjähriges Kind.

Einige Tage später durfte ich mit, um Yiska nach "Adat-Tradition" zu verabschieden. Die Familie hat in ihr Haus eingeladen. Ca. 50 Männer, Frauen und Kinder saßen in das Wohnzimmer gedrängt auf dem Boden. Wer keinen Platz mehr hatte, saß vor dem Haus. Mittendrin hielt der Pastor mit seinem Tischaltar den Gottesdienst. Anschließend gabs für alle noch zu Essen. Für solche Anlässe wird immer extra ein Schwein geschlachtet ...und wieder einmal stand ein halber Schweinskopf inklusive Luftröhre vor mir.

Verschiedene Gefühle und Gedanken über diese Geschichte begleiteten mich eine ganze Zeit lang....

Die letzten Tage meines Einsatzes verbringe ich bei Irmgard im Kinderdorf auf Nias. Ganz anders als meine bisherige Arbeit, freue ich mich über die Abwechslung und genieße die kleinen Babys. Füttern, Wickeln, Baden... es gibt immer etwas zu tun. 

Meine Zeit auf Tello...

Trotz vieler Höhen und Tiefen habe ich die Zeit hier sehr genossen. Im Paradies zu leben und zu arbeiten, eine ganz andere Kultur und Lebensweise kennenzulernen, und das in dieser Intensität, ist definitiv etwas besonderes!!
Auch durfte ich den "Engel von Tello" kennenlernen. Sr. Ingeborg ist eine ganz besondere Frau. Wie sie ihre Berufung und das Leben in Indonesien lebt, hat mich total fasziniert. Wir waren ein gutes Team und ich hab viel von ihr gelernt. Und ich hoffe, dass ich "die Scheiben die ich mir von ihr abgeschnitten habe", gut in mein weiteres Leben einfügen kann. 
Ich danke dem lieben Gott für eine spannende, erlebnisreiche Zeit, bei der ich mit Sicherheit auch an meine Grenzen gekommen, und "mit mir selber in Berührung gekommen bin", so die Ankündigung von Sr. Paulin...

+++ 9. Juli 2014 - Theodor Böhringer+++

Sr. Colette in Tumbajae ist sehr akkurat und sorgt, dass es allen gut geht. Sie sagte zu mir, ich solle doch mit der Frau unseres Mitarbeiters und ihrer Schulklasse mit zum Schulausflug ans Meer fahren. Es sind vielleicht 20km. Da sagt man doch sofort zu.
Die Schüler waren mit dem Bus schon unterwegs und die Lehrer und ich folgten ihnen mit drei Motorrädern. Mit den Zweirädern konnten wir eine Abkürzung durch die riesigen, kilometerweiten und ökologisch umstrittenen Ölplantagen, sie nennt man hier Kelaposowit, durchfahren.

Nach Ankunft war erst einmal Angeln, im Sumpfgebiet hinter dem Strand, angesagt. Da bissen jedoch nur Fische so groß wie Ölsardinen an - die wurden sofort wieder ins Wasser geworfen.
Die Lehrer haben schon Feuer gemacht und die mitgebrachten Fische gegrillt. Ein sehr ungezwungener Tag für die zwölfjährigen Schüler: angeln, Fisch essen, Spiele und Baden.

Bei der Heimfahrt wurde mir erst klar, wie viele Schüler in so einem kleinen Bus Platz haben. Die Sitzordnung war klar: Mädchen im Fahrgastraum, Buben aufs Dach. Bevor er losfuhr, durfte ich noch Probesitzen.

+++ 8. Juli 2014 - Margot Müller+++

Am Freitag sind wir mit einer kleinen Maschine von Nias nach Tello geflogen. D.h. die Landebahn ist auf einer kleinen Nebeninsel. Gesamt sind es die Batuinseln. Mit einem Motorboot des dortigen Pfarrers sind wir auf die Insel Tello gebracht worden, wo wir von Sr. Ingeborg herzlich begrüßt wurden. Nadine und Sr. Ingeborg hatten für uns einen herrlichen Gewürzkuchen gebacken.
Am Samstag machten wir zusammen eine Inselrundfahrt. Die Strecke ist ungefähr 14km lang. Entlang dieses Weges wird man mit sagenhaften Stränden belohnt. Außer dem Hauptort gibt es nicht viel Ansiedlung. Einsame Strände und Kokospalmenwälder. Zum Mittagessen sind wir pünktlich zurück gekommen. Wir kochten uns Lasagne - was die Indonesier nicht besonders mögen; der Reis fehlt!
Am Nachmittag wurden wir vom Pfarrer auf eine Nebeninsel zum Baden gefahren. Ein Traumstrand mit türkisblauem, klarem Wasser.
Am Sonntag war ein Festgottesdienst zur Verabschiedung des Pfarrers. Nach dem Gottesdienst wurde indonesisch gefeiert. In einem Gemeindehaus wurde am Boden sitzend zu Mittag gegessen. Es gab Suppe mit Schweinefleischeinlage, dann Reis und Schweinesiedfleisch. Für diesen Anlass wurde ein Schwein geschlachtet. Wichtig dabei ist auch, dass der Schweinskopf mit auf den "Tisch" kommt. Dann wurde gesungen, getanzt und Dankesreden gehalten. Am späteren Nachmittag setzte Regen ein und wir mussten unseren Ausflug auf die " Bago Insel" leider ausfallen lassen.
Am Montag Morgen sind wir wieder zurück nach Nias. Nadine wird nun bis nächste Woche bei uns bleiben.
Das war ein wunderschönes Wochenende.

+++26. Juni 2014 Fortsetzung - Theodor Böhringer+++

Nun ging die Fahrt im Ambulanzfahrzeug mit dem regungslosen Marito weiter zu den empfohlenen Medizinmännern. Dort angekommen wurde er vor dessen Haus mitten im Dorf auf einen Tisch gelegt. Der erste Heiler ließ den Rauch einer Zigarette über seinem Kopf kreisen, sprach mit ihm ununterbrochen und wusch ihn anschließend mit dem Saft einer besonders duftenden Zitronensorte ab.

Obwohl der Heiler Marito nicht kannte, hat er gesprochen, seine Mutter solle zu ihm zurückkehren. (Marito lebt bei seinen Großeltern, weil sich seine Eltern getrennt haben). Des Weiteren sprach er bei diesem Prozess, an seinem Unfallort steht ein Baumstumpf, dort ist einmal ein Kind gestorben und dieses verstorbene Kind wartet hier auf Marito, weil es einsam ist und einen Spielkameraden sucht.

Der nächste Heiler war ein Muslim und hat mit ihm lange gebetet. Als letztes kam ein Medizinmann an den Tisch, der Marito mit der Kraft von verschiedenen Steinen behandelte. Marito ist jetzt zuhause, er wohnt gerade mal 500m von der Poliklinik entfernt. Er liegt da, schaut mit großen Augen unkontrolliert ins Leere, und weint oft. Er kommt immer wieder in die Polyklinik, bekommt eine Infusion und eiweißhaltiges Essen, weil hier bei vielen Familien fast nur Reis und kaum Gemüse gegessen wird. Nach weiteren zwei Wochen machten seine Bewegungen Fortschritte. Einen Monat nach dem Unfall kann Marito einige Schritte gehen. Das macht viel Hoffnung. Marito kann sein Gegenüber manchmal wahrnehmen - ganz selten lacht er, wenn man mit ihm spricht. Sein Blick und seine Kopfhaltung wirken sehr unkontrolliert und ein leises Weinen kommt oft dazu. Seine körperliche Genesung macht gute Fortschritte. Es ist aber anzunehmen, dass eine starke Hirnschädigung vorliegt, und dazu gibt es hier keine therapeutischen Möglichkeiten.

Es gibt in der Klinik auch viele schöne Momente. Wenn von Patienten unbehandelte oder schlecht versorgte und eiternde Wunden ausgewaschen werden können und zuheilen. Oder ein durch ein Insektenstich entstandenes Wundmal von Sr. Colette geöffnet wird und von 25 Würmern befreit werden kann. Und das Wundmal wird immer kleiner und wächst vielleicht einmal ganz zu.

Mein Tagesablauf ist hier schon zur Routine geworden. In der Kirche nebenan ist um sechs immer Morgenandacht. Um 6.30 Uhr frühstücke ich mit den Schwestern. Dann gibt es immer irgendwelche haustechnischen Dinge abzuarbeiten. Die hauseigene Wasserversorgung mit zwei Brunnen, das Dieselaggregat, sorgt immer wieder für Überraschungen. Der Strom fällt fast jeden Tag einmal aus, manchmal den ganzen Tag. Wenn auf der Station mal nichts zu tun ist, dann baue ich aus Stahlrohren Handtuchtrockner für das Asrama, das ist ein Mädchenwohnheim, das auch zu der Station gehört. Die Bewohner und die Schwestern finden diese praktisch.

Pastor Albert oder Pastor Alfonso begleite ich jeden Sonntag mit der Honda zu einem anderen Gottesdienst. Sie betreuen 34 Stationen und zurzeit ist jeden Sonntag irgendwo Weißer Sonntag. So vergehen die acht Wochen wie im Fluge und dann gibt es ganz sicher wieder in Deutschland für uns vier Reisenden etwas zu tun.

+++26. Juni 2014 - Theodor Böhringer+++

Der Weg nach Tumbajae führt über holprige Straßen und ist bergig, oft kann man nur Schritttempo fahren. Ein Straßendorf gleicht dem anderen und es gibt keine Wegweiser oder Ortsschilder, das gibt es nur in Städten.  Die Menschen leben vom Reisanbau, vom Kautschuk Stechen oder arbeiten auf den Palmölplantagen, wenn sie nicht in örtlichen Dienstleistungen oder im Handel tätig sind. Der Ort besteht weitgehend aus einfachen Holzhäuser, er wird vielleicht 1000 Einwohner haben, ein Auto hat hier niemand, aber ein Einzylinder Honda Motorrad mit etwa 15 PS steht fast vor jedem Haus.

Mein Ansprechpartner ist hier Sr. Colette. Sie ist schon seit dreißig Jahre in Indonesien und hat auf der Station, ein stattliches Anwesen, alles im Griff. Meine Aufgabe ist die Zusammenarbeit mit dem Technischen Hausangestellten und Ambulanzfahrer Herrn Graessia. Ich habe auch Gelegenheit mit ihm mitzufahren, oder in die Polyklinik zu gehen und Sr. Colette bei ihrer Arbeit über die Schultern zu schauen.

Einen Patienten habe ich ganz besonders erlebt, weil sein Schicksal so gravierend ist. Marito, elf Jahre alt, dünn, ja fast unterernährt wurde zu Sr. Colette bewusstlos und mit 40° Fieber in die Klinik gebracht. Er war mit anderen Kindern auf dem Bolzplatz und hatte einen Unfall, den niemand schildern konnte oder wollte. Er hatte keine äußerlichen Verletzungen.

Weil Marito als mittellos bzw. arm eingestuft ist und somit kein Selbstzahler ist, hat er in Indonesien trotzdem Anspruch auf eine Mindestbehandlung. So organisierte Sr. Colette umgehend nach einer Erstbehandlung hier in ihrer Polyklinik eine Aufnahme in das nächstgelegene Krankenhaus, das ist Pandan, 95km weit und mehr als 3 Stunden zu fahren. Dort wurde ein CT durchgeführt und er war eine Woche auf Intensivstation. Diagnose: Es konnte nichts festgestellt werden. Hiermit sind die Leistungen vom Staat abgegolten, das  heißt, er ist sich jetzt selbst überlassen bzw. wird seinen Angehörigen übergeben.

Am nächsten Tag fuhren wir mit Marito zu einem Medizinmann. Ich würde ihn mal Chiropraktiker nennen. Er ist Spezialist für Wirbelsäule und Knochen, er hat hohes Ansehen in der Region. Sein Praxisraum ist ein großes, leeres Zimmer, in dem nur eine kleine Flasche mit Öl auf dem Boden steht. Mit Hilfe diesem Öl tastete er Marito auf dem Boden liegend von der Kopfhaut bis zu den Zehen ab und konnte keine Wirbel- oder Knochenverletzungen feststellen. Er sagte, Marito ist von einem Geist, der vom Meer kommt, besessen. Und verwies uns zu anderen Medizinmännern, um diesen Geist auszutreiben.

+++23. Juni 2014 - Margot Müller+++

An das Klima habe ich mich schnell gewöhnt, jedoch schwitzt man hier bereits beim Nichtstun. Auch die Indonesier finden es heiß, panas heißt es hier. Die Sprache lerne ich auch langsam; anfangs war es total schwierig mich zu verständigen. Hier spricht niemand so richtig deutsch. Oft verständige ich mich mit aneinander gereihten Wörtern. Aber das gibt hin und wieder Missverständnisse.

Da ich mit meinen Tätigkeiten, die ich in Deutschland verrichte hier nichts anfangen kann, arbeite ich im Garten oder schleife Stühle ab und lasiere sie. Brot habe ich hier auch schon gebacken. Roti gibt es auf unserer Station immer sonntags und an Feiertagen.

Nächste Woche ist Peter und Paul mit Kirchenpatrozinium. Dies wird hier sehr lebendig zelebriert und dauert bis zu drei Stunden.

Die WM könnte man hier auch verfolgen. Allerdings nur wenn Strom vorhanden ist und dann ist noch zu bedenken, dass die Uhren hier fünf Stunden später schlagen. Ich habe aber bisher noch kein Spiel angeschaut.

+++18. Juni Fortsetzung 2014 - Nadine Häusle+++

Ramadans Mutter war kürzlich erst an Tuberkulose gestorben. Er und seine jüngeren Geschwister leben jetzt bei der Familie der ältesten Schwester. Außer sein kleiner Bruder, mit 10 Jahren, fühlt sich keiner so richtig verantwortlich für ihn. Dieser kleine Junge wechselt auch an den Wochenenden die Verbände, eine ziemlich große Verantwortung für ein Kind.
Ramadan hat zwar einen Rollstuhl, aber in den nicht behindertengerechten Hütten ist auch das ein Problem.

Einige Tage später kam Watrimann aus der Reha wieder nach Tello zurück. Auch ein junger Mann, der die Warnungen und Verbote seiner Mutter, zu Tauchen, nicht beachtete. Auch er hat eine spastische Lähmung der Beine und die Reha war ziemlich erfolglos. Mit einem Gehbock versorgt kann er sich wenigstens einigermaßen in der Hütte bewegen.

Die Zukunftsaussichten sind für beide eher schlecht. Arbeiten und Geld verdienen wird keiner können und die Wahrscheinlichkeit zu heiraten und eine Familie zu gründen ist auch nicht gegeben.
Trotz der schlimmen Schicksale werden die jungen Männer weiterhin diesem gefährlichen Job nachgehen. Die Verlockung, gutes Geld zu verdienen ist einfach zu groß.

Bei mir bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit ...etwas Gutes angefangen zu haben, durch die Umstände nicht mehr weitermachen zu können und vor allem es nicht abschließen zu können...  Der besagte Tropfen auf den heißen Stein.

+++18. Juni 2014 - Nadine Häusle+++

hier kommt der nächste Bericht von der Insel Tello:

Das Tauchen, ohne die dafür benötigte Ausrüstung und die vielen damit zusammenhängenden Tauchunfälle, stellen hier in Indonesien ein großes Problem dar: junge Männer gehen oft nur mit einem langen Schlauch in die Tiefe und suchen nach Seegurken; einer angeblichen Delikatesse, die dann teuer nach Singapur verkauft wird.
Durch zu schnelles Auftauchen, aufgrund verschiedener Gefahren, z.B. Haie, wird das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt und Lähmungen sind die Folge.

Als ich hier in Indonesien ankam, erwartete mich bereits einer dieser Fälle. Ramadan, 27 Jahre alt, wurde erst kurz davor von einem Ärzteteam aus Neuseeland in seiner Hütte gefunden. 8 Monate lag er bereits unversorgt auf seinen sehr großen, tiefen Dekubitusstellen. Sein Zustand war nicht gut - lange hätte er wahrscheinlich nicht mehr gelebt. Auch Physiotherapie für seine gelähmten Beine hatte er bisher nicht bekommen. Das war nun meine Aufgabe. Eine nicht ganz leichte... In einer heißen Holzhütte, auf dem Boden, ohne Hilfsmittel und dann noch mit den vorhandenen Sprachproblemen, zu behandeln, war eine echte Herausforderung!
Langsam fasste er Vertrauen zu mir und die Therapie tat ihm trotz Schmerzen gut. Seit der Abreise des ausländischen Ärzteteams fahren Sr. Ingeborg und ich nun fast täglich zu ihm, versorgen und behandeln ihn. Die offenen Dekubitusstellen haben sich schon deutlich verkleinert. Auch eine nicht ganz leichte Aufgabe war, der Familie bewusst zu machen, wie wichtig es ist, die Wunden sauber zu halten und regelmäßig einen Lagewechsel vorzunehmen.

[...wie diese Geschichte weitergeht, erfahren Sie hier bald.]

+++10. Juni 2014 - Irmgard Schuhmacher-Hänle+++

Gerade wollte ich einen Bericht schreiben: schwupp ist der Strom schon wieder weg - "mati lampu" heißt es dann. Gestern gab's auch kein Wasser. Sich den Schweiß abspülen musste verschoben werden und Schweiß - das lieben die Moskitos.

Also nun bei Kerzenlicht: Ich bin im "rumah anak" (Kinderhaus) in Hiliweto/Nias tätig. Die Kinder hier sind wie alle Kinder; lebhaft, neugierig, lustig, schreiend, hungrig und ständig sind die Stoffwindeln voll.

Besonders berührt haben mich 2 Hausbesuche, zu denen ich die Schwestern begleiten durfte.
Wir haben nach einer Frau und ihrem 9 Monate alten Kind gesehen. Sie wurde als Waisenkind von ihrer Oma misshandelt und hat seither eine steife HWS. Weil ihr die Versorgung des Babys nicht zugetraut wurde, kam das Kind gegen ihren Willen ins "rumah anak". Nach dem Verlust der Mutter hat sich das Kind tagelang heißer geschrien. Die Schwestern regierten schnell und brachten das Baby wieder zu seiner Mutter zurück. Beim Hausbesuch erlebten wir ein gut versorgtes, zufriedenes, munteres Kind. Die Frau selber erschien mir sehr mager aber auch als glückliche Mutter. Das mitgebrachte Milchpulver und einen Sack Reis nahm sie mit dankbarer Geste an. Das Einkommen dieser Familie besteht aus dem was ihr blinder Mann auf den Märkten erbetteln kann.

Dann gings zu einem ehemaligen Kinderdorfmädchen, das jetzt wieder beim Vater und ihren "Saudara" (Geschwistern) lebt. Die Mutter ist bei der Geburt dieses Mädchens gestorben. Auf einem Fußpfad durch die Reisfelder gelangten wir zum Haus. Ein einfaches Holzhaus, 2 Zimmer, Küche mit offenem Feuer, kein Waschraum und kein Klo. Das kleine und große Geschäft wird hinter dem Haus bei den Schweinen erledigt. Das kostet Überwindung.
Die Freude über den Besuch ihrer ehemaligen Bezugspersonen war riesig. Das mitgebrachte Proviant schmeckte allen. Nach Zustimmung des Vaters durfte das Mädchen für ein paar Tage mit in ihre alte Heimat. Ganz schnell packte sie ihre wenigen Sachen zusammen. Ihre Augen strahlten vor Glück. Zum Dank bekamen wir eines der wenigen Hühner mit. Auf dem Rückweg bekam ich das an den Beinen zusammengebundene, stinkende Huhn in die Hand gedrückt, welches verzweifelt nach mir pickte.
Tage später kam das Huhn bei uns auf den Tisch.

+++5. Juni 2014 Fortsetzung - Nadine Häusle+++

...auf der zweiten Station, dem Dorf  Sifahuruasie, waren wir mit unserer mobilen Klinik im Haus des Lektors untergebracht. Ein Haus voller tuberkulosekranker, hustender Menschen.

Abends gab es noch Open- Air Kino, auf der vom Pastor mitgebrachten Leinwand. Auch wurde extra für uns ein Schwein geschlachtet, und inklusive Haut und Schwarte serviert. Ich bevorzugte dann doch lieber nur den trockenen Reis zu essen.
Wegen der Infektionsgefahr immer ein flaues Gefühl im Magen, verbrachte ich eine unruhige Nacht, und dieses mal mussten wir auch auf dem Boden schlafen.

Für den Sonntag Morgen war eigentlich eine Trauung vorgesehen. Den Bräutigam brachten wir dafür extra von der anderen Insel mit.
Von den Eltern der Braut fehlte aber noch die Erlaubnis, da das traditionelle "Adat-Fest", normalerweise immer vor der kirchlichen Trauung stattfindet, und dieses aber erst ein paar Tage später geplant war. Nach langem hin und her und vielen Diskussionen brachten wir dann denn Bräutigam unvollrichteter Dinge wieder zurück auf seine Insel... zur Strafe soll die kirchliche Trauung nun erst ein Jahr später stattfinden.
Mit Ärger und Unverständnis über den Stellenwert von Tradition und Religion traten wir dann die Heimreise an.

Wirklich erleichtert und trotzdem dankbar für die vielen Eindrücke und Erfahrungen, kam ich wieder zurück in mein momentanes "Zuhause" ...Tello...

+++5. Juni 2014 - Nadine Häusle+++

Gerade kommen wir zurück von 3 Tagen Stationsbesuch. Das heißt: medizinische und seelsorgerische Versorgung von Menschen auf abgelegenen Inseln.

Ein klein wenig Bauchweh hat mir diese Tournee im Voraus schon bereitet, da Übernachtungsmöglichkeit und das Vorhandensein von Toilette und Dusche immer unklar ist...
Mit Axolus, unserem kleinen Boot, haben wir uns also auf den Weg gemacht. "Makole" hieß die erste Insel, da das eigentliche Ziel, wegen zu großer Wellen nicht anzufahren war.
Ein paar Inselbewohner, vor allem Kinder haben uns am Strand empfangen, um die Kisten mit Medikamenten ins Dorf zu schaffen.
Kaum servierte uns die Familie, die uns ihr Wohnzimmer als Untersuchungszimmer zur Verfügung stellte, Kaffee, strömten auch schon die ersten Dorfbewohner ein. Viele Kranke, aber auch einige nur zur Unterhaltung. Nach der Reihe kamen nun kranke Kinder, fast alle haben Fieber und Husten. Viele Patienten mit Magen- und Kopfschmerzen - was aber auch kein Wunder ist bei dem Kaffeekonsum; Wasser trinken sie so gut wie nicht! Ein paar entzündete Wunden und verstopfte Ohren waren auch zu behandeln. In drei Stunden liefen etwa 40 Patienten durch. Zu guter Letzt hieß es, im Haus gegenüber sei noch eine sterbende Frau. Als wir ins Haus kamen, erwartete uns eine ganze Menge von Leuten, die um eine 25 Jahre junge Frau herumsaßen um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Schwer atmend und nur noch aus Haut und Knochen, blickten mich zwei große braune Augen an. Da musste ich schon kurz schlucken.
Nach einer kurzen Untersuchung entschieden Sr. Ingeborg und ich, ihr wenigstens zur Erleichterung noch eine Infusion zu geben. Dann half nur noch beten, dass sie bald von ihrem Leiden erlöst wird. Als vier Stunden später dann die Erlösung kam, wurde die Frau auf bunten Tüchern, schön geschminkt und frisiert, auf dem Totenbett gebettet. Die ganze Nacht sowie am folgenden Tag waren viele Dorfbewohner im Haus versammelt, spielten Karten und hielten Totenwache.
Zum Schlafen überließ uns die Familie das Ehebett. Auch die dortige Badekammer durften wir mit benutzen. Mit dem Klogang erwies es sich allerdings etwas schwieriger... Toiletten gibt es dort nicht. Das kleine Geschäft kann man in der Badekammer machen, das große im Wald, und da lauern schon grunzende Schweine auf die Hinterlassenschaft... oh mein Gott!! Ja, der liebe Gott war in diesen Tagen sehr oft mein Gesprächspartner...

Bevor es am Morgen weiter auf die nächste Insel ging, hielt unser Pastor noch einen Gottesdienst und taufte ein Kind.

+++27. Mai 2014 - Theo Böhringer und Nadine Häusle+++

Theo kam erst nach 13 Stunden Autofahrt in Sibolga an und erst am nächsten Tag ging es weiter nach Tumbajai. Er ist dort Hausmeister und begleitet Sr. Colette, z. Bsp. zu Geistheiler und Medizinmänner.

Nadine hat auf Tello wohl den schönsten Einsatzort, was die Aussicht angeht. Sie berichtet uns von einem jungen Mann, der seit einem Tauchunfall gelähmt ist und schlimme Dekubiten hat; Löcher in Rücken und Oberschenkel. Sie behandelt ihn physiotherapeutisch. Sie hat einen wunderschönen Gebetsplatz draussen mit Blick zum Meer.

Die Indonesiengruppe ist über Whatsapp verbunden - so ist keiner richtig alleine. Sofern Strom vorhanden können wir uns verständigen.

+++25. Mai 2014 - Irmgard Schuhmacher-Hänle+++

Im Kinderdorf in Hiliweto ist immer etwas los. Die Schulkinder hatten diese Woche frei, so konnte ich während des Tages immer wieder, was meine Sprachkenntnisse hergaben, mit den Kindern in Kontakt kommen. Sie sind sehr offen, neugierig und hilfsbereit. Es gibt hier 4 Kinderhäuser mit jeweils 10-12 Kindern unterschiedlichen Alters, die wie in Familien leben. Die Kinder müssen schon viel Verantwortung übernehmen, dadurch sind sie sehr selbständig. Es gibt noch ein Bubenasrama mit ca. 15 Jungs ab 13 bis 18, die ihren Haushalt grösstenteils selber regeln. Da würden unsere Kinder in Deutschland grosse Augen machen. Im Babyhaus sind derzeit 15 Babies und Kleinkinder bis ca. 16 Monate. Sie werden dort unter Sr. Hildegards und Sr. Henrikas Anleitung optimal versorgt. Ein Zwillingspärchen mit 2 Wochen (1500 und 2000 Gramm) sind die Jüngsten. Füttern, wickeln, baden, spielen und aufräumen sind meine derzeitigen Aufgaben. Die Gebetszeiten sind hier wie bei Margot. Die Kinder singen dabei aus voller Kehle mit und können alle Lieder auswendig. Überhaupt singen die Menschen hier sehr gerne und haben super Stimmen. Es gibt eben sonst nicht so viel Abwechslung.

Auf Wunsch der Schwestern sollen Margot und ich nicht alleine unterwegs sein. Wir sind hier fast die einzigen Europäer.

+++23. Mai 2014 - Margot Müller+++

Auf Nias schlug uns tropische Luft entgegen. Sr. Hildegard und Sr. Anna erwarteten uns schon. Wir fuhren nach Hiliweto. Dort bekamen wir Mittagessen bei den Schwestern sowie anschliessend eine Führung durch das Kinderdorf.

Dann ging es weiter nach Tetehoesi, da verabschiedete ich mich von Nadine und Irmgard... traurig. Sie fuhren zurück und ich wurde von Sr. Damiana in die Poliklinik und Entbindungsstation eingewiesen.

Ausserdem darf ich mit Sr. Florentina morgens mit in den Kindergarten. Dort sind 75 Kinder in 3 Gruppen untergebracht. Es wird viel gesungen und getanzt. Sie lernen schon die Buchstaben und Ziffern. Meistens ist der Kindergarten schon um 11:00 Uhr aus. Nachdem wir aufgeräumt und geputzt haben, darf ich nach Hause. Die Mittagspause geht bis 14:30 Uhr. Ab 14:30 Uhr bis 17:00 Uhr bin ich dann in der Poliklinik.
Einer Geburt durfte ich auch schon zuschauen.

Die Gebetszeiten sind morgens um 6:00 Uhr und abends um 18:00 Uhr. Zusätzlich gibt es 3 mal die Woche nebenan einen Gottesdienst in der Kirche.

+++19. Mai 2014 - Ankunft+++

Nachdem wir herzlich am Bahnhof in Ulm verabschiedet wurden, fuhren wir frohgelaunt nach Frankfurt. Einchecken war easy und wir hatten genügend Zeit.
Abflug war pünktlich um 22:00 Uhr, Ankunft in Singapur 16:00 Uhr Ortszeit. Die Singapur Airline ist super gut.

In Singapur begann das Asienabenteuer.

Um 18:30 Uhr ging es weiter nach Medan. Ankunft in Medan 19:30 Uhr. Sr. Evelyn und Sr. Alexia holten uns am Flughafen ab. Sie hatten 2 große Autos, eine Nachbarin und einen Fahrer dabei. Voll luxuriös.
Bei Sr. Evelyn wurden wir gut untergebracht; ein Mädchenzimmer und ein Zimmer für Theo.

Montag Morgen ging Sr. Evelyn mit uns SIM-Karten kaufen, wir waren gut umsorgt. Auch und vor allem sprachlich!
Mittags sind wir mit Sr. Evelyn und ihrer Nachbarin fein essen gegangen und sie zeigten uns die Stadt, z. B. einen buddhistischen Tempel.
Abends besprachen wir mit Sr. Evelyn den weiteren Ablauf.

Am Dienstag, den 20.05., nachdem wir uns von Theo verabschieden mussten, fuhren wir frühmorgens mit dem Taxi zum Flughafen. Da war das Einchecken probelmatischer, vor allem wegen des Übergepäcks: 1 Kilo mehr als die erlaubten 10 Kilo kostet 22.000 Rp. Nach langer langer langer Zeit ging es dann los.

+++Am 17. Mai 2014 geht's los+++

Margot Müller, Irmgard Schuhmacher-Hänle, Theodor Böhringer und Nadine Häusle (von links nach rechts) werden für 8 Wochen nach Indonesien entsendet.


Am 17.05. geht es los. Alle vier fliegen gemeinsam. In Medan trennen sich dann die Wege. Der Einsatzort von Theodor Böhringer wird Tumba Jae/Sumatra sein. Nadine Häusle wird auf der Insel Tello beschäftigt sein. Margot Müller (Tetehösi) und Irmgard Schuhmacher-Hänle (Hiliweto) werden beide auf der Insel Nias leben

 

Aktuell

24.03.2017 – Wohnpark am Schloss, Bad Waldsee
24.03.2017 – Wohnheim St. Antonius, Laupheim
22.03.2017 – SES Dienstleistungen & Markt Ulm
15.03.2017 – Heggbacher Werkstattverbund
13.03.2017 – Wohnpark am Schloss, Bad Waldsee