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17.05.2017
Kinder-Jugend-Familie

Projekt Geschwisterzeit feiert Zehnjähriges

MECKENBEUREN-LIEBENAU – In diesem Jahr feiert die Geschwisterzeit, ein pädagogisches Angebot für Geschwister von Kindern mit Behinderung oder schwerer Erkrankung, ihr zehnjähriges Bestehen.


Die „Geschwisterzeit“ feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen: Initiator Christoph Gräf (links) von der Stiftung Liebenau freut sich zusammen mit den pädagogischen Fachkräften Sybille Wölfle (rechts) und Jörn Klopfer über die Schirmherrschaft von Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung.

Als Schirmherrin des alle zwei Jahre stattfindenden „Tags für besondere Familien“ im Ravensburger Spieleland freut sich Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, dass das gemeinsame Angebot von Stiftung Liebenau, St. Jakobus Behindertenhilfe, St. Elisabeth-Stiftung und Malteser Hilfsdienst von rund 80 Familien regelmäßig genutzt wird.

 

Kinder mit einem Bruder oder einer Schwester mit Behinderung entwickeln schon früh ein hohes Maß an Rücksichtnahme, sie tragen Verantwortung und entwickeln Fürsorge. Gleichzeitig fühlen sie sich dabei aber nicht selten überfordert, haben Schuldgefühle, sind traurig oder auch mal wütend. „Die Geschwister tragen im Alltag dieser besonderen Familien vieles mit und stehen selbst nicht im Vordergrund“, weiß Christoph Gräf, der die Geschwisterzeit vor zehn Jahren initiiert hat. Hier soll das Angebot einen Ausgleich schaffen. Die Geschwisterzeit wolle Zeit und Aufmerksamkeit schenken, die den Eltern im Alltag aus verständlichen Gründen oft fehle. „In diesem Sinne freut uns besonders, dass sich Verena Bentele als Schirmherrin für die Geschwisterzeit und ihre Träger Zeit nimmt“, so Gräf.

 

Austausch über die Aktion

Die von Geburt an blinde Verena Bentele ist im Argental selbst in einer Familie mit einem sehenden und einem ebenfalls blinden Bruder aufgewachsen. Sie kennt die besonderen Herausforderungen aus erster Hand. „Wenn wir drei aufs Dach geklettert sind, war erst mal mein sehender Bruder verantwortlich“, erinnert sich Bentele. An der Geschwisterzeit schätze sie vor allem, dass die Kinder und Jugendlichen mit Gleichaltrigen mit ähnlichen Erfahrungen ins Gespräch kommen und sich bei gemeinsamen Unternehmungen entspannt austauschen können. „Das wäre für meinen sehenden Bruder bestimmt auch schön gewesen.“

 

Normal, voneinander zu lernen

Als Schirmherrin des alle zwei Jahre stattfindenden „Tags für besondere Familien“ im Ravensburger Spieleland - in diesem Jahr fällt er auf den 24. September – begrüßt Bentele, dass Einschränkungen einmal nicht im Vordergrund stehen, sondern dass es darum geht, gemeinsam Spaß zu haben. Rund 250 Familien aus ganz Süddeutschland kommen an diesem Tag bei freiem Eintritt ins Spieleland. Als Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung weiß sie, wie hoch die Hürden für betroffene Familien häufig gesteckt sind. „Der Familientag bietet genau die Art von Inklusion, wie wir sie uns vorstellen. An diesem Tag ist es normal, voneinander zu lernen und gemeinsam Dinge zu erleben.“

 

Geschwister im Mittelpunkt

Ganzjährig gibt das kreative und erlebnispädagogische Angebot der Geschwisterzeit den Kindern einen Raum und rückt sie selbst mit all ihren Stärken und Schwächen in den Mittelpunkt. „Hier können sie sich mit anderen betroffenen Kindern austauschen, offen über ihre Gefühle sprechen, eigene Stärken entdecken und Selbstbewusstsein aufbauen“, erläutert Sibylle Wölfle, die zusammen mit Jörn Klopfer für das pädagogische Angebot verantwortlich ist. Zu den Aktivitäten der vergangenen zehn Jahre gehören zum Beispiel Kanutouren mit Lagerfeuer, ein Tag im Theater Ravensburg, Kino- und Spielenacht, ein Entdeckertag mit Spurenlesen, Bastelaktionen und ein Hüttenwochenende.

 

Info:

Die Teilnahme an der „Geschwisterzeit“ ist für die Geschwisterkinder kostenlos. Das pädagogische Angebot finanziert sich ausschließlich durch Spenden, eine Finanzierung durch die öffentliche Hand ist nicht gegeben. Spendenkonto: Stiftung Liebenau, Sparkasse Bodensee, IBAN: DE35 6905 0001 0020 9944 71, BIC: SOLADES1KNZ, Verwendungszweck: Geschwisterzeit.