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27.09.2022

Höhrge(h)nuss vom Feinsten am vergangenen Samstag in Heggbach

HEGGBACH - Gehen und genießen: An sieben Stationen rund um die Heggbacher Kirche waren Musik, Theaterszenen und Illustrationen hautnah zu erleben.

Musikalisch verabschiedete der Kammerchor Tritonus die Besucherinnen und Besucher des Höhrge(h)nuss im Heggbacher Festsaal der St. Elisabeth-Stiftung. Foto: St. Elisabeth-Stiftung

„Ich spiele jetzt mal ultraleise“, erklärte Saxophonist Christian Segmehl den dutzend Lauschenden, die auf ihrem Rundgang in den Kreuzgang der St. Georg Kirche gekommen waren. „Und jetzt schicke ich den Ton ganz weit“. Nach der kurzen Einführung über Amplituden und Dynamik erklang im alten Gemäuer der zweite Satz einer Flötensonate von Johann Sebastian Bach. Faszinierend.

Eine Suite von Bach erklang in einer überdachten Nische an der Betonwand des Heggbacher Begegnungszentrums unweit der blauen Papiertonnen. Das tat dem innigen Spiel des renommierten Cellisten Klaus Kämper aus München keinen Abbruch. Musiker und Instrument blieben trocken, während die Zuhörenden dem leichten Nieselregen unter bunten Regenschirmen trotzten. Auf die Frage, warum er hier in Heggbach auftrete, lächelte er: „Ich finde das einfach eine sehr gute Idee“. Sehr spannend, war es für die Besucher an diesem Samstagnachmittag, hochkarätige Musiker und Musikerinnen so nah erleben zu können.

Ein paar Schritte weiter unter der Arkade wartete Julia Ginsbach, eine bekannte Kinderbuch-Illustratorin, zwischen Staffelei und Gitarre auf Kultur-Spaziergänger und Rollstuhlfahrer. „Haben Sie ein Lieblingstier?“, fragte sie in die Runde. Mit schnellem Kreidestrich skizzierte sie Pferd und Bär, Protagonisten ihrer Stegreifgeschichte. Den ebenfalls genannten Fuchs griff sie im bekannten Kinderlied auf und animierte zum Mitsingen.

Einem Bären war man zuvor schon auf der überdachten Terrasse hinter Haus Georg begegnet. Der „Ährenbär“ und „Kornröschen“ hatten sich dort in Versform über historische Getreidesorten ausgelassen, ehe „Futura“ mit ihrem Korn aus dem Labor aufgetaucht war und Kabarettist Franz Baur das „Ährenbrausen zwischen Heggbach und Ochsenhausen“ in Reime gefasst hatte. Beifall für das OXI-Korn Theater!

Leiser ging es zu beim Vortrag einer Sonate des spätbarocken Komponisten Antonio Caldara, präsentiert von der Ochsenhauser Flötistin Kerstin Högerle und dem Gitarristen Stefan Eggers. 

Ein sehr ambitioniertes Programm bot der aus Ansbach stammende Schlagzeuger und Produzent Torsten Krill auf der Bühne des Festsaals. Freunde des Modern Jazz waren begeistert, für Viele dürften die ungewohnten, überraschenden Töne und Rhythmen eine ganz neue Hörerfahrung gewesen sein.

Auch der Kammerchor Tritonus unter Klaus Brecht aus Ochsenhausen setzte auf ungewohnte Elemente. Bekannte Titel wie Ubi caritas, Da wo sich Himmel und Erde berühren oder Heilig, heilig, heilig kamen in der St. Georg Kirche in erfrischend neuem Gewand daher. Viel zu schnell mussten die Zuhörenden der nächsten Besuchergruppe Platz machen.

Nach zweieinhalb prall gefüllten Stunden trafen sich alle im Festsaal zum gemeinsamen Abschluss. Kaum war Schön, dass ihr da wart verklungen, gab es auf dem Marktplatz einen Ausklang mit Sektempfang. Klaus Brecht, ehemaliger Dozent für Chorleitung an der Landesakademie in Ochsenhausen, hatte sein großes Netzwerk genutzt, um all diese hochkarätigen Kunstschaffenden nach Heggbach zum Hörge(h)nuss zu locken. Er organisierte diesen Event mit Dr. Peter Bette, dem Koordinator für Kulturveranstaltungen der St. Elisabeth-Stiftung. Beide freuten sich ganz besonders, dass von den fast 200 Besuchenden und Teilnehmenden mehr als 70 von Wohngruppen der St. Elisabeth-Stiftung gekommen waren.