Kirche vollbesetzt: Freiheit damals und heute
HEGGBACH - In der voll besetzten Klosterkirche St. Georg führte die Dollinger Realschule mit ihren Kooperationspartnern am 25. Mai letztmals ihr umjubeltes Theater „Für die Freiheit 1525 – 2025“ auf. Am historischen Ort, den vor 500 Jahren aufgebrachte Bauern des Baltringer Haufens gestürmt hatten.

Bildunterschrift: Bauern stehen ein für ihre Rechte Foto: Andrea Reck/St. Elisabeth-Stiftung
Rund 120 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte samt Schulorchester und Fanfarenzug ließen die Ereignisse des Bauernkrieges höchst lebendig werden. Besonders bemerkenswert war: Sie knüpften geschickt Verbindungen zu späteren Freiheitsbewegungen bis zur Proklamation der UN-Menschenrechte. Am Heiligabend des Jahres 1524 waren, was ein Weihnachtsbaum vor dem Altar veranschaulichte, in einem Baltringer Wirtshaus Bauern zusammengekommen, um über ihre elende Lage zu beraten. Sie gaben damit den Anstoß zu einer der bedeutendsten Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte. „Das einzige Mal, dass in Oberschwaben Weltgeschichte geschrieben wurde“, zitierte Schulleiter Marcus Pfab seinen Kollegen Dieter Maucher, Autor des Stückes Initiator und Regisseur der Aufführung.
Mit einer Bauernhochzeit nach den Gesetzen des herrschenden Adels begann das Stück, gefolgt vom Begräbnis eines leibeigenen Bauern. Nach der damals üblichen Totfallabgabe war die Witwe mit ihren Kindern in Armut gestürzt worden. In drei Spielebenen agierte der Schwäbische Bund, kommentierten neuzeitliche „Narratores“, angekündigt durch die Tagesschau-Fanfare, das Geschehen. Dazu mischten sich Demonstrierende mit modernen Plakaten unter den Baltringer Haufen. Die Darstellenden und Musizierenden waren bei dem über zweistündigen Spektakel in der ganzen Kirche verteilt. Sie zeigten, wie sich im März 1525 die Abgesandten der oberschwäbischen Bauern in der Memminger Kramerzunftstube versammelten und die „Zwölf Artikel“ formulierten, die wichtigste Schrift des Bauernkriegs. Immer wieder trat Ulrich Schmied von Sulmingen, Anführer des Baltringer Haufens, in Aktion, kam die Äbtissin des Klosters Heggbach zu Wort oder marschierte der Heerführer des Schwäbischen Bundes Truchsess Georg von Waldburg in glänzendem Harnisch durch die Szene.
Großartige Kostüme, ergreifende Musik und engagierte Spielerinnen und Spieler machten das von der Aktion Mensch unterstützte Theaterevent zu einem berührenden Erlebnis. Immer wieder sangen die Gäste mit, etwa bei „Wind of Change“ von den Scorpions, und intonierten am Ende gemeinsam die „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller.
