Schließen Menü
22.08.2017
Wohnheim St. Antonius, Laupheim

„Es ist viel entstanden in den letzten 30 Jahren“

LAUPHEIM – Viel hat sich verändert, seit die ersten Bewohner im Jahr 1987 ins Haus Antonius eingezogen sind.

Nach Feierabend auf dem Weg ins Haus Antonius (von links): Josefa Zell, Mitarbeiterin Simone Wolf, Petra Schmid, Luitgard Aumann, Holger Walcher, Andrea Strobl (im Hintergrund), Mitarbeiter Harry Hochdorfer und Marina Knäbl (im Hintergrund).

Viel hat sich verändert, seit die ersten Bewohner im Jahr 1987 in das damals mitten in einem Neubaugebiet gelegene Haus Antonius eingezogen sind, das zum Heggbacher Wohnverbund der St. Elisabeth-Stiftung gehört. Die selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist für Menschen mit Behinderungen selbstverständlicher geworden.

 

Heimkommen nach einem erfüllten Arbeitstag. Der Bus hält nur wenige Meter vom Haus Antonius im Wernher-von-Braun-Weg entfernt. Ein erstes „Hallo“ gilt Bereichsleitung Sonja Gaißmaier und Abteilungsleitung Carmen Lang im Büro im Eingangsbereich. Gut gelaunt, mitteilsam, übersprudelnd, zurückhaltend, in sich gekehrt. Schon in diesen ersten Minuten wird deutlich, dass jeder der Bewohner eine eigene Persönlichkeit ist. 30 Erwachsene von Anfang 20 bis Mitte 70 mit unterschiedlich ausgeprägten geistigen Behinderungen und teilweise körperlichen Einschränkungen leben in den drei Wohngemeinschaften im Haus Antonius.

Wenig später geht es in der Wohngemeinschaft Birgitta rund. Es wird geredet und gelacht, die einen laufen geschäftig hin und her, andere sitzen entspannt mit einer Tasse Kaffee am Tisch. Großfamilienatmosphäre. Das Fotobuch vom gemeinsamen Urlaub in Füssen macht die Runde. „Griechischer Wein“ erklingt, Marina Knäbel zeigt aufgeregt, was sie auf dem Keyboard kann. Astrid Baumann hat Küchendienst und sprüht vor Tatendrang. Mit Praktikantin Laura Thiem zerkleinert sie Gemüse für die Suppe, die heute auf dem Plan fürs Abendessen steht.

Laura möchte Soziale Arbeit studieren und hat schon mehrere Praktika hinter sich. „Hier gefällt es mir am besten“, sagt sie. „Es ist anstrengend und gewöhnungsbedürftig, aber man bekommt so viel Liebe zurück. Und es ist ein tolles Team.“ Viele der Mitarbeitenden sind schon lange hier. Und für etliche der Bewohner ist das Haus Antonius seit 30 Jahren ihr Zuhause. Seit drei Jahren gibt es einen Seniorentreff im Haus, wo eigene Bewohner, die nicht mehr arbeiten, und Senioren mit Behinderungen aus dem Marianna-Bloching-Haus in Ehingen eine Tagesstruktur bekommen.

Damals, als das Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen bei manch einem Bauherrn in der Nachbarschaft für Irritation gesorgt hat, war das Haus Antonius ein echtes Novum. Standard war die Unterbringung in Heimen. „Heggbach war eine der ersten Einrichtungen, die dezentralisiert hat. Das war sehr innovativ“, sagt Sonja Gaißmaier. „Später sind noch offenere Wohnformen dazu gekommen. Wir schauen auch immer, ob es für den Einzelnen nicht eine noch bessere, noch passendere Möglichkeit gibt.“

Geändert habe sich dadurch im Laufe der Jahre der Personenkreis. „Früher waren unsere Bewohner sehr viel selbstständiger, heute kommen Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf zu uns.“ Gleichwohl werden die Bewohner viel mehr einbezogen als früher, werden nach ihren Wünschen gefragt und können sich nicht nur als Gemeinschaft, sondern ganz individuell orientieren. Sonja Gaißmaier und Carmen Lang freuen sich, dass im Laufe der Jahre „hier im Wohngebiet und in Laupheim so viel entstanden ist“: u.a. eine Gruppe für Menschen mit geistiger Behinderung beim Turn- und Sportverein, ein von einer Kunsttherapeutin ehrenamtlich geleiteten Mal-Treff im Haus Antonius, gute Kontakte zur Kolpingfamilie und zum DRK Ortsverein und eine fruchtbare Kooperation mit der Volkshochschule. Längst sind die Bewohner in der Nachbarschaft integriert und in den Geschäften bekannt, sie pflegen persönliche Kontakte und sind selbstverständlicher Teil der Gemeinde.