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11.09.2017
Pflegeheim Laupheim

„Das ist mein allererster Urlaub“

LAUPHEIM - Ein Förderverein mit engagierten Ehrenamtlichen ermöglicht Bewohnerinnen und Bewohnern des Laupheimer Pflegeheims schöne Tage am Bodensee.

Am schönen Bodensee verbrachte eine Reisegruppe des Pflegeheims Laupheim der St. Elisabeth-Stiftung einige herrliche Urlaubstage. Foto: Andrea Reck/St. Elisabeth-Stiftung

Auf die Frage, ob ihr der Aufenthalt in Deggenhausertal gefällt, lächelt Hedwig Grezinger (90): „ Ja, das ist ein schöner Urlaub. Vor allem, wenn man noch nie fort war“. Wie, in ganzen Leben war sie noch nie auf einer Urlaubsreise? Die ehemalige Näherin, die mit drei Bewohnerinnen und einem Bewohner des Laupheimer Pflegeheims der St. Elisabeth-Stiftung von Samstag bis Donnerstag in der Nähe von Ravensburg erstmals Urlaub genießt, freut sich sichtlich, hier zu sein. Bescheiden ergänzt sie: „Wir könnten ruhig noch einen Tag dranhängen“. Am ersten Tag waren die Laupheimer mit fünf ehrenamtlichen Betreuern und zwei Fachpflegekräften bereits auf dem Höchsten. So heißt die mit 837 Metern höchste Erhebung Oberschwabens ganz in der Nähe der barrierefreien Unterkunft. Im Gartenrestaurant auf dem Gipfel aß man zu Mittag bevor man die großzügige Ferienwohnung im ersten Stock bezog.

Rudolf Hartmann und Oskar Friede, die beiden Vorsitzenden des rührigen Fördervereins, sowie Maria Brack und Monika Meßmer ebenfalls vom Vorstand sind seit 2011 dabei. Dieses Jahr haben sie bereits im Mai sechs Personen aus dem Pflegeheim einen sechstägigen Urlaub in Bad Wörishofen ermöglicht. Wer sich den Urlaub finanziell nicht leisten kann, wird vom Förderverein unterstützt. Die Ehrenamtlichen kommen für ihre Kosten selbst auf.

Die beiden stets gut gelaunten Männer sind verantwortlich für das Frühstück und das Tagesprogramm. Und je nach Aktivität bereitet Caecilia Menhard vom Förderverein entweder ein Mittagessen oder ein Abendessen zu. Heute war man nach einem Spaziergang mit den Rollstühlen in den Weinbergen von Hegne mit Blick auf den Bodensee in einem Lokal. Josef Scherer (91) bestellte sich einen Zwiebelrostbraten mit Spätzle. Aber auch mit dem Essen in der Ferienwohnung ist er sehr zufrieden: „Es schmeckt wie dahoim“, lobt er. Am Tag zuvor konnten die Ausflügler beim Spaziergang in Langenargen den Blick über den See bis zum Säntis schweifen lassen.

Die beiden Fachpflegekräfte Hubert Pfender und Angela Aman freuen sich, dass es den Urlaubern so gut gefällt, geben aber zu: “Es ist schon anstrengend, weil man ja auch nachts schauen muss“. Nicht nur nachts auch tagsüber muss alles gut organisiert werden. Schon bis alle Rollstühle im Spezialfahrzeug verzurrt sind, fließt bei dem schönen Wetter mancher Schweißtropfen. Wichtig ist natürlich die Auswahl der Ziele, damit man nicht etwa durch Treppen ausgebremst wird.

Überlingen oder die Pfahlbauten bei Unteruhldingen stehen noch auf der Wunschliste, aber am meisten freuen sich die Damen auf den Abschlusstag auf der Insel Mainau. Die jüngste Teilnehmerin ist mit 83 Jahren Wilma Sulz. Rudolf Hartmann erinnert sich an einen fast Hunderteinjährigen, der im letzten Jahr dabei sein durfte. Für ihn war es der erste und letzte Urlaub, weniger Monate später starb er.

Von Müdigkeit ist in der diesjährigen Runde wenig zu spüren. Vor dem Abendessen ist noch ein Besuch im hauseigenen Hallenbad angesagt. Vielleicht wird die Gruppe danach nicht wie am Abend zuvor noch lange zusammensitzen. Es sei denn, Hubert Pfender holt sein Akkordeon heraus. Singen gehört nämlich auch zum Urlaubsprogramm …