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07.08.2019
Schule St. Franziskus, Ingerkingen

Bernhard Buck geht in Ruhestand

INGERKINGEN - Nach einem erfüllten Berufsleben, in dem ihm die Schule St. Franziskus zur zweiten Heimat geworden ist, verabschiedet sich Schulleiter Bernhard Buck in den Ruhestand. 34 Jahre hat er an der katholischen freien Ganztagsschule für Kinder und Jugendliche mit geistigen und mehrfachen Behinderungen unterrichtet.

24 Jahre davon war der 63-jährige Schulleiter. „Mein Lebensplan war eigentlich ein ganz anderer“, sagt Buck. Aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof in Ertingen - mit sieben Geschwistern, einem Pferd und ei-nem Hund. Seine ganze Leidenschaft gilt dem Sport: Fußball, Tennis, Leichtathletik. „Für den Profifußball hat es aber leider nicht ganz gereicht“, erinnert sich der Schulleiter. Also beschließt er, Sportlehrer zu werden. Er studiert an der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen, wird Grund- und Hauptschullehrer mit den Fächern Sport und Mathematik. Als Referendar in Mengen beschleichen ihn erste Zweifel: Viele Schüler sind unmotiviert, gleichgültig oder stören sogar den Unterricht. „Und das jetzt bis 65?“ Für Buck keine schönen Aussichten.

Trotzdem sucht er nach dem Referendariat eine Lehrerstelle – findet aber nur eine unattraktive Krankheitsvertretungsstelle. Es ist 1983, die Zeit der Lehrerschwemme. Buck beschließt, umzusatteln: Er will in die Schweiz gehen, nach Interlaken, dort Tennislehrer werden. Aber diese Rechnung hat er ohne seine Freundin und spätere Frau gemacht: „Die war total dagegen“, erinnert sich Buck. Die Freundin kennt Verwandte in Ingerkingen, hat von der Schule dort gehört, erkundigt sich. Tat-sächlich, in Ingerkingen werden Lehrer gesucht. Buck geht zum Vorstellungsgespräch. Aber er sträubt sich. Er glaubt, er kann das nicht: mit behinderten Kindern arbeiten.

Heimleiterin Schwester Ulrike sieht das anders: „Herr Buck, das machen Sie, das können Sie.“ Er wird sofort eingestellt. „Ich hatte keine Chance“, erinnert sich Buck mit einem Augenzwinkern. Und es macht ihm so viel Spaß, dass er ein Jahr später noch das Aufbaustudium Sonderpädagogik dranhängt. 1986 wird er wieder eingestellt in Ingerkingen. Sechs Jahre später ist Buck Konrektor, weitere drei Jahre später Schulleiter. „Und jetzt bin ich immer noch hier“, sagt der 63-jährige und lacht. Humor ist sein Markenzeichen.

„Eigentlich wollte ich nie Schulleiter sein“, gibt Buck zu. „Ich war viel lieber Lehrer.“ Aber es sei eben so gekommen. Und als Schulleiter habe er viel bewegen können. Einer seiner größten Erfolge ist der Neubau der Schule: In diesem Jahr ist das Gebäude fertig geworden, mit sieben Klassenzimmern, Therapieräumen, Schulverwaltung und Mensa. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler ist in Bucks Zeit als Schulleiter von 60 auf 125 angestiegen, die Zahl der Lehrkräfte von 22 auf 59. Stolz ist der 63-jährige auch darauf, dass seine Nachfolge geregelt ist: Konrektor Thomas Kehm übernimmt die Leitung. Die beiden haben sich in Bucks erstem Jahr an der Schule kennengelernt: Kehm hat damals in Ingerkingen Zivildienst geleistet.

Neubau fertig, Nachfolge geregelt: das Haus ist bestellt. „Der ideale Zeitpunkt, um in den Ruhestand zu gehen“, findet Buck. Regulär hätte seine Rentenzeit erst im kommenden Jahr begonnen. „Ich habe ein tolles Berufsleben gehabt“, sagt der 63-jährige. „Mit sehr vielen sehr emotionalen Augenblicken, die ich nicht missen möchte.“ Die Arbeit mit geistig und körperlich behinderten Kindern sei eine solche Freude – Buck wünscht jedem, dass er diese Erfahrung machen kann. Die Schülerinnen und Schüler in Ingerkingen seien viel offener, viel herzlicher, viel ehrlicher und viel dankbarer als die meisten anderen Kinder und Jugendlichen.

Dass er die Schule und das tolle Miteinander am Standort Ingerkingen vermissen wird, ist für Buck völlig klar: „Das pulsierende Schulleben, die Wertschätzung von Schülern, Eltern, Mitarbeitern bis hin zur Geschäftsführung und dem Vorstand - das wird mir fehlen.“ Andererseits freut der 63-jährige sich darauf, endlich mehr Zeit zum Entspannen zu haben. „Bisher habe ich alle Ehrenämter abgewehrt“, berichtet er lachend. „Der Plan ist, keinen Plan zu haben – aber tausend Ideen.“ Dazu zählt: viel Reisen, Sport treiben, Natur, Garten, vielleicht einen Hund.

Konkrete Pläne gibt es, zumindest für die erste Zeit, aber doch: Buck freut sich da-rauf, die vielen Gutscheine „abzuarbeiten“, die er bei seiner Abschiedsfeier in der Schule bekommen hat. Zum Beispiel darf er einen Schnupperkurs im Segeln machen, die Bundesgartenschau in Heilbronn besuchen und zwei Tage auf der Insel Mainau bei den Gärtnern mitarbeiten, um sich Anregungen für den eigenen Garten zu holen.