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02.08.2024

Aufwendige Kontrollen gefährden Pflegealltag

FRONREUTE-BLITZENREUTE – Die St. Elisabeth-Stiftung fordert die Abschaf-fung der doppelten Prüfung stationärer Pflegeeinrichtungen durch den Medi-zinischen Dienst und die Heim¬aufsicht der Landkreise. Außerdem drängt die Stiftung darauf, die Abstimmung zwi¬schen Einrichtung und Prüfinstanz stär-ker zu digitalisieren.

Bildunterschriften: Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der St. Elisabeth-Stiftung, und Claudia Ziegler, Leiterin des Wohnparks St. Martinus, setzen sich für eine gemeinsame Prüfinstanz für die Pflege ein. Fotos: Archiv/St. Elisabeth-Stiftung

„Die Qualität der Leistungen in der Altenhilfe muss regelmäßig geprüft werden - die­ser externe Blick ist wichtig", betont Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der St. Eli­sabeth-Stiftung. „Aber wir müssen jede unnötige Bürokratie vermeiden. Wir brauchen unsere Ressourcen für die Pflege und Betreuung der Menschen in unseren Pflege­heimen."
Die jährlichen Regelkontrollen sowohl des Medizinischen Dienstes als auch der Heim­­aufsicht beanspruchten vor Ort bis zu drei Tage lang die Pflegedienstleitung, eine Mitarbeitende des Qualitätsmanagements sowie weitere Pflegefachkräfte. Das sorge in Zeiten des Personalmangels für erhebliche Herausforderungen in der Pla­nung und Sicherstellung des Pflegealltags. Zusätzlich würden Vor- und Nachberei­tung wichtige personelle Ressourcen binden. Besonders ärgerlich dabei ist aus Thieles Sicht der aufwendige Datenaustausch: Dokumente, die bei der St. Elisabeth-Stiftung digital vorliegen, müssten ausgedruckt und mit der Post oder per Fax verschickt werden.
„Zusammen mit den Vor- und Nacharbeiten binden die Kontrollen bis zu zehn Tage lang Arbeitszeit, die in der Pflege dringend gebraucht wird“, betont Vorstandssprecherin Andrea Thiele. Angesichts der sehr ähnlichen Prüfinhalte beim Medizinischen Dienst und bei der Heimaufsicht regt sie an, eine gemeinsame Prüfinstanz zu schaffen. Dann müsse nicht mehr doppelt geprüft werden. Viel Zeit sparen ließe sich auch mit einheitlichen digitalen Schnittstellen für den Datenaustausch.
Claudia Ziegler unterstützt diese Forderungen. Zweimal im Jahr muss die Leiterin des Wohnparks St. Martinus in Blitzenreute mit Kontrollen ihres Pflegeheims rechnen. „Die Prüfungen sind wertvoll und wichtig, sie sollen das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner sowie gute Pflege sicherstellen“, sagt sie. „Aber wir könnten wirklich viel Zeit und Arbeit sparen, wenn die beiden Prüfungen zusammengelegt würden.“
Die Wohnparkleiterin erklärt: Am Tag der Prüfung fallen im Pflegeheim mehr Arbeitsstunden an als geplant. „Also muss ich zusätzliches Personal reinholen, und in Zeiten der Personalknappheit finde ich nicht unbedingt jemand.“ Also müssten diejenigen, die an diesem Tag Dienst haben, länger im Haus bleiben - bis alle versorgt sind. „Leidtragende sind immer die Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Ziegler. „Am Prüfungstag gibt es dann vielleicht nicht um halb neun das Frühstück wie gewohnt, sondern einmal erst um zehn.“
Eine große Erleichterung wäre auch ein gemeinsames Digital-Portal, auf das alle Prüfinstanzen zugreifen könnten, sagt Ziegler. Und sie hat noch einen weiteren Verbesserungsvorschlag: Die Prüfberichte von Medizinischem Dienst und Heimaufsicht seien zusammengerechnet um die 200 Seiten lang. Mindestens vier Personen müssten das alles lesen: die Heimleiterin, die Pflegedienstleiterin, die Beauftragte fürs Qualitätsmanagement und die Bereichsleitung. „Wir könnten viel Zeit sparen, wenn die Prüfberichte kurz und knackig wären“, sagt Ziegler. „Also nur das enthalten würden, was tatsächlich empfohlen wird oder geändert werden muss.“

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