Modellprojekt Palliative Care: Mehr Personal
BLITZENREUTE – „Wir können auf zwei lehrreiche Jahre zurückblicken“, so resümierte Wohnparkleiterin Claudia Ziegler am 17. März, als sich Verantwortliche und Beteiligte des Modellprojekts Palliative Care im Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute der St. Elisabeth-Stiftung austauschten.

Am 17. März 2025 fanden sich Beteiligte des Modellprojekts Palliative Care im Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute der St. Elisabeth-Stiftung zusammen. Foto: Stefanie Keppeler/St. Elisabeth-Stiftung
Das Modellprojekt zur Erweiterung der palliativen Kompetenz und Optimierung der palliativen Betreuung in den Wohnparks der St. Elisabeth-Stiftung und der St. Elisabeth gGmbH läuft über einen Projektzeitraum vom April 2023 bis März.2025 und wurde aus Fördermitteln der Hospizstiftung Biberach finanziert. Die St. Elisabeth-Stiftung will mit diesem Modellprojekt die Annahme verifizieren, dass bei einem höheren Personalschlüssel beziehungsweise einer verantwortlichen Palliative-Care-Fachkraft, die Qualität der palliativen Versorgung auch in den Pflegeeinrichtungen der stationären Langzeitpflege spürbar erhöht werden kann. Der Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute war neben dem Wohnpark am Rotbach in Mittelbiberach eine von insgesamt zwei Modell-Einrichtungen.
Die finalen, messbaren Auswertungsdaten durch die Projektverantwortlichen stehen noch aus, jedoch sind sich die Teilnehmenden des Netzwerktreffens bereits einig: Das Projekt habe in vielschichtiger Weise zu positiven Veränderungen im Wohnpark St. Martinus geführt. Neben vielen Aspekten wurden vier zentrale Punkte von den Teilnehmenden besonders häufig genannt: Eine verbesserte Kommunikation, eine sensiblere Dokumentation, ein erhöhtes Selbstvertrauen der Mitarbeitenden im Bereich der Palliative Care Kompetenz sowie weniger Krankenhauseinweisungen.
„Eine gute Kommunikation zwischen allen Schnittstellen, Verantwortlichen und Mitarbeitenden ist von großer Bedeutung“, hält Amelie Slavik, Pflegedienstleiterin des Wohnparks St. Martinus, fest. Sie habe außerdem festgestellt, dass die Fachkräfte an Selbstbewusstsein gewonnen haben, auch in der Kommunikation mit Hausärzten. Irmlind Illing-Graf war die vergangenen zwei Jahre mit einer 50 Prozent Stelle als Palliative Care Fachkraft im Wohnpark St. Martinus tätig und maßgeblich am Projekt beteiligt. Ihrer Meinung nach habe sich die Dokumentation fantastisch entwickelt, da sie nun viel sensibler geführt werde. So werde nun nicht nur dokumentiert, wann ein Bewohner wie viel trinke, sondern auch wie seine Reaktion auf das Trinkangebot ausfiel. Diese feinen Wahrnehmungen, auch besonders in den Fällen, wenn sich die Person ihrem Lebensende nähert, seien für die Mitarbeitenden relevant, da sie dadurch sofort über das aktuelle Befinden des Bewohners im Bilde seien. Sie merkt zudem an, dass es in den vergangenen Monaten weniger Krankenhauseinweisungen gegeben habe. Wohnparkleiterin Claudia Ziegler bestätigt dies. Wurden einst Bewohner in bedrängenden palliativen Situationen oft ins Krankenhaus verlegt, gelinge es heute, dank exzellenter Palliative Care Fachkenntnisse und guter Zusammenarbeit mit Hausärzten öfter, solche Bewohner im Wohnpark zu belassen. Auch Rückverlegungen sollen häufiger vorkommen. „Unsere Bewohner wollen in der Regel lieber in ihrem gewohnten „Zuhause“, also bei uns, sterben, als im Krankenhaus. Es ist uns ein großes Anliegen, ihnen diesen letzten Wunsch zu erfüllen“, so Claudia Ziegler.
Das Netzwerktreffen im Wohnpark am Rotbach in Mittelbiberach, welches am 19.März stattfand, kam zu identischen Ergebnissen. Palliativfachkraft Barbara Hehl war in den vergangenen zwei Jahren während der Modellprojektdauer als 50 Prozent Stelle im Wohnpark am Rotbach beschäftigt und bestätigt: „Die Stimmen waren fast wörtlich die gleichen wie beim Netzwerktreffen in Blitzenreute.“
Susanne Sieghart, Geschäftsbereichsleitung Altenhilfe und Hospize der St. Elisabeth-Stiftung, ist dankbar, dass die Hospizstiftung dieses Projekt ermöglicht hat. „Ich bedaure, dass es bislang noch keine Anschlussfinanzierung beziehungsweise Regelfinanzierung gibt. Knapp 220.000 Euro seien von der Hospizstiftung Biberach in das Modellprojekt geflossen. „Es wird weitergehen, zwar nicht mit den Personalressourcen wie während des Projekts, aber wir werden einerseits unser Angebot in Teilen implementieren und weiterentwickeln, und andererseits werden wir gemeinsam mit der größten Krankenkasse den Mehrbedarf herausarbeiten, denn eine palliative Versorgung ist mit dem aktuellen Personalschlüssel nicht leistbar“, so die Geschäftsbereichsleiterin. Sie betont, dass durch die palliative Versorgung Krankenhauseinweisungen vermieden werden können, was die Evaluation vermutlich belegen werde. „Am Fachtag, der am 27.Juni in Heggbach stattfinden wird, möchten wir das Modellprojekt, die Erkenntnisse daraus, die Bedarfe, die die palliative Versorgung in Pflegeeinrichtungen an Leistungen benötigt, vorstellen.“ Der Fachtag wird finanziert durch die Hospizstiftung Biberach.
