Schließen Menü
16.04.2025

„Wenn alle hinschauen, sind alle gut geschützt“

FRONREUTE-BLITZENREUTE – „Gemeinsam achtsam sein und eine Kultur des gegenseitigen Respekts schaffen“: Das ist in der St. Elisabeth-Stiftung ein wichtiges Anliegen. Ihre Präventions- und Gewaltschutzbeauftragte Ursula Döbele hat kürzlich den Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute besucht und die Mitglieder des Fördervereins geschult.

Foto: Präventions- und Gewaltschutzbeauftragte Ursula Döbele (ganz rechts) schult im Wohnpark St. Martinus Mitglieder des Fördervereins. Mit dabei auch Wohnparkleiterin Claudia Ziegler (zweite von rechts). (Foto: Elke Oberländer / St. Elisabeth-Stiftung)

„Wenn alle hinschauen, dann sind alle gut geschützt“, sagt Ursula Döbele. „Nach dem Motto: Erkennen, Mitteilen, Handeln.“ Die Sozialarbeiterin und Systemische-Coach-Frau ist nach Blitzenreute gekommen, um „Engagierte“ zu schulen. Sie spricht bewusst nicht von „Ehrenamtlichen“. Der Begriff „Ehrenamt“ stamme aus dem 19. Jahrhundert und sei von hierarchischen Strukturen und Verantwortung geprägt. Das habe sich gewandelt: Wer sich heute engagiere, der tue das freiwillig, zeitlich befristet und flexibel, je nach den eigenen Wünschen und Fähigkeiten.

Ursula Döbele geht es darum, die Engagierten zu sensibilisieren. „Wenn eine Bewohnerin plötzlich blaue Flecken hat oder einen Angehörigen nicht mehr sehen will, dann sollen die Engagierten wissen, an wen sie sich mit dieser Beobachtung wenden können.“

Für die Engagierten in Blitzenreute ist es kaum vorstellbar, dass in „ihrem“ Pflegeheim Gewalt vorkommen könnte. Aber Ursula Döbele berichtet, dass es in Pflege und Altenhilfe durchaus Gewaltvorfälle gibt. Dazu zählt sie sexualisierte und körperliche Gewalt ebenso, wie wenn eine Bewohnerin von einer Mitarbeiterin regelmäßig in rüdem Ton angesprochen wird.

In der St. Elisabeth-Stiftung wird derzeit ein Gewaltschutzkonzept erstellt, berichtet Ursula Döbele. Bei ihrer Arbeit als Präventions- und Gewaltschutzbeauftragte wird sie von einem Arbeitskreis mit Vertretern aus den Geschäftsbereichen der St. Elisabeth-Stiftung unterstützt. Für Prävention und Gewaltschutz im Geschäftsbereich Altenhilfe und Hospize ist Claudia Ziegler zuständig. Sie ist die Leiterin des Wohnparks St. Martinus.

Gesetzliche Vorgabe ist es nach Döbeles Worten, dass Engagierte in Altenhilfe-Einrichtungen genauso wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Früher sei das nur verlangt worden, wenn jemand Umgang mit Kindern und Jugendlichen hatte. Heute jedoch gelte diese Anforderung für alle, die mit „Anvertrauten“ zu tun haben. In kirchlichen Einrichtungen wie dem Wohnpark St. Martinus würden zusätzlich Schulungen zur Gewaltprävention verlangt, berichtet Döbele.

Im Förderverein des Wohnparks in Blitzenreute werden die Anregungen der Präventions- und Gewaltschutzbeauftragten gern angenommen. „Natürlich wollen wir die uns Anvertrauten schützen“, sagt die Vorsitzende Elisabeth Hack. Die Formulare zur Anforderung des erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses will sie bei der nächsten Vereinsversammlung verteilen.

Link kopieren