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23.05.2014
Service-Haus Biberach

Leichte Sprache, gemischte Wohnformen und mehr Busverkehr

BIBERACH – „Broschüren, Formulare und Bescheide von Ämtern sollen ein-fach und verständlich sein“, wünscht sich der eine. Der nächste würde gern in einer Wohngemeinschaft mit Menschen ohne Behinderung leben, zum Beispiel in einer Studenten-WG. Eine Teilnehmerin beklagt, dass im Gemeindehaus ihres Heimatorts die behindertengerechte Toilette fehlt. Der nächste hätte gern mehr öffentlichen Busverkehr am Abend und am Wochenende. Rund 40 Menschen mit Behinderung aus Biberach und Umgebung haben bei der Wunschwerkstatt des Projekts „Mittendr!n - voll inklusiv“ im katholischen Gemeinde¬haus St. Martin ihre Wünsche vorgebracht.

Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Bildung und Barrierefreiheit: An fünf Thementischen haben die Teilnehmer der Wunschwerkstatt ihre Wünsche gesammelt. Zusammen mit  Mitarbeitern des Biberacher Vereins fiB e.V. – fiB steht für familienunter­stützende, integrative Behindertenarbeit - haben sie die Wünsche auf Papierwolken geschrieben und an Pinnwände geheftet. Dabei ist einiges zusammen gekommen. Ein Schwerpunkt ist offenbar der Wunsch nach Barrierefreiheit: Busse und Gebäude sollen auch für Rollstuhlfahrer erreichbar sein, wichtige Texte soll es auch in Leichter Sprache geben, wünschen die Teilnehmer. Auch Volkshochschulkurse in Leichter Sprache stehen auf der Wunschliste, zum Beispiel für Englisch oder Französisch.

 

 

 

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Wunsch nach Kontakt zu Menschen ohne Behinderung – in gemischten Wohnformen, am gemeinsamen Arbeitsplatz und in der Freizeit. Ein Teilnehmer sagt, er will „weg vom Schubladen-Denken“ - also nicht entweder Arbeitsplatz in der Behinderten-Werkstatt oder „normaler“ Arbeitsplatz, sondern auch Mischformen. Als positives Beispiel für solche Mischformen nennt er die Cafésito-Kaffeerösterei der Oberschwäbischen Werkstätten in Ravensburg.

 

In der Freizeit hätten viele Teilnehmer der Wunschwerkstatt gern mehr Zugang zum Jugendhaus oder zu Vereinen. Eine würde gern mit ihrer Trommelgruppe öfter zusammen mit anderen Gruppen auftreten, zum Beispiel mit den Fahnenschwingern. Dazu kommen weitere Wünsche wie „Selbst wählen zu können, wo man wohnen möchte“, Zugang zum Internet, Fahrdienste zu Bildungsangeboten oder dass die Mittendrin-Party statt bisher zwei Mal künftig vier Mal im Jahr stattfindet.

 

Auf Wunschwerkstatt folgt Zukunftswerkstatt

 

Mit der Wunschliste geht es jetzt in die Zukunftswerkstatt. Zur Zukunftswerkstatt sind Vertreter von Vereinen, Firmen und Gruppierungen aus verschiedenen Lebensbereichen im Raum Biberach eingeladen. Ihnen werden die Wünsche der Menschen mit Behinderung vorgestellt. Ziel der Zukunftswerkstatt ist es, aus den Wünschen mindestens drei auszuwählen - die dann verwirklicht werden sollen. Außerdem soll in der Zukunftswerkstatt ein „Markt der Möglichkeiten“ geplant werden, bei dem sich Vereine, Institutionen und Interessengruppen mit ihren Angeboten vorstellen. Die Zukunftswerkstatt findet statt am Donnerstag, 3. Juli, von 18 bis 21 Uhr im Gemeindezentrum St. Martin in Biberach, Kirchplatz 3-4.  

 

Organisiert werden Wunsch- und Zukunftswerkstatt vom Beirat des Projekts „Mittendr!n - voll inklusiv“. Der Beirat besteht aus Bürgern mit Behinderung, Vertretern der Kooperationspartner und Vertretern von Gruppierungen aus Biberach. Im Projekt „Mittendr!n - voll inklusiv“ arbeiten der Biberacher Verein fiB, die Lebenshilfe Biberach, die diakonische Jugend- und Behindertenhilfe Maria­berg sowie die St. Elisabeth-Stiftung zusammen. Gemeinsam wollen sie Kooperationspartner außerhalb der Behindertenhilfe finden, die mit ihnen zusammen die Inklusion behinderter Menschen voranbringen. Das Projekt läuft ein Jahr, gefördert wird es von der Aktion Mensch.