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06.03.2017
Hospiz Schussental

Ehrenamtliche fühlen sich als Beschenkte

RAVENSBURG – Gespräche führen, Essen verteilen, Musik machen oder Blumendekoration: Für die zwölf Frauen und Männer, die im Hospiz Schussental ehrenamtlich mithelfen, gibt es vielfältige Aufgaben. Im Januar 2016 hat das Hospiz den Betrieb aufgenommen. Jetzt haben sich die ehrenamtlichen Helfer erstmals als Gruppe zum Kennenlernen getroffen. Ihr gemeinsames Fazit: Die Helfer fühlen sich nicht als Gebende, sondern eher als Beschenkte.

„Ich sehe mein Leben jetzt unter einem ganz anderen Aspekt“, berichtet Sigrid Emhardt. Die 58-jährige hilft einmal pro Woche im Hospiz, mal vormittags und mal nachmittags – je nach dem, wie es sich mit ihrer beruflichen Arbeit vereinbaren lässt. Sie richtet das Frühstück her, liest vor, hilft den Schwestern mal beim Umlagern eines schweren Patienten oder macht bei schönem Wetter mit einem Gast im Rollstuhl einen Spaziergang an der frischen Luft.

„Wenn ich ins Hospiz komme, dann weiß ich: Jetzt habe ich Zeit“, sagt Emhardt. „Dann bin ich im Hier und Jetzt.“ Und wenn sie das Hospiz nach ein paar Stunden wieder verlässt, fühlt sie sich sehr geerdet. „Dann ist mir wieder klar, welch ein kost-bares Geschenk das Leben ist.“ Natürlich sei das Zusammensein mit sterbenden Menschen auch manchmal schwer, gibt die Helferin zu. Nach den Hospiz-Stunden geht sie deshalb immer noch eine Weile spazieren oder einen Kaffee trinken.

Ihre Mitarbeit im Hospiz ist für Emhardt nicht nur Geben: „Ich habe sehr für mich selber profitiert.“ Ihr war es wichtig, sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen – so verliere der Tod seinen Schrecken. „Natürlich ist Sterben nicht schön“, sagt sie. „Aber im Hospiz wird der Mensch am Ende nochmal ganz wertvoll.“ Inzwischen hat die 58-jährige eine Ausbildung zur Hospiz-Begleiterin gemacht. Die acht Abende und fünf Wochenenden haben ihr sehr viel gebracht, berichtet sie. Im Kurs hat sie auch gelernt, wie sie mit Angehörigen gut umgeht.

Wolfgang Müller hat ebenfalls eine Ausbildung zum Hospiz-Begleiter gemacht. Im Hospiz Schussental ist der 71-jährige der Mann für die kleinen praktischen Dinge. Dazu gehören vor allem Einkäufe: Der eine Gast liebt eine bestimmte Marmelade, ein anderer hätte gern eine spezielle Joghurtsorte. Einmal hat sich eine Frau gewünscht, dass er rote Haarfarbe besorgt und ihr die Haare färbt, berichtet Müller. Auch das hat er gern getan.

Seine ehrenamtliche Mitarbeit erlebt Müller als Bereicherung: „Die Prioritäten im Leben verschieben sich.“ Geld sei ihm nicht mehr so wichtig. Stattdessen könne er sich an den kleineren Dingen des Lebens freuen. Und daran, dass er gesund sei. „Die eigenen Probleme relativieren sich sehr schnell, wenn man es mit Sterbenden zu tun hat.“

Bei der Hospizarbeit komme es auf gutes Einfühlungsvermögen an, sagt Müller. „Man darf dem Gast nichts aufdrängen – er bestimmt selber, wie er begleitet werden möchte.“ Für die Helfer sei es wichtig, dass sie zwar mitfühlen, aber nicht mitleiden.

„Wir brauchen Leute, die Stille aushalten können, und die nicht gleich mit Ratschlägen kommen“, bestätigt Hospiz-Leiter Thomas Radau. „Und sie müssen Humor haben.“ Humor und Lachen könnten Türen öffnen, Sympathien wecken und auch im Hospiz gute Anknüpfungspunkte für Gespräche bieten.

 

Ehrenamtliche sind willkommen

Für die Gäste des Hospizes wünscht sich Hospiz-Leiter Radau jeden Tag die Begegnung auch mit ehrenamtlichen Helfern. Dieses Ziel ist bis jetzt noch nicht ganz erreicht. Wer sich zutraut, den Hospiz-Gästen eine gewisse Kontinuität und Regelmäßigkeit zu bieten, der ist zur Mitarbeit im Team der Ehrenamtlichen herzlich eingeladen. Hospiz-Leiter Radau klärt mit jedem Interessenten individuell, wie sein Engagement aussehen könnte.

Interessierte wenden sich an das Hospiz Schussental, Telefon 0751/9771238-600, E-Mail: thomas.radau@st-elisabeth-stiftung.de.

Neben Zeitspenden sind für das Hospiz Schussental auch immer Geldspenden nötig. Die Bürgerstiftung Ravensburg nimmt Spenden zugunsten des Hospizes entgegen (IBAN DE 53 6505 0110 0101 1204 63).

 

Acht Einzelzimmer für Sterbende

Das Hospiz Schussental der St. Elisabeth-Stiftung befindet sich im zweiten und dritten Obergeschoß der Casa Elisa in Ravensburg. Seinen Gästen bietet es acht Einzelzimmer sowie Pflegebad, Speiseraum und Wohnzimmer. Dazu kommt ein Raum der Stille, in den sich Angehörige, Gäste oder Mitarbeiter bei Bedarf zurückziehen können. Aufgenommen werden Erwachsene mit einer unheilbaren Krankheit im fortgeschrittenen Stadium, die nicht zu Hause gepflegt werden können.