Schließen Menü
26.04.2016
Kinder-Jugend-Familie

Kinderrechte im Alltag von Kinderheimen

RAVENSBURG – Nur wer seine Rechte kennt, kann sie auch einfordern. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche, die in Heimen leben. Für sie gibt es ein neues Handbuch, das Rechte erklärt, wie das Recht auf Privatsphäre oder das Recht auf Taschengeld. Rund hundert Kinder, Jugendliche und Mitarbeiter aus den beteiligten Einrichtungen haben kürzlich in Ravensburg das erfolgreiche Projekt gefeiert.

„Kinder werden oft nicht ernst genommen, Menschen mit Behinderung auch. Kinder mit Behinderung haben es also doppelt schwer“, sagte Annerose Siebert. Die Professorin von der Hochschule Ravensburg-Weingarten hat sich bei der Feierstunde im Ravensburger Schwörsaal an die Kinder gewandt: „Das neue Buch beschreibt eure Rechte ganz toll“, lobte sie. Mit Blick auf die UN-Kinderrechts- und die UN-Behindertenrechtskonvention erklärte Siebert den Kindern: „Alle Menschen in Deutschland müssen sich an diese Rechte halten.“

„Kinderrechte sind keine Großzügigkeit der Erwachsenen“, bestätigte Michael Riehle vom Landesjugendamt im Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS). Es handle sich um zentrale Rechte, die Kinder einfordern könnten. „Im Sinne des inklusiven Gedankens“ sollten diese Rechte auch in Schulen und Heimen umgesetzt werden. Dazu soll das neue Handbuch beitragen, das Kinder und Mitarbeiter, die am Projekt teilgenommen haben, Riehle feierlich überreichten.

Das Buch ist Ergebnis eines zweijährigen Forschungsprojekts des Arbeitskreises der Kinder- und Jugendeinrichtungen in der Arbeitsgemeinschaft Hilfen für Behinderte und psychisch kranke Menschen (AGBEPS) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sieben Caritas-Einrichtungen der Behindertenhilfe aus Baden-Württemberg haben sich daran beteiligt.

Angestoßen hatte das Projekt Christoph Gräf, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie der St. Gallus-Hilfe für behinderte Menschen in Meckenbeuren. Koordinatorin Stephanie Probst hat die beteiligten Kinderheime besucht und Kinder, Jugendliche und Mitarbeiter in den Wohngruppen befragt. Gräf und Probst sind auch die Herausgeber des Handbuchs. Gemeinsam haben sie es bei der Feier vorgestellt.

Kooperationspartner im Kinderrechte-Projekt waren: Wohnen und Begleiten in Ingerkingen (St. Elisabeth-Stiftung), die Schule für Blinde und Sehbehinderte in Baindt (Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn), der Fachbereich Kindheit, Jugend und Familie der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau), das Kinderheim St. Johann in Wilhelmsdorf-Zußdorf (St. Jakobus Behindertenhilfe), das St. Josefshaus in Herten, die Stiftung Haus Lindenhof in Schwäbisch Gmünd und das Kinder- und Familienzentrum St. Augustinus in Freiburg (Sozialdienst Katholischer Frauen). Finanziell unterstützt wurde das Kinderrechte-Projekt von der Aktion Mensch.

Für den festlichen Rahmen der Feierstunde im Schwörsaal haben die Blechbläser „Freches Blech“ des Kinderheims St. Johann in Zußdorf und die Tanzgruppe der St. Gallus-Hilfe gesorgt.

Das Praxishandbuch „Kinderrechte im Alltag von Kinderheimen. Geachtet, beteiligt, gefördert, beschützt!“ fasst die Erfahrungen und Ergebnisse des Forschungsprojekts zusammen. Es ist bei Beltz-Juventa erschienen, hat 142 Seiten und kostet 19,95 Euro. ISBN: 978-3-7799-3290-1.