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18.10.2017
Kinder-Jugend-Familie

Helga Reichert erlebt einen Schultag für alle Sinne

INGERKINGEN – Schauspielerin Helga Reichert aus Biberach übernahm zusammen mit ihrem Mann Adrian Kutter eine Patenschaft für das Bauprojekt der neuen Schule St. Franziskus in Ingerkingen. Um sich einen Eindruck vom schulischen Alltag von schwerst mehrfach behinderten Kindern zu machen, begleitete sie eine Klasse beim wöchentlichen Waldtag.

Schauspielerin Helga Reichert interessiert sich für Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche mit mehrfachen Behinderungen, wie den wöchentlichen Waldtag. Als Schulbaupatin unterstützt sie die Spendenaktion für den Bau von besseren Lernräumen in der Schule St. Franziskus.´Foto: Rob Stirner/St. Elisabeth-Stiftung

Wie erlebte sie diesen Schultag? „Erfrischend normal“, sagt die Mutter zweier kleiner Kinder ganz spontan und ergänzt nach kurzem Nachdenken: „Sehr friedlich. Die Jugendlichen machen einen sehr zufriedenen Eindruck.“ Nachdem sie in der Hütte den Holzofen in Gang gesetzt hatten, frühstückten sie mit zwei Lehrern und einer Ergotherapeutin. Beim anschließenden Morgenkreis ging es um die Erlebnisse am Wochenende. Da die Jugendlichen nicht sprechen können, haben manche einen so genannten Talker dabei, auf den die Eltern in ein paar Sätzen erzählen, was los war. Andere Eltern schreiben lieber auf einen Block. Nach diesem Rückblick wurde Brennholz umgeschichtet: einer mit Greifzange, ein anderer transportierte die Scheite im Rollstuhl auf dem Schoß. „Ein Mädchen, das gehen kann, lebte richtig auf, als es mit einer Karre die Holzstücke brachte. Die Schülerinnen und Schüler sind stolz, wenn sie ihre Aufgabe meistern. Es gefällt ihnen sehr, mit dem Material zu arbeiten“, ist Helga Reichert begeistert.

Beim Umgang mit Holz werden spür- und sichtbar Zusammenhänge vermittelt. Auch das Mittagessen wurde in der Hütte gekocht und eingenommen. Zwei Jugendliche können alleine essen, drei brauchen Unterstützung. „Anschließend habe ich mit einem Mädchen einen Lerngang gemacht“, erinnert sich Helga Reichert. „Es konnte sich an einem zwischen den Bäumen gespannten Seil festhalten und über Moos und Rinde balancieren. Auf dem Rückweg wollte es an meiner Hand querfeldein gehen“.

Die Hütte liegt in einem Waldstück der St. Elisabeth-Stiftung, rund zweieinhalb Kilometer von der Schule St. Franziskus entfernt. Sonderschullehrer und Stufenleiter Bernd Schalkham schwärmt von diesem pädagogischen Angebot: „Schon auf dem Weg machen wir viele Sinneserfahrungen. Im Wald wird es still, wir hören den Specht klopfen. Rollstuhlfahrer bekommen unterschiedliche vibratorische Rückmeldungen, die Ausdauer der Fußgänger wird geschult.“ Zu jeder Jahreszeit verbringt er mit seinen 13 -19jährigen Schützlingen den Montag im Wald. „Die Hütte eignet sich auch für Werkunterricht, und – was bei Mehrfachbehinderten wichtig ist – es gibt einen separaten Raum, in dem man menschenwürdig pflegen kann. Gut, dass wir diese Hütte haben. Sie ist mein Steckenpferd.“

Die Schule St. Franziskus wird derzeit von 125 Kindern und Jugendlichen mit geistigen oder mehrfachen Behinderungen besucht, von denen über die Hälfte bei ihren Eltern wohnen, die anderen in Wohngruppen der St. Elisabeth-Stiftung. Seit den Sommerferien wird ein Teilneubau erstellt.

Bevor Helga Reichert mit den Jugendlichen in den Wald ging, hatte sie sich bereits das in die Jahre gekommene Schulgebäude angeschaut. Trotz der räumlichen Enge dort war sie sehr beeindruckt. „Es hat mich berührt, dass wirklich alle Kinder und Jugendlichen hier eine Heimat finden“, fasst sie ihre Eindrücke zusammen. „In einem Raum beschäftigten sich Lehrkräfte konzentriert mit drei Liegendkranken. Auf meinen möglicherweise etwas erstaunten Blick erklärte Schulleiter Bernhard Buck, dass selbstverständlich jedes Kind ein Recht auf Bildung habe und nach seinen Möglichkeiten unterrichtet werde. Das fand ich unglaublich toll!“

59 engagierten Lehrkräfte und 14 Hilfskräfte freuen sich auf die neuen Räume für Lernen und Therapie. Die nötigen Fach- und Differenzierungsräume werden nur zu einem sehr geringen Teil vom Land gefördert. Deshalb sind zusätzlich Spenden für die Erweiterung der Schule St. Franziskus nötig. Wer das Projekt unterstützen möchte: Spendenaktion „Schule St. Franziskus – bauen Sie mit“, St. Elisabeth-Stiftung, Konto-Nr. DE18750903000000300500, LIGA-Bank Stuttgart, BIC GENODEF1M05, Verwendungszweck Bau SSF, Onlinespende unter www.bauen-sie-mit.de