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27.03.2015
WfbM Heggbach

Vorrichtungen und menschliche Brücken gebaut

ILLERTISSEN/HEGGBACH - Auszubildende erarbeiten technische Vorrichtungen, die gehandicapten Menschen anspruchsvolle Tätigkeiten ermöglichen: Das insgesamt fünfte Kooperationsprojekt zwischen der Staatlichen Berufsschule Illertissen und der Werkstatt für behinderte Menschen in Heggbach wurde jetzt erfolgreich im Rahmen einer Hausmesse abgeschlossen.

Die Montage von Schutzkappen für Schalterabdeckungen wird in Heggbach bereits seit geraumer Zeit ausgeführt. Doch zeigte sich, erklärt Walter Egelhofer, Leiter der Werkstatt für Behinderte Menschen in Heggbach, dass an einer zentralen Stelle im Arbeitsprozess noch Optimierungsbedarf bestand. Das Problem wurde zur Aufgabe für Azubi im Rahmen einer anspruchsvollen Projektarbeit, welche die angehenden Industriemechaniker mit Bravour gelöst haben.

Fünf Teams machten sich an die Arbeit, recherchierten in Heggbach vor Ort, sammelten Ideen, machten Skizzen und erarbeiten Fertigungspläne und Prototypen – auch in der Freizeit, wie Fachlehrer Helmut Walcher hervorhebt. Als Endergebnis entstanden schließlich fünf Vorrichtungs-Alternativen, die allesamt den Praxistest bestanden haben, sich im gewählten technischen Ansatz teils aber stark voneinander unterscheiden. Auch im Preis liegen die Vorrichtungen, die in Wirklichkeit vielmehr eher schon ausgetüftelte Klein-Maschinen sind, weit auseinander. Die zugekauften Komponenten, den mit 20 Euro pro Stunde kalkulierten Arbeitslohn und die mit 40 Euro angesetzte Maschinenstunde addiert, ergeben sich Kosten zwischen 2.300 und 18.000 Euro.

Diese weite Spanne mag erstaunen, doch der Preis allein ist nicht entscheidend. Die Vorrichtungen erfordern von den Beschäftigten unterschiedliche Fertigkeiten mit mal mehr, mal weniger hohen Anteilen an Handarbeit. Da sie auch diesmal wieder sämtlich von den beteiligten Ausbildungsbetrieben gespendet werden, können so in Heggbach unterschiedlich veranlagte Beschäftigte an den Entwicklungen partizipieren. Egelhofer: „Das ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, die hohe Präzision erfordert.“

Für alle Beteiligten brachte das Projekt, wie in diversen Gesprächen zum Ausdruck kam, eine Win-win-Situation. Er habe das bislang Erlernte realisieren können und sich noch weiteres Know-how angeeignet, erzählt Azubi Stephen Keller (Wieland-Werke AG). Für Peter Reißig, den Leiter des Heggbacher Werkstattverbunds der St. Elisabeth-Stiftung, ist das Projekt Musterbeispiel für „gelebte Inklusion“. Ludwig Rapp, der Fachbereichsleiter Metall an der Illertisser Berufsschule, hebt die Komponente des sozialen Lernens hervor: „Da finden Begegnungen statt, die es sonst nicht geben würde.“  Den Ball aufnehmend bat Reißig bei den anwesenden Firmenvertretern um Praktikumstellen für Beschäftigte des Heggbacher Werkstattverbunds. In diesen Praktika würden die Bertriebe unterstützt durch Fachkräfte (Jobcoaches) des Werkstattverbundes.