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28.01.2019
Heggbacher Wohnverbund

150 Besucher gedenken Opfer

HEGGBACH – 193 Frauen und Männer sind in der Zeit des Nationalsozialismus von Heggbach in die Tötungsanstalt Grafeneck deportiert und dort ermordet worden.

Zeit zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nahmen sich am Sonntagnachmittag rund 150 Besucher in der Heggbacher Kirche.

Eine von ihnen war Käthe Krämer. Deren trauriges Schicksal wurde den zahlreichen Besuchern in der Heggbacher Kirche St. Georg im Hag in der jährlichen Gedenkfeier am Sonntag nahe gebracht.

Käthe Krämer wurde nur zwölf Jahre alt. Sie war körperlich gesund und galt als freundliches und fröhliches Mädchen. Weil sie geistige Einschränkungen hatte, lebte sie in Ingerkingen und Heggbach, wo sie sich sehr wohl fühlte. Dennoch wurde ihr Dasein von den Nationalsozialisten als „unwürdiges Leben“ eingestuft, so dass sie im Jahr 1940 in die Tötungsanstalt Grafeneck bei Gomadingen deportiert und kurze Zeit später getötet wurde. Wie ihr erging es 122 geistig und mehrfach behinderten Frauen und 71 Männern aus Heggbach.

Unter dem Titel „Das kurze Leben der Käthe Krämer“ organisierten Rita Schultheiß, und Schwester Mirjam von der Seelsorge Heggbach sowie Angela Gschwender von den Begleitenden Diensten die Gedenkfeier in der Kirche St. Georg. Gut 150 Besucher kamen. „Das Erinnern an die Opfer tut weh, es löst Entsetzen aus, lässt uns verstummen und aufschreien zugleich“, sagte Renate Weingärtner in ihrer Begrüßung. Die Leiterin des Heggbacher Wohnverbundes ließ aber keinen Zweifel daran, dass es dennoch „unverzichtbar ist, sich den bedrückenden Wahrheiten unserer Geschichte zu stellen.“ Der menschenverachtenden Unterscheidung zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben müsse die Überzeugung entgegen gesetzt werden, dass jedes Leben es wert ist, gelebt und geliebt zu werden.

Anschaulich dargelegt wurde dies in einer Lesung über das kurze Leben der Käthe Krämer, die von Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Mitarbeitern des Heggbacher Wohnverbundes vorgetragen wurde. Die einzelnen Briefausschnitte und Vermerke aus den Akten trugen Sabine Mößlang, Gottfried Wellschmidt, Sibylle Krug, Birgitta Aigner und Anita Sigg sowie Rita Schultheiß vor. Zusammengestellt wurde das traurige Schicksal des jüdischen Mädchens von Schülern des Carl-Laemmle-Gymnasiums unter der Anleitung ihres Lehrers Dr. Matthias Schönwald. Dieser Beitrag wurde bereits 2009 im Rahmen der Aktion „Spur der Erinnerung“ in Stuttgart von Bewohnern aus Heggbach gemeinsam mit den Gymnasiasten präsentiert.

Den musikalischen Rahmen setzte das Trio „Kapellenklang“ mit Claus Machleidt (Gitarre), Mirjam Knaus (Cello) und Simone Salzer (Gesang/Saxofon). Mit einer kurzen Stille für ein persönliches Gebet sowie einem allgemeinen Schlussgebet, das man auf einem Stück Einwickelpapier im Lager Ravensbrück gefunden hatte, endete die berührende Gedenkfeier.