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27.10.2015
Heggbacher Wohnverbund

40 Jahre Erfolgsgeschichte frühzeitige Inklusion

BIBERACH – Grund zur Feier gab es im Kneipp-Saal des Parkhotels: 40 Jahre besteht die Wohngruppe (WG) Simon, die heute unter dem Dach des Heggbacher Wohnverbundes der St. Elisabeth-Stiftung steht. Als sie abseits von Heggbach gegründet wurde, war die Idee auch in der Fachwelt umstritten und die Zweifel waren dementsprechend groß. Zur Feierstunde freuten sich jetzt Bewohner und Angehörige, Betreuer und Verantwortliche von Landkreis, Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) und St. Elisabeth-Stiftung über den einst mutigen, erfolgreichen Schritt.

Vor 40 Jahren bezogen sechs junge Männer und zwei Mitarbeiter der damaligen Heggbacher Einrichtungen in der Riedlinger Straße in Biberach ein Wohnhaus. In einer Zeit, in der Menschen mit Behinderungen nur zwischen Elternhaus und Heim wählen konnten, galt dieser neue Schritt als „großes Wagnis“, erklärte Renate Weingärtner, Leiterin des Heggbacher Wohnverbundes. „Sie starteten aus dem behüteten Schutz der Einrichtung in die Selbstversorgung und lernten hier, den Alltag zu meistern.“ Das erforderte Mut von Bewohnern und Mitarbeitern. 40 Jahre haben sie gut durchgehalten und damit nach heutiger UN-Behindertenrechtskonvention ein gelungenes Beispiel für Teilhabe umgesetzt. Annemarie Strobl, Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung, machte deutlich, wie fortschrittlich die Heggbacher Einrichtungen  unter der Regie der Franziskanerinnen von Reute mit dieser Idee waren. Erst seit 2008 greife die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland. „Wohnen ist für uns Menschen wichtig und wir wollen zwischen Alternativen wählen können, wie wir wohnen möchten“, machte Annemarie Strobl deutlich, dass dieses Bedürfnis für alle Menschen gelte. Wie erfreulich diese Erfolgsgeschichte fortgesetzt wurde, beweisen heute die Zahlen: Von den 600 Betreuten wohnen 250 in Heggbach und 350 in der Region. Nach der Eröffnung der WG Simon folgten weitere Wohngruppen in Ochsenhausen oder  Mietingen, daneben offene Hilfen und ambulante Angebote. So dass die St. Elisabeth-Stiftung heute einen Fächer von Leistungen bereitstellt. Annemarie Strobl machte aber auch deutlich, wie wichtig Heggbach trotzdem als geschützter Raum bleibt: „Für bestimmte Zeiten und Bedürfnisse kann Heggbach ein sehr guter Ort sein für Menschen mit Behinderungen.“ Sie dankte allen, die damals den Mut bewiesen haben, das Wagnis anzugehen und den gemeinsamen Weg zu begleiten. Petra Alger, Sozialdezernentin des Landkreises Biberach, gratuliert ebenfalls zu dem gelungenen Experiment, eine Wohngruppe abseits der Komplexeinrichtung auf die Beine zu stellen. Als Vertreterin des Trägers der Eingliederungshilfe bescheinigte sie dann auch eine „sehr gute Arbeit“ und sagte die umfassende Finanzierung in den nächsten Jahren zu.  Zugleich forderte sie alle gesellschaftlich Verantwortlichen auf, Inklusion bei ihren täglichen Entscheidungen „immer im Blick zu haben“. Franz Schmeller, Leiter Dezernat KVJS, gratulierte seinerseits. Landesweit wurde das Thema regionaler Wohngruppen erst zehn Jahre später aufgegriffen. Umso erstaunlicher, dass die Heggbacher Einrichtungen die Idee damals trotz aller Vorbehalte umgesetzt hätten. Mit Spannung erwarte er das neue Bundesteilhabegesetz, das eine stärkere personenzentrierte Förderung von Menschen mit Behinderungen erreichen will.  Ein persönliches Lob brachte Sepp Neher vor. Der Bruder eines Bewohners der WG Simon bezeugte, wie großartig Severin in der Wohngemeinschaft in all der Zeit aufgehoben war. „Es gab in 40 Jahren nie ein Problem“. Trotz Krankheiten und Entfernung zur Familie – die auf der Alb wohnt – habe immer alles gut funktioniert. Die Mitarbeiter der WG Simon hätten sich jederzeit mit viel Herz und Verstand um den Familienangehörigen gekümmert. So dass er nach dem Heimaturlaub immer wieder gerne nach Biberach zurückgekehrt sei. Aufgelockert wurden die Ansprachen von musikalischen Beiträgen. Helmuth Nemitz, selbst Bewohner der WG Simon, und Swen Dittberner sowie Rolf Fesseler, beide Mitarbeiter des Heggbacher Wohnverbundes, trugen ansprechende Lieder vor. Fotografische Eindrücke bekamen die Gäste bei einer Bilderpräsentation, die das Leben in der WG Simon im Laufe der Jahre lebendig darstellte. Im Anschluss an die Feier gab es ein Büffet und Gelegenheit zum Austausch.