Ein Ort an dem jeder Tag zählt
Böblingen – Mit einem Festakt im Böblinger Sparkassen-Forum und Führungen durch die Einrichtung hat das Hospiz in der Mitte – Region Böblingen-Sindelfingen am 1. Juli Eröffnung gefeiert. Am darauffolgenden Samstag nutzten mehrere tausend Besucher den Tag der offenen Tür, um das neue Hospiz in der Mitte Region Böblingen-Sindelfingen kennenzulernen. Die zentrale Lage direkt in der Böblinger Innenstadt erwies sich dabei als echter Vorteil: Viele Gäste kamen spontan vom gleichzeitig stattfindenden Stadtfest vorbei.

Rainer Ganske, Geschäftsführer Böblinger Baugesellschaft mbH überreicht Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der St. Elisabeth-Stiftung, und Patrick Schlecht, Einrichtungsleiter Hospiz in der Mitte – Böblingen-Sindelfingen, den Symbolischen Schlüssel zum Hospiz. Foto: Tobias Heyl/St. Elisabeth-Stiftung
Der Endspurt in den letzten Monaten vor der Eröffnung habe zwar viel Kraft gekostet, so Einrichtungsleiter Patrick Schlecht: „Aber für mich geht ein großer Lebenstraum in Erfüllung: ein Hospiz mit Leben zu füllen, um Menschen einen würdigen letzten Lebensabschnitt zu ermöglichen.“
Insbesondere die Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern sei eine große Herausforderung gewesen, so Patrick Schlecht: „Die erste Zusammenkunft des kompletten Teams war ein bewegender Augenblick“, erzählt Patrick Schlecht: „Denn wir alle teilen die gleiche Vorstellung von guter Hospizarbeit.“ Die Atmosphäre im Team des Böblinger Hospizes sei geprägt von „Empathie, gegenseitiger Unterstützung, Rücksichtnahme und Teamfähigkeit.“
Die ersten zwei Gäste ziehen in der zweiten Juli-Woche in das Hospiz in der Mitte Region Böblingen-Sindelfingen ein – zwei weitere Gäste in der darauffolgenden Woche. Die Belegung des Hospizes soll nach und nach erfolgen – insgesamt verfügt die Einrichtung über acht Plätze.
Die Eröffnung des Böblinger Hospizes sei ein wichtiger Meilenstein für die Arbeit des Hospizvereins Region Böblingen-Sindelfingen, sagt dessen Vorsitzende Maria Dries-Koblowsky: Seit acht Jahren setze sich der Verein für die Einrichtung eines weiteren stationären Hospizes im Landkreis Böblingen ein. „Mit der St. Elisabeth-Stiftung haben wir für unser Anliegen einen hervorragenden Partner gefunden“, so Dries-Koblowsky. Unter anderem die Erfahrung der Stiftung mit dem Betrieb von bereits sechs Hospiz-Einrichtungen habe die Mitglieder des Hospiz-Vereins überzeugt, so Maria Dries-Koblowsky.
Nach Eröffnung des Hospizes in Böblingen gehe die Arbeit des Hospizvereins mit unvermindertem Engagement weiter, so Maria Dries-Koblowsky: Neben der St. Elisabeth-Stiftung selbst, sei der Verein der zweite wichtige Akteur bei der Akquise von Spenden für den Betrieb des Hospizes in Böblingen. Der Verein werde demnächst 1000 Mitglieder haben, was ein wichtiger Meilenstein darstelle, so Maria Dries-Koblowsky: „Aber die großen Unternehmen in der Region haben wir leider bislang nicht von unserem Anliegen überzeugen können: Da sind wir dran“.
Hintergrund: Die für den Betrieb des Hospizes benötigten finanziellen Mittel kommen zu 95 Prozent von den Krankenkassen – die restlichen fünf Prozent müssen über Spenden gestemmt werden. Für die ersten fünf Jahre der Einrichtung in Böblingen haben der Landkreis sowie die Städte Böblingen und Sindelfingen zwar eine Ausfallbürgschaft über 150 000 Euro übernommen - Der dauerhafte Betrieb des Hospiz in der Mitte Region Böblingen-Sindelfingen kann jedoch nur über weitere Spenden sichergestellt werden.
„Für uns ist die Eröffnung eines Hospizes in der Mitte Böblingens ein ganz besonderer Tag“, so Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der St. Elisabeth-Stiftung: „Ein Hospiz ist mehr als nur ein Gebäude. Es ist ein Ort des Lebens – bis zuletzt. Ein Ort der Würde, des Trostes und des Mutes. Und, ja, auch ein Ort der Trauer. Vor allem aber ist es ein Ort der Geborgenheit.“
Der Standort des Böblinger Hospizes, mitten in der Stadt in der Nähe von Busbahnhof, Bahnhof, Einkaufzentrum und Fußgängerzone, habe eine wichtige Signalwirkung, wie Andrea Thiele betont: „Ein Hospiz gehört nicht an den Rand, sondern in die Mitte der Gesellschaft.“
Worum es bei der Hospiz-Arbeit geht, macht Andrea Thiele an einem Beispiel deutlich: Oliver Bürner, einst LKW-Fahrer voller Lebensfreude, kämpfte neun Jahre lang gegen den Krebs. Als die Krankheit unheilbar zurückkehrte, zog er ins Hospiz St. Michael in Nagold.“ Dort habe er „nicht nur Schmerzlinderung, sondern Lebensfreude“ gefunden: „Er heiratete seine langjährige Partnerin Martina im Hospiz, umringt von Familie, Freunden.“ Man werde „immer wieder überrascht vom Leben“, habe Oliver Bürner gesagt. „Das waren keine leeren Worte, das war gelebter Mut“, so Andrea Thiele.
Diese Geschichte „geht unter die Haut“, sagt Landrat Roland Bernhard. Denn normalerweise neige unsere Gesellschaft dazu, das Thema Tod zu verdrängen: Die eindrückliche und bewegende Rede von Andrea Thiele zeige jedoch, dass es andere und bessere Wege gebe, damit umzugehen.
Die Segnung des von der Sindelfinger Künstlerin Sabina Hunger gestalteten „Raum der Stille“ durch Stefan Fischer, Leiter der Seelsorge der St. Elisabeth-Stiftung, den katholischen Krankenhausseelsorger Frank Kühn und die evangelische Krankenhausseelsorgerin Heidi Abe bildete einen der Höhepunkte der Feier zur Eröffnung des Hospiz in der Mitte Region Böblingen-Sindelfingen.
Auch der Tag der offenen Tür war ein voller Erfolg. „Ich bin überwältigt vom großen Interesse“, so Einrichtungsleiter Patrick Schlecht. Ursprünglich war eine Führung pro Stunde geplant – am Ende liefen vier gleichzeitig. „Viele Menschen, die eigentlich zum Feiern in die Böblinger Innenstadt kamen, sind unserer Einladung gefolgt: Das freut mich riesig, denn es zeigt, dass der Standort vom Hospiz in der Mitte Region Böblingen-Sindelfingen im Herzen Böblingens genau richtig gewählt wurde,“ so Schlecht.
Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt von Architektur, Atmosphäre und Konzept des Hauses. Die Würde und Ruhe, die das Gebäude trotz Innenstadtlage ausstrahlt, wurden vielfach betont.
