Integrativer Treff in Laupheim profitiert von Spenden
Laupheim – Zeit für Begegnung schaffen, möchte seit Herbst ein Angebot der St. Elisabeth-Stiftung in Laupheim: Der „Inklusive Treffpunkt“ im Begegnungscafé der Stadt Laupheim soll jeden dritten Montag im Monat Menschen mit und ohne Behinderung zueinander führen und Gelegenheit zum Austausch geben. Besonders dankbar ist man bei der Stiftung dafür, dass sowohl die Deutsche Postcode Lotterie als auch die Bürgerstiftung Laupheim das Projekt unterstützen.

Integrativer Treff in Laupheim - im November kamen so viele Gäste wie noch nie. Foto: Reiner Schick/St. Elisabeth-Stiftung
Es ist ein feucht-kalter Novembernachmittag, doch das kümmert die Besucherinnen und Besucher des städtischen Begegnungscafés nicht. Sie werden warm empfangen von den Mitarbeiterinnen der St. Elisabeth-Stiftung – und von Noel. Der 20-Jährige hat Spaghetti Bolognese gekocht und kann es kaum erwarten, „seinen“ Gästen die kleine Mahlzeit zu servieren. Eifrig läuft er durch die Reihen und nimmt auch Getränkebestellungen auf, während sich die Tische nach und nach bis auf den letzten Platz füllen. Es wird geredet und gelacht – der Treffpunkt erfüllt exakt seinen Zweck: Es ist Zeit für Begegnung und Austausch.
Noel arbeitet wie auch andere Gäste in der Laupheimer Werkstatt für Menschen mit Behinderung der St. Elisabeth-Stiftung und lebt in den eigenen vier Wänden. Dabei erhält er im Rahmen des Programms AWS (Assistenz im eigenen Wohn- und Sozialraum) Unterstützung von Mitarbeitenden der Stiftung. „Es gibt für diese Leute im Raum Laupheim wenig Möglichkeiten, sich zu treffen. Deshalb sind wir der Stadt Laupheim sehr dankbar, dass wir das Begegnungscafé nutzen dürfen“, sagt Stiftungs-Mitarbeiterin Cornelia Landthaler, Hauptverantwortliche für den „Inklusiven Treffpunkt“. Dies ermögliche den Gästen, sich in ungezwungener Atmosphäre über Alltagsprobleme auszutauschen und von den Stiftungs-Mitarbeitenden wertvolle Tipps zu bekommen.
So ist der 57-jährige Jürgen, der früher in der Laupheimer Werkstatt gearbeitet hat und mittlerweile in Ochsenhausen wohnt, sichtlich glücklich darüber, dass er beim Treffpunkt ehemalige Kolleginnen und Kollegen wiedersieht. Und Daniel, der noch in einer stationären Wohnform lebt, kann zum Beispiel in Kontakt mit Menschen kommen, die in einer ambulanten Wohnform leben. „Vielleicht ergibt sich daraus ja ein Probewohnen“, sagt Cornelia Landthaler.
Nicht zu kurz kommen sollen beim „Inklusiven Treffpunkt“ freilich Spaß und Kreativität. Im Oktober würden Kürbisse (für Halloween) gebastelt, diesmal wird gespielt: „Bingo!“ schallt es immer wieder durch den Raum. „Unsere Gäste haben eine Gemeinsamkeit: Sie wünschen sich Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und möchten etwas in ihrer Freizeit unternehmen“, weiß Cornelia Landthaler. Oftmals sei das aber nicht so einfach: Der Zugang zu öffentlichen Angeboten in der Stadt Laupheim und der Umgebung sei nicht immer barrierefrei, das fängt bei Bus und Bahn an und hört bei baulichen Hürden an Straßen, Plätzen und Gebäuden auf. Zudem gebe es Hemmungen, sich etwa für reguläre Sport- oder VHS-Kurse anzumelden.
Damit zumindest die Teilnahme am „Inklusiven Treffpunkt“ reibungslos funktioniert, werden einige Gäste von Mitarbeitenden der St. Elisabeth-Stiftung abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Ein kleines Team kümmert sich ums Programm und wird bei der Vorbereitung und Durchführung von Teilnehmenden, wie Noel oder auch Maria, unterstützt. „Maria arbeitet nicht mehr in der Werkstatt. Für sie ist es gut, dass sie bei solchen Veranstaltungen eine Tagesstruktur bekommt“, erklärt Cornelia Landthaler.
Damit der Laupheimer Treffpunkt auch wirklich einen „inklusiven“ Charakter hat, soll das Angebot auch auf Menschen ohne Behinderung – etwa Senioren oder Alleinerziehende – ausgeweitet werden. Dadurch sollen Barrieren abgebaut und die soziale Teilhabe der Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben erleichtert werden.
Sehr willkommen sind daher Fördermittel, wie etwa jene von der Deutschen Postcode Lotterie. „Das Geld hilft uns, mehr Personal für den Treffpunkt einzusetzen“, sagt Cornelia Landthaler. Auch größere Anschaffungen, wie eine Karaoke-Box oder ein Hochbeet für die Freifläche vor dem Begegnungscafé, sind dadurch möglich. „Auch kleinere Zuwendungen – wie etwa die jüngst von der Laupheimer Bürgerstiftung getätigte Spende – leisten einen wertvollen Beitrag. Wir können dadurch Materialien für unsere Programme anschaffen“, freuen sich Cornelia Landthaler und ihr Team über jeden Euro.
Wie gut das Geld angelegt ist, zeigte sich beim November-Termin. „So viele waren noch nie da“, stellte Cornelia Landthaler beim Rundblick durchs Café erfreut fest. „Unser Angebot spricht sich wohl herum.“
