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14.08.2026

Politische Gespräche: Zukunft der Pflege

Blitzenreute – Politisches Sommergespräch im Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute mit Staatssekretärin Petra Krebs und der Landtagsabgeordneten Anna Wiech.

Von links: Bürgermeister Oliver Spieß, Staatssekretärin Petra Krebs, Vorstandssprecherin der St. Elisabeth-Stiftung Andrea Thiele, Wohnparkleitung Claudia Ziegler, Vorsitzender des Stiftungsrates Thomas Munding, Landtagsabgeordnete Anna Wiech und Vorstandsreferentin Rafaela Haller.         Foto: St. Elisabeth-Stiftung

Über aktuelle Herausforderungen in der Pflege und über Wege in die Zukunft hat die St. Elisabeth-Stiftung bei einem politischen Sommergespräch im Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute diskutiert. Zu Gast waren Petra Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, und Anna Wiech, Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Ravensburg-Tettnang und gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion. Seitens der Stiftung nahmen Vorstandssprecherin Andrea Thiele, der Vorsitzende des Stiftungsrats Thomas Munding sowie Wohnparkleiterin Claudia Ziegler und Vorstandsreferentin Rafaela Haller teil. Ebenfalls dabei war der Bürgermeister der Gemeinde Fronreute, Oliver Spieß.

Einen Schwerpunkt des Gesprächs bildete die Palliativversorgung. Wohnparkleiterin Claudia Ziegler stellte das Modellprojekt Palliative Care vor, das über einen Zeitraum von zwei Jahren in zwei Wohnparks der St. Elisabeth-Stiftung umgesetzt wurde. Die Palliativversorgung gehört zu den Zuständigkeitsbereichen der Landtagsabgeordneten Anna Wiech.

Die Stiftung kritisierte, dass über den Innovationsfonds zu wenig echte Innovation gefördert werde – etwa der Bau zukunftsfähiger Pflegeeinrichtungen oder der Einsatz neuer, auch KI-gestützter Technologien. „Wir hängen immer hinterher", brachte es Einrichtungsleiterin Claudia Ziegler auf den Punkt. Beim Thema Digitalisierung erkundigte sich Abgeordnete Wiech, ob die damit verbundenen Kosten refinanziert würden – was derzeit durch einen einmaligen Zuschuss in Höhe von bis zu 12.000 Euro für die Anschaffung digitaler Anwendungen gemäß § 8 Abs. 8 SGB XI möglich ist. Folgekosten oder höhere Anschaffungskosten werden allerdings nicht refinanziert. Vorstandssprecherin Andrea Thiele nutzte die Gelegenheit, um die Abgeordnete einzuladen, sich ein laufendes Digitalisierungsprojekt zur Spracherkennung vor Ort anzusehen. Die neue Software soll Mitarbeitende künftig spürbar bei der Dokumentationsarbeit entlasten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war der Bürokratieabbau. Anhand konkreter Beispiele aus dem Pflegealltag – etwa bei der Verordnung von Thrombosestrümpfen oder Bedarfsmedikamenten – verdeutlichten die Fachleute, wie stark administrative Anforderungen die Pflege belasten. Sie plädierten für eine erweiterte Entscheidungskompetenz der Pflegefachkräfte. Darüber hinaus wurden die telefonische Einstufung bei Höherstufungen von Pflegegraden sowie die langen Bearbeitungszeiten des Medizinischen Dienstes kritisiert. Staatssekretärin Krebs sagte zu, diese Anliegen aufzunehmen, verwies aber auf die eigene Zuständigkeit des Medizinischen Dienstes.

Zum neuen Landesheimrecht – dem Teilhabe- und Pflegequalitätsgesetz (TPQG) samt Ausführungsverordnung, die unter anderem die frühere Landesheimbauverordnung ablöst – begrüßte Thiele, dass der Koalitionsvertrag einen Bestandsschutz für ältere Einrichtungen der stationären Pflege und Eingliederungshilfe vorsieht und hoffte auf eine zügige Umsetzung in der Verordnung. Zugleich mahnte sie Planungssicherheit an und verwies auf offene Fragen: etwa die Vorgaben zur Wohngruppengröße und den drohenden Wegfall von Pflegeplätzen bei ohnehin hohem Versorgungsbedarf. Soziale Träger hätten Lösungen, so Thiele – doch zu oft werde ihnen seitens der Politik kein ausreichender Gestaltungsraum gegeben. Staatssekretärin Krebs dämpfte die Erwartungen: Ein Koalitionsvertrag sei noch kein Gesetz – die weitere Entwicklung müsse daher abgewartet werden. 

Auch die Fachkräftesicherung war Thema. Diskutiert wurden fehlende Praxisplätze in Krankenhäusern für die generalistische Ausbildung sowie der Wettbewerb um Personal – insbesondere mit Blick auf Vergütungsunterschiede zu den Kliniken.

Mit Blick auf die Zukunft warben die Beteiligten für neue Versorgungsmodelle: von stationär-ambulanten Mischformen („stambulant") über Wohngemeinschaften bis zur stärkeren Einbindung von Angehörigen. Stiftungsratsvorsitzender Thomas Munding betonte, dass wirtschaftliche Tragfähigkeit Voraussetzung sei, um in solche Modelle investieren zu können. Staatssekretärin Krebs unterstrich ihre Präferenz für quartiersnahe, Gemeinwesen orientierte Ansätze.

In der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen kam die Umstellung auf ein konsolidiertes Modell einer Leistungs- und Vergütungssystematik nach dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) zur Sprache. Thiele kritisierte, dass die Umstellungskosten nicht übernommen würden. 

Staatssekretärin Krebs erkundigte sich nach der hausärztlichen Versorgung und nach Möglichkeiten der Televisite; Ziegler berichtete, die Bewohnerinnen und Bewohner seien derzeit ausreichend versorgt. Alle Beteiligten betonten den Wert des direkten Austauschs und vereinbarten, im Gespräch zu bleiben. Für Staatssekretärin Krebs, die ihr Amt im Mai 2026 angetreten hat, war der Besuch Teil ihrer Sommertour durch Baden-Württemberg. Abgeordnete Wiech und Vorstandssprecherin Thiele werden ihr Gespräch in der kommenden Woche beim Hospiz Schussental fortsetzen – mit einem vertieften Austausch zum Thema Palliative Care.

 

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