Palliativversorgung in die Fläche bringen
Ravensburg – Wie lässt sich erreichen, dass Menschen ihre letzte Lebensphase möglichst in vertrauter Umgebung verbringen können? Um diese Frage ging es unter anderem bei einem Besuch der Landtagsabgeordneten Anna Wiech im Hospiz Schussental in Ravensburg. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion tauschte sich mit Vorstandssprecherin Andrea Thiele und Pflegedienstleiterin Antje Kropp unter anderem über die Zukunft der Palliativ- und Hospizversorgung aus.

Von links.: Antje Kropp, Anna Wiech und Andrea Thiele. Foto: Rafaela Haller/St. Elisabeth-Stiftung
Ein zentrales Anliegen von Anna Wiech ist die palliative Begleitung zu Hause. Viele Menschen möchten nicht im Krankenhaus, sondern in vertrauter Umgebung sterben – und dieses Zuhause kann ebenso ein Hospiz oder ein Pflegeheim sein. Einig war man sich, dass das Wissen aus der Hospizarbeit stärker in die Fläche getragen werden sollte, damit auch in Pflegeeinrichtungen eine gute Begleitung am Lebensende gelingt. Sterben gehöre zum Leben dazu, so Wiech.
Deutlichen Handlungsbedarf sehen beide Seiten in der Ausbildung. Angehende Pflegefachkräfte absolvieren in Hospizen bislang nur ein kurzes Fremdpraktikum von rund 80 Stunden. Die Stiftung wünscht sich, künftig selbst Pflegefachkräfte auch im Hospiz ausbilden zu können und den Auszubildenden mehr Zeit zu geben, die besonderen fachlichen Anforderungen der palliativen Begleitung zu erlernen. Kritisch bewerteten die Beteiligten, dass die palliative Zusatzausbildung nicht refinanziert wird und entsprechende Angebote deshalb nach und nach wegfallen – aus ihrer Sicht der falsche Weg.
Bei allem Aufwand betonten die Gesprächspartnerinnen, dass eine gute palliative Versorgung nicht nur menschlich geboten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist: Sie kann unnötige Krankenhauseinweisungen vermeiden. Als Ansatzpunkt nannten sie den Ausbau der Schnittstelle zwischen Kliniken und Hospiz – beziehungsweise Palliativversorgung. Wichtig sei zudem, dass sich auch Hausärztinnen und Hausärzte stärker mit der Palliativmedizin befassen, die sich von der kurativen Medizin unterscheidet – etwa bei der Frage, wie Medikamente für Menschen mit Schluckbeschwerden verabreicht werden.
Immer wieder ging es auch um Fragen der Selbstbestimmung und der Würde am Lebensende. Vorstandssprecherin Andrea Thiele fasste die Haltung der Stiftung zusammen: „Wir respektieren den letzten Willen der uns anvertrauten Menschen.“
Anna Wiech unterstrich den hohen Stellenwert, den die Palliativversorgung für sie hat, und kündigte an, für einen vertiefenden Austausch erneut ins Hospiz Schussental zu kommen. Mit Blick auf Ausbildung und Finanzierung appellierte Vorstandssprecherin Andrea Thiele an die Politik, jetzt zu handeln. Der Besuch reihte sich in die Politischen Sommergespräche der St. Elisabeth-Stiftung ein, mit denen die Stiftung den Dialog zwischen sozialer Praxis und Politik pflegt.
