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15.09.2026

„Ein Arbeitsplatz bedeutet Gemeinschaft, Anerkennung, ein Stück Selbstständigkeit“

Ehingen – Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) Ehingen hat ihren 50. Geburtstag am 10. September gebührend gefeiert. Nach einem gut zweistündigen Festakt waren die Gäste noch zu interessanten Führungen eingeladen. Zahlreiche Vertreter von Landkreis, Stadt und Firmen zollten der Arbeit der WfbM Ehingen Respekt und unterstrichen, wie wertvoll die Einrichtung für Ehingen und die Region ist. Musikalisch umrahmt wurde der Vormittag vom Chor VIELKLANG und dem Musiker Jochen Lutsch.

Die Werkstatträte Steffi Hesse und Klaus Baier machten beim Festakt den Anfang. Sie betonten, wie wichtig die Arbeit in der WfbM Ehingen für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen ist: „Ein Arbeitsplatz bedeutet Gemeinschaft, Anerkennung und ein Stück Selbstständigkeit.“ Auch Annika Kühnbach vom Chor VIELKLANG beschrieb, wie wertvoll die Werkstatt für behinderte Menschen ist, weil sie ihnen dabei helfe, einen Platz in der Gemeinschaft zu finden.

Vorstandssprecherin Andrea Thiele erinnerte an die Anfänge der WfbM Ehingen und die damalige Zeit, als der Liter Benzin noch 58 Pfennig kostete und die Gurtpflicht eingeführt wurde. In den 50 Jahren habe sich die Werkstatt enorm weiterentwickelt. Sie stehe für hochwertige Produkte und Dienstleistungen und sei ein starker Partner der Wirtschaft, etwa des heimischen Liebherr-Werks und der Gardena Manufacturing GmbH wie auch der Stadt Ehingen. Damit leiste die WfbM Ehingen einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg in der Region. Andrea Thiele lobte besonders die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die gegenseitige Wertschätzung dieser Kooperationen.

Dr. Michelle Flohr, Dezernentin für Jugend und Soziales des Landkreises Alb-Donau, unterstrich die Bedeutung der Einrichtung: „Arbeit ist Teilhabe“ und somit Basis für die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Die WfbM biete Tagesstruktur, man kann hier seine Fähigkeiten entwickeln und einen Beitrag leisten. „Darin liegt die Stärke der Werkstatt“. 

Oberbürgermeister Alexander Baumann erklärte, es gehe in der WfbM nicht darum, was jemand nicht kann, sondern immer darum, was möglich ist. Er schätze die Arbeit der Landschaftspflege, die praktischen Produkte für den Alltag, die hier entstehen, und belohnte die WfbM mit 50 Freikarten fürs Freibad – ebenso als Dankeschön an die fleißigen Helfenden der alljährlichen Frühjahrsputzaktion.  

Ulrich Heusel, Geschäftsführer Produktion Liebherr-Werk Ehingen, zeigte sich von der 50jährigen Erfolgsgeschichte der WfbM beeindruckt: Mit Herz und Verantwortungsbewusstsein werden hier ein sozialer Beitrag geleistet, Menschen Perspektiven und Wege in die Arbeitswelt ermöglicht. Die Zusammenarbeit sei von Beständigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen geprägt - und sie werde es auch bleiben. Er erinnerte an die Anfänge, die sich inzwischen über Metallbearbeitung ausgedehnt haben, beispielsweise auf die Betriebsgastronomie von Liebherr, wo seit 2024 zehn Beschäftigte im Einsatz sind. Neben einem Kran im Miniaturformat hatte er für alle Beschäftigten auch Geschenke auf Lager. 

In einem Ratespiel verpackt vermittelte Chris Felix von der Gardena Manufacturing GmbH in Zahlen sein Lob über die ausdauernde Beziehung: 41 Jahre Zusammenarbeit, 300 unterschiedliche Produkte, 25 Millionen Bausteine. Er zeigte sich fasziniert von der außergewöhnlich langen Partnerschaft, die für mehr als 40 Jahre Vertrauen stünde.

Marion Staudhammer, Niederlassungsleitung Teilhabe und Bildung, und Timm Walter, Niederlassungsleitung Produktion und Dienstleistung, erläuterten ihrerseits die Geschichte der WfbM. Die Hauptfelder sind heute Montage, Metallverarbeitung und Landschaftspflege sowie der Förderbereich. Über die Jahrzehnte vollzog sich ein großer Wandel, auch generell in der Behindertenhilfe, von Fürsorge zu Selbstbestimmung und Teilhabe, von beruflicher Bildung zu Assistenz auf Augenhöhe. „Geblieben sind aber die wesentlichen Ziele der WfbM: Teilhabe, Respekt und das Miteinander.“ Die Mitarbeitenden seien mit Geduld, Fachwissen und Einsatz für die Betreuten da. Die Beschäftigten ihrerseits seien sehr zuverlässig. Bei einer Befragung hatten sie viele ehrliche Antworten parat, was die WfbM für sie ausmacht. Sie schätzen ihre WfbM als Lebensmittelpunkt, den Zusammenhalt und gehen mit Begeisterung zur Arbeit. Sie sind stolz auf ihre Produkte und Dienstleistungen und ein Beschäftigter antwortetet symbolträchtig: „Auf uns sind wir stolz.“

Jochen Lutsch machte es musikalisch am Ende deutlich: Perfektion ist gar nicht so wichtig – improvisiert entstand ein Lied, in dem aus dem Publikum Stichworte genannt wurden, was Menschen mit der WfbM Ehingen in Verbindung bringen: Freude, Zusammenhalt, Lachen, Currywurst, super… Dieser Song und „Tage wie diese“ von den Toten Hosen brachten zum Abschluss die Stimmung auf den Höhepunkt. Nach dem Festakt folgten interessante Führungen durch die Werkstatt.

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