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02.12.2014
Hospiz Haus Maria, Biberach

Hospize setzen die Standards

BIBERACH - Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, Schirmherrin des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands, hat zusammen mit MdB Martin Gerster (SPD) das Hospiz Haus Maria besucht. Die ehemalige Bundesjustizministerin interessierte sich dabei insbesondere für die Geschichte und die Finanzierung des Hospizes.

Hospizleiter Tobias Bär führte die Gruppe durch das Haus, wo auf zwei Stockwerken acht Plätze für schwerstkranke und sterbende Menschen zur Verfügung stehen – zumeist sind alle Plätze belegt. Die Hospizgäste werden im Schnitt 30 Tage lang von derzeit 19 Mitarbeiterinnen zählenden Hospizteam begleitet und betreut. Unterstützung kommt dabei von aktuell 15 Ehrenamtlichen.

Prof. Dr. Egon Lanz, Vorsitzender des Fördervereins Hospiz Landkreis Biberach, hatte zuvor zehn Jahre zurückgeblickt: Damals machten sich mehrere Initiatoren, unter anderem aus Stadtrat und Caritas, für ein stationäres Hospiz in Biberach stark. „Der Gesetzgeber wollte ausdrücklich Hospize separat von Krankenhäusern – das ist ein guter Gedanke.“

Der ehemalige Chefarzt für Anästhesiologie erinnerte auch an die Diskussionen, als man sich für den Standort mitten in der Stadt entschieden hatte: „Das war durchaus umstritten, viele haben gefragt: Jeden dritten, vierten Tag der Bestatter vor dem Haus – wie kommen damit die Nachbarn klar?“ Die Befürchtungen hätten sich aber längst in Nichts aufgelöst, so Lanz: „Es war die richtige Entscheidung, das Hospiz mitten in Biberach zu eröffnen:  Das Sterben gehört zum Leben.“

Herta Däubler-Gmelin interessierte sich unter anderem für die Finanzierung des Hospizes. Damit sprach sie die größte Hürde an, die das Projekt bis zur Eröffnung Ende 2010 zu nehmen hatte: Wie den gesetzlich vorgeschriebenen Abmangel solide finanzieren und dabei kirchliche und nichtkirchliche Akteure unter einen Hut bekommen? Die Lösung:  Stadt, Kreis, Kreissparkasse und Hospital gaben eine Zusage für 15 Jahre, jährlich zusammen 60.000 Euro einzubringen. Die St. Elisabeth-Stiftung, die Franziskanerinnen von Reute e.V., die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Katholische Gesamtkirchengemeinde Biberach tragen über die gemeinsam gegründete Hospizstiftung Biberach zur Finanzierung bei. Auch der Förderverein Hospiz Landkreis Biberach leistet einen zentralen Beitrag – und schließlich wirbt das Hospiz selbst aktiv Spenden ein.

Thomas Knoll, Inhaber der Warthausener Galerie Knoll.art, stellte in diesem Zusammenhang das Projekt „1000 Bausteine für die Hospizstiftung Biberach“ vor.  Knoll initiierte zusammen mit dem weltweit anerkanntem Künstler Willi Siber aus Dietenwengen zu dessen 65. Geburtstag diese Aktion, über die bis Ende des Jahres Kunstwerke des Künstlers zugunsten der Hospizstiftung verkauft werden. Ein einzelner Siberscher Baustein kostet 130 statt 250 Euro, wenn sich der Käufer verpflichtet, pro gekauftem Baustein eine Zustiftung von 100 Euro an die Hospizstiftung zu tätigen. 60.000 Euro seien dadurch bereits zusammengekommen: „Darunter sind auch Stifter, die gar keine Pellets gekauft haben, aber durch die Aktion auf das Hospiz aufmerksam geworden sind“, freute sich Thomas Knoll.

Der überwiegende Teil der Finanzierung der Kosten des Hospizes von rund einer Million Euro pro Jahr wird von den Krankenkassen getragen. „Zahlen die Krankenkassen gut und verlässlich? Wie sehr sind Sie mit dem Eintreiben dieses Geldes beschäftigt?“ Herta Däubler-Gmelins fragte gezielt nach – vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Hospize immer wieder am Rande des Ruins arbeiten, wenn Kassengelder ausbleiben, Gehälter aber weiterbezahlt werden müssen.

"Die St. Elisabeth-Stiftung als Träger übernimmt den gesamten Verwaltungsbereich und die Abrechnung mit den Krankenkassen“, sagte Annemarie Strobl, Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung. „Das ist der Vorteil, den wir als großer Träger gegenüber kleineren Initiativen haben. Das Team im Hospiz kann sich voll auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren.“

Diese Arbeit des Hospizes wurde von allen Seiten gelobt. „Dass das Hospiz in Biberach so gut angenommen wird, ist das Verdienst des Teams“, betonte Egon Lanz. „Die Qualität unserer Arbeit sichert unser Personal“, sagte Hospizleiter Tobias Bär, dessen Team alle vier Wochen Unterstützung durch eine Supervisorin bekommt. „Die Kassen decken nicht die eigentlich angepeilten 90 Prozent der Kosten, sondern eher 80 Prozent – wir müssen mit einem im Vergleich zum benachbarten Bayern deutlich niedrigerer Satz auskommen.“

Auch Herta Däubler-Gmelin hob die gute Arbeit hervor, die in Hospizen geleistet wird, hervor. Sie plädierte dafür, die Standards aus den Hospizen auf andere Orte, wo schwerstkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige betreut werden, auszuweiten – zum Beispiel auf Krankenhäuser. Martin Gerster MdB hob hervor: „Mit dem Pflegestärkungsgesetz gibt es ab Beginn 2015 Verbesserungen – aber das darf nur der Beginn sein.“