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22.08.2017
Wohnpark St. Martinus, Blitzenreute

Afrikanischer Azubi versteht auch Schwäbisch

FRONREUTE-BLITZENREUTE – Yahya Setu kommt aus Kenia und hat in Blitzenreute seinen Traumberuf gefunden.

Klara Hofmann, Hedwig Marks, Maria Hänsler, und Helga Buchmaier haben Yahya Setu von Beginn an ins Herz geschlossen. Auch Claudia Ziegler (hinten), Leiterin des Wohnparks St. Martinus, ist voll des Lobes über den Altenpflegehelfer. Foto: Elke Oberländer/St. Elisabeth-Stiftung

Im Wohnpark St. Martinus hat der 42-jährige kürzlich die Ausbildung zum staatlich geprüften Altenpflegehelfer abgeschlossen. Bei Bewohnern und Mitarbeitern wird er sehr geschätzt. „Wir brauchen Fachkräfte wie ihn“, sagt Wohnpark-Leiterin Claudia Ziegler. Sie ist froh, dass Setu auch weiterhin im Wohnpark arbeitet.

„Er kam, sah und siegte.“ So beschreibt Leiterin Ziegler die ersten Arbeitstage ihres afrikanischen Auszubildenden. „Die Bewohner haben ihn vom ersten Tag an ins Herz geschlossen.“ Sein freundliches Strahlen, seine liebenswerte Art und sein Einfühlungsvermögen hätten alle sofort überzeugt. Die Gruppe, die auf Bänken vor dem Wohnpark das schöne Wetter genießt, ist voll des Lobes für ihren kenianischen Pflegehelfer. „Und wenn doch mal ein Bewohner mit Demenz etwas über meine dunkle Hautfarbe sagt, dann verstehe ich das als Zeichen seiner Krankheit“, sagt Setu.

Immer wieder wird der Afrikaner gefragt, wie es war, mit dem Schlauchboot das Meer zu überqueren. Aber Setu ist kein Flüchtling. In seiner Heimat hatte er sich mit einem deutschen Urlauber angefreundet. Sechs Mal war Setu als Besucher in Deutschland – bis er blieb. Mittlerweile ist er Vater einer sechs Jahre alten Tochter und fühlt sich im Land sehr wohl.

In Deutschland hat Setu zunächst in einer Metallwerkstatt gearbeitet. Das war nicht das Richtige für ihn, sagt er. Deshalb hat er die Ausbildung zum Altenpflegehelfer begonnen. Zwei Jahre hat sie gedauert. Jeweils zwei Tage in der Woche hatte Setu Unterricht in Wangen an der Berufsfachschule für Altenpflege des Instituts für Soziale Berufe. Bestandteil der Ausbildung war ein intensiver Deutsch-Kurs.

Die Sprache war am Anfang das Hauptproblem. „In der Schule habe ich Hochdeutsch gelernt“, berichtet Setu. „Aber hier im Heim sprechen sie Schwäbisch.“ Wenn er im Deutsch-Kurs gelernt hatte: „Bitte nehmen Sie Platz“, hieß es von den Bewohnern im Wohnpark: „Hock da hanne na.“ Inzwischen versteht der Afrikaner auch das. In der Berufsfachschule kamen weitere Fächer dazu wie Aufgaben und Konzepte in der Altenpflege, Unterstützung bei der Lebensgestaltung, rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen, Altenpflege als Beruf, Praxis in der Altenpflege sowie Religionslehre.

„In der Berufsfachschule war Herr Setu ein absoluter Vorzeigeschüler“, berichtet Wohnpark-Leiterin Ziegler. Und im Wohnpark habe er einen festen Platz im Team. Deshalb ist Ziegler froh, dass sie für den frischgebackenen Altenpflegehelfer jetzt eine 70-Prozent-Stelle hat. Ab September 2018 wird er im Wohnpark St. Martinus die Ausbildung zur Altenpflege-Fachkraft beginnen. Sie dauert noch einmal zwei Jahre.