Hallo David. Schön, dass Du Dir Zeit für uns nimmst.
Welche Rolle spielt der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden auf Deinem Hof?
Als Bio-Bauern setzen wir gar keine Pestizide ein. Wir düngen mit den Abfallstoffen unserer Tiere. Mit deren Mist und Gülle. Künstlich hergestellte Düngemittel setzen wir nicht ein. Kleegras kann Stickstoff aus der Luft in den Boden bringen. Das ist auch eine Form der Düngung.
Welche Veränderungen hast Du vorgenommen, um den Auswirkungen des Klimawandels wie extremen Temperaturen oder dem Starkregen zu begegnen.
Das Wichtigste ist ein gesunder Boden. Der Boden muss bei längerer Trockenheit lange Wasser nachliefern können. Bei Starkregen muss der Boden viel Wasser aufnehmen können. Wenn man mit schweren Maschinen über den Boden fährt, drückt man den Boden platt. Dann kann er nicht mehr viel Wasser aufnehmen. Die Pflanzen können dann auch keine weiten Wurzeln entwickeln. Zum Beispiel entwickelt Mais andere Wurzeln als Kleegras. Das wirkt sich auf den Boden aus. Das Tolle ist: Kleegras ist gut für den Boden und gleichzeitig Futter für die Tiere.
Welche Rolle spielt die Tierhaltung in Deinem Betrieb und wie beeinflusst der Klimawandel diese?
Die Tierhaltung spielt bei uns eine sehr große Rolle. Die Tiere liefern mir den wichtigen Dünger. Damit kann ich meine Braugerste und mein Brotgetreide düngen. Brot brauchen wir alle. Bier trinken wir manchmal gerne. Malz liefern wir an die Brauerei Härle. Daraus wird „Seezüngle“ gemacht. Ohne gesunde Tiere wäre das alles nicht möglich.
Wie reagieren Deine Kunden auf nachhaltige Produkte? Gibt es eine gesteigerte Nachfrage nach regionalen und umweltfreundlich produzierten Lebensmitteln?
Die Nachfrage ist da. Viele Getreidesorten wie Weizen liefern wir an Bäcker hier aus der Region. Die Braugerste liefern wir an die Brauerei Härle. Die Verbraucher entscheiden dann beim Einkaufen, ob sie etwas mehr Geld für nachhaltig produzierte Lebensmittel ausgeben wollen oder nicht. Manchmal sind es auch Ereignisse, die nicht vorhersehbar sind, aber Einfluss auf die Nachfrage haben. Zum Beispiel die Corona-Zeit aber auch der Ukraine Krieg.
Was würdest Du anderen Landwirten raten, die noch nicht auf nachhaltige Praktiken umgestellt haben?
Es macht verdammt viel Spaß, nicht mehr so von anderen Personen abhängig zu sein. Zum Beispiel wenn die Preise für Düngemittel und Spritzmittel steigen und fallen.
Wenn man immer an die Grenzen geht, so führt das meist zu irgendwelchen Problemen. Zum Beispiel halte ich es aus, mal zwei oder drei Nächte nur vier Stunden zu schlafen. Aber irgendwann geht das nicht mehr. Das schaffe ich nicht. Dann breche ich zusammen. Und so ist es auch mit meinen Tieren, dem Boden und dem Feld. Wenn ich alles überstrapaziere, wird das Tier irgendwann krank und der Boden geht kaputt.
Darum sind meine Tiere auf der Weide. Dort fressen sie ihr Futter und düngen gleichzeitig den Boden. Dadurch habe ich weniger Arbeit und muss am Ende auch weniger Geld ausgeben.
Es lohnt sich auf die Natur und auf sich selbst zu achten. Manchmal ist etwas weniger dann eben doch mehr.
Wie siehst Du die Zukunft der Landwirtschaft in Bezug auf den Klimawandel? Was ist notwendig um eine zukünftige Landwirtschaft zu sichern?
Das wird eine riesige Herausforderung. Trockene Sommer. Starkregen. Wir wissen nicht, wie das Wetter in den kommenden Jahren wird. Wir müssen uns aber trotzdem so gut es geht vorbereiten. Aber das ist schwierig. Hätten wir vor 15 Jahren weiter an der Wind- und Solarenergie festgehalten, wären wir heute wesentlich weiter. Einen Fehler zu korrigieren ist meist um ein vielfache teurer, als einen Fehler erst garnicht entstehen zu lassen.
Was motiviert Dich, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben?
Seit vielen Generationen ist meine Familie in der Landwirtschaft aktiv. Schon meine Großeltern haben versucht etwas für die nächsten Generationen aufzubauen. Also für ihre Kinder und Enkelkinder. Und das möchte ich auch machen. Ich möchte etwas für meine Kinder und die nächsten Generationen aufbauen. Ich möchte zeigen, dass es anders auch geht. Es geht nicht immer nur darum höher, schneller, oder weiter zu sein. Ob das der richtige Weg ist, das weiß ich nicht. Vielleicht wissen wir das erst in fünfzig Jahren. Aber dann kann ich wenigstens sagen – ich habe es versucht.








